Ex-Springbock

Stoßdämpfer vorne

Ex-Springbock

# 69 | 04.12.2014 | JEM

Auch am Astra gehen die vorderen Stoßdämpfer irgendwann in die ewigen Jagdgründe ein. Der Wechsel ist dann mehr als angeraten und nicht weiter schwer.

1Update 2014

"Mann, was sind das denn für Bilder!"
"Unsere ersten Gehversuche in Photoshop!" können wir nur entgegnen. Das existierte im Jahr 2001 in der Version 4.5 und lud förmlich ein, den Kontrastregler auch mal in Richtung "maximum" zu schieben. Heute etwas gewöhnungsbedürftig.
 
Weil aber immer noch Astras auf unseren Straßen rumjuckeln, sollte der Artikel -nur wegen der Bilder- nicht auch auf den Schrott. Also: here it is!
 
Dieser Artikel gilt unseres Wissens für einen Astra F, bei alten Kadetten dürften diese Arbeiten jedoch sinngleich ablaufen.
 
Als Ersatzteile bieten sich nicht nur die Stoßdämpfer-Patronen, sondern auch neue Gummidämpfer und Splinte an. Natürlich lohnt bei dieser Gelegenheit auch ein Blick auf die Achsmanschetten oder die Bremsen - ein Rundumschlag lohnt hier gleich doppelt.

2Stoßdämpfer kaputt?

Irgendwann sind Stoßdämpfer auch beim Astra einfach reif;  das macht sich in aller Regel durch fehlende Dämpferwirkung bemerkbar. Oft geben die Dämpfer aber auch schon vor Erreichen ihrer nominellen Lebensdauer von 120.000 Kilometern auf - sicher ist das nur durch einen Test auf einem Prüfstand festzustellen. Der gute alte Wipptest, bei dem sich "Experten" auf den Kotflügel lümmeln und dann mit zusammengezogenen Augenbrauen den Kopf hin- und herwiegen, sagt bestenfalls gar nichts.
 
Auch eine Probefahrt ist nur beschränkt aussagekräftig. Man braucht entweder eine Menge Erfahrung oder ein identisches Vergleichsfahrzeug mit definitiv intakten Dämpfern.
 
Bei kaputten Dämpfern verschlechtert sich die Straßenlage. Das ist bei Geradeausfahrten nicht spürbar, bei Bodenwellen durch das Nachschwingen vielleicht sogar ganz lustig, in Kurven mitunter jedoch tödlich. Bei Fahrbahnunebenheiten geht die Bodenhaftung schlicht flöten. Kann sehr unangenehm sein.

3Federspanner

Man sollte immer beide Seiten wechseln. Klappt alles, schafft man das in weniger als 4 Stunden.
Ein Federspanner zum Zerlegen des Federbeins ist unerlässlich. Es gibt Leute, die drücken den Wagen zu Boden und Fesseln dann die Federn mit Panzerband oder Spanngurten. Das ist nicht ohne - wem die gespannte Feder vor Freude ins Antlitz springt, genießt eine Freifahrt mit Blaulicht in die Spezialklinik.
 
Neben den Federspannern (besser 3 als die hier gezeigten 2), benötigt man zum Zerlegen des Federbeins einen Rohrsteckschlüssel SW 18 und eine 1/4´´ - Knarre mit Verlängerung, um die Kolbenstange gegenzuhalten.
Beim Lösen des Achsgelenks ist ein Universalabdrücker hilfreich, bei der Spurstange kann derselbe durch einen einfachen Zweiarmabzieher ersetzt werden.
 
Mitunter ist das obere Federbeinlager hin. Man hört und spürt bei entlastetem Vorderrad ein Knirseln am Federbeindom. Das Lager gegebenenfalls gleich mit austauschen.

4Wagen hoch, Rad ab

Wagen auf ebenem Boden abstellen und Handbremse anziehen. 1. Gang einlegen.
 
Radmuttern und die Sechskantmutter der Antriebswelle lösen. Die Mutter auf der Antriebswelle sitzt mitunter sehr fest. Einen guten Ringschlüssel oder Stecknuß SW 30 verwenden.
 
Wagen aufbocken, daß das Rad freikommt und gut unterklotzen. Radschrauben lösen, herausdrehen und das Rad abnehmen.

5Bremssattel demontieren

Zum Ausbau des Federbeins Bremssattel abschrauben.
 
Der Bremssattel ist mit zwei Inbusschrauben SW 10 am Federbein angeschraubt. Bremssattel losnehmen und samt Bremsschlauch Richtung Motorraum weglegen oder wegbinden.
 
Ist das Fahrzeug mit ABS ausgerüstet, den Drehzahlsensor samt Halter vom Federbein abschrauben und wegbinden.

6Traggelenk lösen

Den Splint aus der Kronenmutter des Traggelenks ziehen und die Mutter lösen.
 
Hat man keinen Abdrücker, bekommt man den Bolzen manchmal mit Caramba und einer starken Zange heraus.
 
Mit einer Brechstange, die sich gegen das Gelenk der Gelenkwelle stützt, gehts auch.
 

7Lenkung / Querlenker

Mutter des Spurstangenkopfes abschrauben. Gelenk aus dem Federbein herausdrücken.
 
Hat man weder Trenngabel oder Abdrücker, tut eine Zweiarmabzieher gute Dienste. Gewinde mit einer alten Mutter schützen.
 
Um das Federbein vom Achsgelenk freizubekommen, einen Flachstahl oder ähnliches mit einer Schraubzwinge unter den Querlenker zwingen. Mit dem Knie jetzt auf diesen Hebel steigen und den Querlenker herunterdrücken.

8Federbein ausbauen

Das Federbein zur Seite schwenken, Antriebswelle herausziehen.
 
Das Federbein hängt jetzt nur noch an den beiden Befestigungsmuttern des Domlagers. Diese beiden Muttern im Motorraum lösen - das Federbein bommelt jetzt frei. Vorsichtig nach unten rausfädeln.

9Feder spannen

Jetzt die Federn mit den Federspannern soweit zusammenspannen, daß der Anschlagpuffer ein wenig Luft unter dem oberen Lager bekommt.

10Federbein zerlegen

Das ganze Federbein fest in den Schraubstock einspannen und den Plaststopfen mit einem Schraubenzieher abhebeln. Zentrale Befestigungsmutter lösen.
 
Dazu die Kolbenstange gegenhalten. Hat man das nicht das Opel-Spezialwerkzeug, geht das am Besten mit einer ¼´´-Knarre.
Mutter abdrehen und Stützlager, Gummidämpfer und Feder abnehmen.

11Stoßdämpfer tauschen

Die Stoßdämpferpatrone sitzt fest eingedeckelt im Federbeinrohr.
 
Die Blechmutter mit dem geeigneten Schlüssel oder einer großen Rohrzange abdrehen. Die Mutter ist ab Werk tüchtig angeknallt. Caramba oder warmmachen hilft.
 
Stoßdämpferpatrone ersetzen und die neue Rohrmutter (sollte dabei sein) sehr fest anziehen. Die restlichen Arbeiten erfolgen in umgekehrter Reihenfolge des Ausbaus.
Gummidämpfer und Feder wieder in Originalposition montieren. Schraubverbindungen fest anziehen, neue Splinte verwenden.