Schluss mit Sender einstellen

Vergessliches Autoradio?

Schluss mit Sender einstellen

# 158 | 07.12.2015 | Bubu

Weil VW Dauer- und Schaltplus vertauscht hat, leiden fremde Radios in Polo oder Passat unter Sender-Demenz. Ein simples Umpinnen hilft.

1VW und die Autoradios

Welcher VW-Fahrer (Audi, Skoda, Seat, VW) kennt das Problem nicht: Da gibt das originale (und völlig überteuerte) Alpha-Radio seinen Geist auf und es muss ein neues her.
VW-Radios sind natürlich völlig überteuert und zudem auch noch sparsam ausgestattet. Also kauft Mann oder auch Frau eine anständiges Radio, sei es von JVC, Sony, Kenwood oder Blaupunkt...
 
Das edle Stück eingebaut, funktioniert alles hervorragend – denkste. Am nächsten morgen reibt man sich verschlafen die Augen, steht auf und will in die Arbeit fahren.
Dann fängt der Tag schon bescheiden an: Das Radio weiß die tags zuvor eingespeicherten Sender nicht mehr und alle mühevollen Einstellungen waren für den Allerwertesten. Gut, denkt man – so vergess´ ich wenigstens nicht, wie man das einstellt, tägliche Übung ist gut, um sich Dinge schnell zu merken.
Aber wer hat schon Lust jeden Tag eine halbe Stunde früher aufzustehen um das Radio einzustellen??
 
Hier die Lösung: Bei VW arbeiten schlaue Leute und die wollen es dem Endverbraucher natürlich schwerstmöglich machen ein „billiges“, aber sehr gutes Radio einzubauen. VW verdient einfach nicht schlecht an den 499 Euro-Radios, die noch nicht mal MP3-fähig sind. Es ist aber gar nicht so schwer, den Anschluss des Autos umzubasteln.
Zur Theorie: VW hat den Schaltplus mit dem Dauerplus vertauscht.
 
Auf dieser kleinen Zeichnung sieht man den genormten ISO-Anschluss (den die meisten Radios ab Werk haben). Bei VW ist Pin 4 und Pin 7 im Stromanschluss vertauscht. Klar denkt man jetzt - "da nehme ich nen Seitenschneider und ne Lüsterklemme und dann wird das schon...“. Das ist aber nur Gemurkse.
 
Zum einen verjüngt man den Leiterquerschnitt (das Dauerplus ist aus gutem Grund dicker) und zum anderen sieht es bescheiden aus und so viel Platz hat man meist auch nicht, um recht viele Lüsterklemmen hinters Radio zu verstecken. Ganz zu schweigen von den Problemen mit der Versicherung, wenn die Kiste aus welchem Grund auch immer abfackelt.
 
Also basteln wir uns ein kleines Werkzeug. Im Fachhandel für ca. 50 Euros zu haben - in 20 Minuten für den geübten Bastler selbst gebaut, Materialkosten kleiner 50 Cent.

2Stecker-Werkzeug

Zutaten:
1x Rundholz; 11mm im Durchmesser, ca. 40 mm lang
2x Blechstreifen (am besten Federstahl); 1 mm stark, 1,6 - 1,8 mm breit, ca. 35 mm lang
 
Die Blechstreifen werden (wie auf dem Bild zu sehen) etwas abgewinkelt (ca. 8 mm nach der Spitze).
In das Rundholz werden auf der Stirnseite zwei Löcher gebohrt (Lochabstand: 3,5 mm). Diese sollten so klein gewählt werden, dass sich die Blechstreifen streng dort einpassen lassen.
Die Spitzen der Blechstreifen werden leicht abgerundet und außen und innen leicht angeschrägt (feilen).

3Stecker umpinnen

So benutzt man das neue Werkzeug dann:
 
Um den jeweiligen Steckereinsatz zu entriegeln, steckt man von vorne (gelbe Pfeile) das Werkzeug ein. Man muss am Anfang etwas mit dem Biege-Winkel der Blechstreifen experimentieren. Bevor man das Werkzeug zum Entriegeln ansetzt, sollte man das Kabel zum Stecker hindrücken, damit die Entriegelungszungen sich nicht verklemmen können und frei sind.
Dann steckt man das Werkzeug ein und wenn man dann spürt, dass es entriegelt ist zieht man das Kabel mit dem Einsatz heraus. Eventuell die Verriegelungszungen am Steckereinsatz nachbiegen und dann ins richtige Loch im Stecker stecken. Bei VW vertauscht man jetzt auf diese Art und Weise Pin 4 mit Pin 7.
 
Vorsicht: Bei manchen Autos (z.B. Suzuki) geht das OHNE Werkzeug.
Da ist dann ein Kunststoffstreifen im Stecker drin, den man an der Stirnseite herauszieht und dann sind ALLE Steckereinsätze entriegelt (aufpassen, dass die nicht alle rausfallen und sich mischen).

4Diagnose-Pin

Neben dem Vertauschen von Plus und Dauerplus hat VW noch ein weiteres Bonbon im unteren Stecker verbaut:
Pin 3 des Steckers III (schwarz/unten) ist für die Eigendiagnose (OBD) zuständig, er ist allerdings auch mit allen anderen Steuergeräten verbunden - die K-Leitung (Eigendiagnose/OBD) ist sternförmig vernetzt. Viele Fremdradios legen nun 12V auf diesen Pin und damit ist die Diagnose zu den einzelnen Steuergeräten gestört.
Die Folgen können stark variieren, von absolut keinen Auswirkungen bis hin zu Fehlfunktionen in der Zentralverriegelung (einige Komfortsteuergeräte haben sich als empfindlich erwiesen) ist alles dabei.
 
Der aber wohl kritischste Punkt ist, das von diesem Einbau an keine Diagnose mehr möglich ist und schlimmer noch, insbesondere ältere Diagnosegeräte sind dagegen nicht abgesichert (z.B. die alten VAG-1551/1552 Tester von VW/Audi), danach sind sie nur noch Elektronikschrott.
Desweiteren läuft die Diagnose welche während der Abgasuntersuchung gemacht wird ebenfalls oft noch über diese Leitung und im schlimmsten Fall gibt es dann keine Plakette!
Der Pin sollte also ebenfalls ausgelöst und abisoliert werden.

5Schlechter Radioempfang?

Und nun zum Radioempfang. Manch einer wird feststellen, dass der Empfang mit dem neuen Radio ziemlich mies ist. Bei manchen (welcher das ist, merkt man am Empfang) VW’s wurde ein Antennenfuß mit eingebautem FM-Verstärker verbaut.
 
Dieser bekommt seinen Strom direkt vom Werksradio übers Koaxialkabel. Man nennt diese Art der Stromversorgung „Phantomspeisung“. Es gibt zwei Möglichkeiten, das Problem zu beheben: Entweder einen fertigen Adapter für die Antennenphantomspeisung kaufen (gibt’s ab ca. 10 Euros im Fachhandel). Oder man bastelt sich selbst etwas.
 
Der Kondensator verhindert, dass der Strom der Phantomspeisung in den Antenneneingang des Radios „zurückfließt“ (Kondensator sperrt Gleichstrom). Die Spule lässt nur den Gleichstrom hindurch. Die Werte sind ziemlich unkritisch und können ausprobiert werden.
Als Kondensator kann man 10 nF probieren, die Spule etwa 1 mH. Die Spule sollte mit dem Strom für den Antennenverstärker zurechtkommen, dieser braucht jedoch nur sehr wenig Strom.