Öl im Wasser?

Zylinderkopfdichtung wechseln

Öl im Wasser?

# 156 | 27.11.2015 | THE

Die Zylinderkopfdichtung trennt den Block vom Kopf und geht irgendwann kaputt. Ein Wechsel ist gar nicht so schwer, wenn man etwas Zeit und rechtes Werkzeug hat.

1The older the better

Dieser Artikel erschien Mitte 2000 der erste Mal bei Autoschrauber.de. Wird er deswegen schlecht? Nicht zwangsläufig, eher handelt es sich nun um ein Zeitdokument mit tatsächlichem Nutzen, weil auch 2015 noch alte Gölfe durch die Republik schippern und zahlreiche 1,6er Motoren nach demselben Prinzip verarztet werden.
Obendrein ist an dieser Mühle hier ist einfach nichts überflüssiges dran, die Reparatur also "pur" und bar jeden Ballasts.
Vor allem erinnert dieser Artikel an die gute alte Zeit, als Digitalkameras noch 1.600 D-Mark kosteten....
 
 

2Zylinderkopfdichtung kaputt?

Verliert der Motor durch die Zylinderkopfdichtung viel Öl, findet man Ölemulsion am Ölpeilstab.
Alternativ sprudelt es im Kühlwasservorratsbehälter, wenn der Motor läuft. Obendrein ist meist der Motorblock und alles Darunterliegende durch austretendes Öl verdreckt.
 
Ernste Schäden sind zu befürchten, wenn Kühlwasser in den Brennraum gelangt. Schließlich lässt sich Wasser nicht verdichten - die Kompression steigt auf Extremwerte.
Eine weiße Auspuffahne zeigt dann an, daß Kurbelwellen- und Pleullager in sehr absehbarer Zeit ihren Geist aufgeben werden.
 
Volkswagen hat die Zylinderköpfe und Motorblöcke sehr genau zueinander gepasst. Die Kolben ragen bei verschiedenen Motoren in ihren Totpunkten unterschiedlich weit heraus.
Um die optimale Kompression zu gewährleisten, verbaute VW drei unterschiedlich dicke Zylinderkopfdichtungen.
 
Um vor Beginn der Arbeiten die richtige Dichtung zu identifizieren, muß man etwa in der Mitte der Trennfuge zwischen Zylinderkopf und -Block einen Zipfel der Dichtung suchen, der aus der Fuge herausragt.
In diesen Zipfel sind Kerben oder Löcher eingeschlagen - die Ersatzdichtung muß die selbe Anzahl haben.

3Benötigtes Werkzeug

Die Reparatur lässt sich bei gutem Wetter am Bordstein durchführen; eine Werkstatt oder sogar eine Hebebühne sind natürlich fein.
Vor allem braucht man ein paar Werkzeuge, ohne die es beim besten Willen nicht geht. Das sind...
- Innenvielzahnnuß SW 12. Absolut erforderlich.
- Drehmomentschlüssel
- Dorn zum Abstecken der Einspritzpumpe (Länge etwa 100mm, d=15.45mm).
- Lineal zur Fixierung der Nockenwelle (Länge etwa 100mm, b=10mm, h=4.5mm)
Wer sich die beiden letztgenannten Spezialwerkzeuge zum Fixieren der Lage von Nockenwelle und Einspritzpumpe nicht besorgen kann, könnte die Position von Nockenwelle und Einspritzpumpenriemenscheibe bei Motor-OT auch mit einem Lackstift oder einer Reißnadel festhalten.
Das ist allerdings heikel - man kann gerade bei der Pumpe leicht die eindeutige Einstellung verlieren.
- Federspanner für die Auspuffklammern.
Wer sich die Spanner nicht besorgen kann, muß sich mit etwas Anderem helfen. Gute Dienste leisten Keile, die man sich aus 3mm Stahlblech sägen kann. Löcher in 8mm reinbohren.
Mit Schraubenzieher und Hammer lassen sich die Klammern so lösen und auch wieder befestigen.
Die Klammern verfügen über eine ENORME Spannkraft. Ein Montageversuch ohne Hilfswerkzeug geht in die Hose.

4Batterie, Kühlwasser und Luftfilter

Massekabel von der Batterie abnehmen.
 
Kühlwasser ablassen. Dazu den Kühlwasserschlauch an der Kühlwasserpumpe lösen und den Deckel des Ausgleichbehälters öffnen und die Kühlflüssigkeit in einen geeigneten Behälter ablassen.
Ist die Lorke noch nicht allzu verschmutzt und stimmt der Frostschutzanteil, kann das Zeug wiederverwendet werden. Ansonsten: fachgerecht entsorgen.
 
Luftfiltergehäuse mit Luftfilter und Ansaugschlauch abbauen.
Entlüftungsschlauch zwischen Ventildeckel und Ansaugkrümmer abbauen.

5Kraftstoffleitung und OT-Stellung

Spritleitung zur Einspritzpumpe am Kraftstoffilter abnehmen (in/out sind durch Pfeile markiert) und in die Nähe des Kühlers wegbinden.
 
Obere Zahnriemenabdeckung abbauen; dazu die Klammern am Umfang lösen und eine Schraube SW 10 in der Mitte des Kunstoffteils lösen.

6Motor auf OT stellen

Motor mit einem Ringschlüssel an der Kurbelwellenriemenscheibe mit einem 19er Schlüssel durchdrehen und auf OT 1. Zylinder stellen. Das Bild zeigt die OT-Markierung auf der Schwungscheibe des Motors.
Um diese Markierung zu sehen, den Kunstoffstopfen in der Getriebeglocke entfernen. Im Schauloch muß "O" erscheinen.

7Einspritzpumpe arretieren

Einspritzpumpe mit dem Absteckdorn sichern.
Sollten die die dafür vorgesehenen Bohrungen in der Riemenscheibe und dem dahinter liegendenden Blech nicht fluchten, den Motor noch einmal um volle 360° weiterdrehen.
 
Hat man keinen Dorn, die Stellung der Riemenscheibe jetzt eindeutig und reproduzierbar markieren.

8Ventildeckel abbauen

Die Muttern und Klemmleisten für den Ventildeckel demontieren und den Deckel abbauen. Den farbigen Dichtstopfen an der rechten Seite der Dichtfläche herausnehmen.
 
Stellung des Nockenwellenrades (Berg/Tal) mit Reißnadel oder Lackstift auf dem Blech zwischen Nockenwellenrad und Zylinderkopf festhalten.
Das Blech selbst kann drinbleiben.
Die Absteckleiste in die Nut an der Sirnseite der Nockenwelle einschieben.

9Zahnriemen abnehmen

Klemmutter der Zahnriemenspannrolle lösen und die Klemmrolle abnehmen. Den Zahnriemen so weglegen, dass er nicht weiter stört (der untere Teil bleibt drin).
 
Zentralschraube an der Nockenwellenriemenscheibe lösen (ohne Leiste zur Arretierung der Nockenwelle ein Problem) und die Riemenscheibe abnehmen. Sitzt die Scheibe fest, mit einem leichten Schlag eines Kunstoffhammers nachhelfen.
Die Scheibe sitzt lediglich auf einem Konus und muss später so montiert werden, dass sowohl der Riemen stramm sitzt, als auch die Absteckleiste saugend in ihre Nut passt.
 
Jetzt den Auspuff vom Krümmer abbauen. Dazu unter das Auto krabbeln, so dass die Füße nach vorne rauskucken - so kommt man gut an die Federn ran (auch wenn ihre Demontage echt schwer geht). In jedem Fall vorsicht vor der Energie der gespannten Federn.

10Spritleitungen abbauen

Kraftstoffrücklaufleitung von der rechten Einspritzdüse abnehmen.
 
Alle Einspritzleitungen im Verbund an Pumpe und Einspritzdüsen lösen und abnehmen.
Düsenöffnungen sauber verschließen.

11Glühstromleitungen / Kühlwasser

Glühstromleitung an der rechten Glühkerze abnehmen.
 
Elektrische Leitungen für Öldruckschalter und Temperaturfühler abnehmen und wegbinden.
 
Wasserschläuche am Zylinderkopf abschrauben oder Schläuche am Stutzen lösen, wenn alles stark korrodiert ist.

12Zylinderkopf demontieren

Zylinderkopfschrauben von Außen nach Innen in zwei Zügen lösen und dann ganz herausdrehen.
Die Zylinderkopfschrauben sind Dehnschrauben, d.h., sie sitzen unter starker Zugspannung.
Da sich das Material durch die starke Spannung verändert, dürfen die Schrauben nur einmal verwendet werden: Neue Schrauben nehmen.
 
Anschließend den Zylinderkopf mit HelferIn abnehmen und ablegen.
Dichtflächen an Motorblock und Zylinderkopf mit einem Schaber von Dichtungsresten säubern. Aufpassen, dass die Dichtungsreste nicht in die Öl- oder Wasserbohrungen fallen.

13Neue Zylinderkopfdichtung

Neue Dichtung richtigherum (!) auflegen und den Zylinderkopf mit HelferIn aufsetzen.
Die neuen Schrauben zum Zentrieren einsetzen.
 
Schrauben von Innen nach Außen über Kreuz mit einem Drehmomentschlüssel in vier Zügen anziehen. Üblicherweise fliegt in der Packung der Zylinderkopfdichtung ein Zettelchen mit Montage-Anweisungen und Drehmomenten rum. Wenn nicht, können die folgenden Werte als Anhaltspunkt dienen:
 
1.Zug 40Nm / 2.Zug 60 Nm / 3. Zug 75 Nm.
Anschließend ohne Abzusetzen eine weitere halbe Umdrehung pro Schraube.
 
Nach 1000 km Fahrstrecke sollen die Schrauben um eine weitere Viertelumdrehung nachgezogen werden.
Die Schrauben vorher nicht lockern - nur weiter festziehen. Der Motor darf dabei warm sein.
 
Wenn der Kopf drauf ist, alle übrigen Aggregate in umgekehrter Reihenfolge montieren. Besonders auf die Steuerzeiten, also die Einstellung des Zahnriemens achten:
Bei "0" an der Schungscheibe muss der Absteckdorn in die Riemenscheibe der Einspritzpumpe und die Absteckleiste in der Nockenwelle passen.
 
Den Riemen mit einem Zweilochschlüssel am Riemenspanner spannen. Der Riemen muss sich zwischen Pumpen- und Nockenwellenrad etwa einen Zentimeter durchdrücken lassen. Die Klemmmutter am Riemenspanner spannen.
Die restliche Montage erfolgt in Umgekehrter Reihenfolge des Ausbaus.
 
Läuft alles? Ein zu stark gespannter Zahnriemen pfeift im Leerlauf.