Gelenkwechsel

Achsmanschette hinüber?

Gelenkwechsel

# 106 | 26.03.2015 | JEM

Liegt die Welle in majestätischer Würde auf der Bank, kann man sich über die Ausgleichgelenke nebst Achsmanschetten hermachen.

1Alte Achsmanschette

Die komplette Welle jetzt in einen Schraubstock spannen. Schonbacken aus Alu oder Kupfer verwenden, damit der Lack der Welle nicht zerdrückt wird.
 
Die alten Schellen der Staubschutzmanschette abknipsen oder öffnen und abziehen. Die alte Manschette oder das, was davon noch übrig ist, nach hinten schieben, so dass das Gelenk freiliegt.

2Ausgleichgelenk runterschlagen

Wie das innere Gelenk im Getriebe, so ist das äußere mit einer Verzahnung auf der Welle gehalten.
Damit es sich nicht verschiebt, sitzt auch hier am Ende ein Federring. Ist die Welle fest eingespannt, das komplette Gelenk mit einem Schonhammer von der Welle treiben.
 
Möglicherweise ist eine andere Befestigung verbaut. Wenn also das Gelenk beim besten Willen und der gröbsten Gewalt nicht von der Welle will, alles Fett abwischen und auf die Suche gehen. Es gibt Modelle, bei denen das Ausgleichgelenk mit einem Sprengring auf der Welle gehalten wird.

3Neue Achsmanschette

Welle sauber wischen und die neue Manschette aufziehen. Neuen Federring verwenden. Jetzt aus dem Tütchen so viel Fett wie möglich in das neue Gelenk drücken. Den Rest in die Manschette geben.
 
Mit leichten Schlägen das neue Gelenk auf die Welle treiben. Das ist möglicherweise nicht so einfach, weil sich der neue Sicherungsring verformt und dann weigert, von selbst in seine Nut zu schnappern.
 
Mit einem stramm angezogenen Kabelbinder kann man diesen Lümmel jedoch zwingen und das Gelenk problemlos aufschlagen.
Geht das beim besten Willen nicht, einen Kollegen bitten, den Federring mit zwei Schraubenziehern zusammenzudrücken.
 
Gleichzeitig das Gelenk aufschlagen.

4Schellen anziehen

Den Kabelbinder abknipsen und die Manschette über das Gelenk schieben. Gelenk bewegen: quatscht und glurkst alles?
Lässt sich das Gelenk voll bewegen, ohne dass die Manschette stört? Prima!
 
Die Patentschellen mit einem dünnen Schraubenzieher spannen und mit einer Rabitz-Zange so weit anziehen, dass sie sich eben nicht mehr auf der Manschette verdrehen lassen.
Die Antriebswelle ist hiermit repariert und einbaufertig.

5Welle einbauen

Die Montage erfolgt genau anders herum. Welle vorsichtig in das Getriebe eintreiben. Vorher überprüfen, ob der Dichtring im Getriebegehäuse unbeschädigt ist.
 
Äußeres Gelenk in das Radlagergehäuse einsetzen und das Gehäuse oben am Federbein festschrauben. Muttern mit Schraubensicherung einsetzen und mit 110Nm festziehen. Spurstangenkopf einsetzen und die Kronenmutter mit 50Nm festziehen. Mit neuem Splint sichern. Die Klammer für die Bremsleitungsbefestigung wieder einsetzen.
 
Getriebeöl auffüllen. Dieses Einfüllen ist ausgesprochen unfotogen, weil die Einfüllöffnung gleichzeitig das Antriebsritzel für die Tachowelle beherbergt und ganz zwischen Motor und Spritzwand liegt.
Um die Einfüllöffnung zu finden, also die Tachowelle verfolgen, die mit einer Rändelschraube an einem Flansch endet. Rändelschraube lösen, Tachowelle abziehen. Die Sechskantschrauber am Ritzelhalter abschrauben und das Antriebsritzel herausziehen.
 
Jetzt mit einem geeigneten Rüssel (ist meist an den Getriebölflaschen vorhanden) etwa so viel Öl auffüllen, wie beim Lösen der Antriebswellen verlorenging.
Das Antriebsritzel dient dabei als Ölpeilstab: Sauberwischen und komplett in seine Bohrung reinstecken und wieder herausziehen.
Der korrekte Ölstand ist erreicht, wenn das komplette Kunststoffrädchen mit Öl benetzt ist. Zum Auffüllen Hypoidgetriebeöl 75W90 benutzen.

6Zentralmutter und Probefahrt

Rad montieren, Radmuttern handwarm anziehen. Zentralmutter aufdrehen und mit einem Drehmoment von 250 Nm anziehen.
 
Damit spielende Kinder das Ding auf dem Parkplatz nicht lösen, wird diese Mutter mit der Nut im Achsstumpf verstemmt. Dazu kann man einen Schraubenzieher opfern oder die Finne eines Schlosserhammers.
 
Benutzt man den Hammer, unbedingt mit einem Schonhammer auf die Hammerbahn des anderen Hammers schlagen. Schlägt man zwei normale Schlosserhämmer aufeinander, können sich Teile des gehärteten Hammerkopfes abplatzen und mit Lichtgeschwindigkeit in der Garage und dem Augapfel des Schraubers ausbreiten.
Radmuttern mit 120Nm anziehen, Wagen abbocken. Probefahrt machen.