Riemen-Reinraus

Zahnriemen wechseln

Riemen-Reinraus

# 111 | 02.04.2015 | JEM

Die Vierzylinder-Benziner des Passat werden -ganz klassisch- von einer Nockenwelle gesteuert. Deren Antrieb besorgt -noch klassischer- ein Zahnriemen.

1Bahn frei machen

Der Zahnriemen treibt beim 4-Zylinder Benziner des Passat die Nocken- und Zwischenwelle und damit auch den Zündverteiler an. Damit die Nockenwelle nicht bei vollem Motorlauf stehen bleibt und die Kolben die noch betätigten Ventile pürieren, sollte der Zahnriemen immer richtig gespannt und nicht die erste Garnitur von 1989 sein.
 
Austauschintervall für dieses Verschleißteil: 100.000 Kilometer. Bewegt man den Wagen nur im 2. Gang, sollte man etwas vorher an ein Schäferstündchen in der Werkstatt denken, kreuzt man nur im 5. auf der Autobahn, etwas später.
Die Arbeit ist im Prinzip bei allen Motoren gleich (bis auf den VR6, dessen Nockenwellen von Ketten angetrieben werden) und wird durch vorhandene Klima- oder Servopumpen kompliziert.
 
Wagen aufbocken. Ob man die Kiste dabei auf Böcke stellt oder auf eine Hebebühne fährt, ist einerlei. Wichtig bloß, dass einem das wertvolle KFZ nicht mitten in der Arbeit auf die Rübe fällt.
 
Jetzt auf der (in Fahrtrichtung) rechten Seite die unteren Motorraumabdeckungen abschrauben. Diese Kunststoffteile werden von knippeligen Blechschrauben an ihrem Platz gehalten. Wenn man die Abdeckungen raus hat, schafft das den Platz, den man braucht, um von unten an Keil- und Zahnriemen zu kommen.

2Luftfiltergehäuse ausbauen

Luftfiltergehäuse samt Zuleitung abschrauben und weglegen.
Jetzt hat man Raum für die Arbeit obenherum.
 
Anschließend obere Zahnriemenabdeckung lösen und abbauen.

3Keilriemen Servopumpe ausbauen

Bevor man sich die Zähne am eigentlichen Zahnriemen ausbeißt, hat der Konstrukteur den Keilriemen geschaffen: Der ist in diesem Fall kurz und treibt die Servopumpe an.
 
Befestigungsbolzen der Servopumpe lösen und die Pumpe nach Lösen der Verstellschraube nach hinten schwenken. Der Riemen sollte sich jetzt abnehmen lassen. Macht das Ding einen dubiosen Eindruck: austauschen.
 
Anschließend gleich die Riemenscheibe der Pumpe demontieren. Dazu die Scheibe mit einem Lochschlüssel festhalten und die freie Schraube lösen.

4Keilrippenriemen ausbauen

Zwischen Kurbelwellenriemenscheibe und Lichtmaschine läuft bei diesem Passat kein herkömmlicher Keilriemen, sondern ein Keilrippenriemen.
 
Damit man das Ding herunterbekommt und der Weg zum Zahnriemen frei ist, muss zuerst die obere und anschließend die untere Schraube der Verstelleinrichtung gelöst werden.
 
Jetzt die Lichtmaschine mit Schmackes gegen die Kraft der Spannfeder nach unten drücken und den Riemen abnehmen.

5Wasserpumpen-Riemenscheibe

Der Keilrippenriemen läuft nicht nur über die Riemenscheibe der LiMa, sondern treibt auch noch die Wasserpumpe an.
 
Deren Riemenscheibe ist natürlich auch noch im Weg und wird genau so wie die der Servopumpe abgebaut - jetzt ist der Weg frei.

6Kurbelwellen-Riemenscheibe

Die Kurbelwellenriemenscheibe ist das letzte Hindernis vor der unteren Zahnriemenabdeckung.
 
Dieses zweiteilige Profankunstwerk der Tiefziehtechnik bekommt man am sichersten mit zwei Knarren, einer langen Stecknuss und einer guten Inbus-Nuß los.

7Zahnriemenabdeckung unten

Zum Abnehmen der unteren Zahnriemenabdeckung die drei Schrauben und eine Mutter SW10 abschrauben.
Der Zahnriemen liegt jetzt in aller Pracht und Herrlichkeit bloß.

8"0" suchen

Damit sich Ventile und Kolben nie im Leben zu nahe kommen, sind Nockenwelle und Kurbelwelle genau aufeinander abgestimmt. Damit man das auch nach der Reparatur wieder so hinbekommt, muss die Kurbelwelle auf den oberen Totpunkt des ersten Zylinders gedreht werden.
 
Diesen OT kann man am sichersten an der Schwungscheibe des Motors ablesen. Dazu an der Getriebeglocke den ollen Plastikstopfen herausziehen und mit einer Taschenlampe in die finstre Tiefe peilen.
 
Gleichzeitig den Motor an der Zentralschraube (über der die Kurbelwellenriemenscheibe saß) langsam durchdrehen. Die "0" ist absolut eindeutig, aber mitunter verdreckt und schwer zu sehen.

9Kurbelwelle und Nockenwelle

Ist die Kurbelwelle auf OT, soll und muss die Nockenwelle es auch sein. Da sie naturgemäß aber mit halber Kurbelwellendrehzahl rotiert, kann es sein, dass sich die OT-Markierung der Nockenwelle nicht oben, sondern unten befindet - Kurbelwelle einfach eine Umdrehung weiterdrehen.
 
Hat man beide Wellen auf Null, noch die Position der Zwischenwelle festlegen, damit der Zündverteiler anschließend auch zum richtigen Zeitpunkt am rechten Fleck steht. Diese Markierung kann man gut mit einem Lackstift, also einem weißen Edding, anbringen.

10Zahnriemen ausbauen

Ist alles markiert, den alten Riemen entspannen und abnehmen. Dazu die Klemmung der Spannrolle abschrauben und die Rolle herausziehen. Riemen abnehmen.
Die Spannrolle besteht aus zwei Wälzlagern mit aufgenieteten Blechringen und ist nach zwei Erdumrundungen eigentlich auch fertig. Beim Zusammenbau lohnt deshalb an dieser Stelle, auch die Spannrolle mit zu tauschen.

11Zahnriemen einbauen

Den neuen Riemen zuerst über das Kurbelwellenrad legen und anschließend über Zwischenwellenrad und Nockenwelle fädeln. Spannrolle verdrehen und dem Riemen ein wenig Spannung geben. Motor an der Kurbelwellenschraube mehrmals vorsichtig durchdrehen und kontrollieren, ob die OT-Markierung an Kurbelwelle, Nockenwelle und Zwischenwelle noch stimmen.
 
Hakt der Motor zwischendurch oder deucht irgend etwas iberisch: halt-stopp! und OT-Markierungen kontrollieren.
 
Erst dann den Riemen so weit spannen, dass er sich zwischen Daumen und Zeigefinger gerade noch um 90° verdrehen lässt. Spannrolle festziehen und alles in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammensetzen.
 
Die Schrauben der Riemenscheiben mit 20 Nm anziehen und den Riemen der Servopumpe so spannen, dass er sich noch leicht durchdrücken lässt.
Hat man alles wieder zusammen, Motor starten. Ist der Zahnriemen zu stark gespannt, pfeift er in aller Regel im Leerlauf - obere Zahnriemenabdeckung wieder abnehmen und die Riemenspannung etwas verringern.