Das Gruselkabinett

Schrott-Ersatzteile

Das Gruselkabinett

# 58 | 08.11.2014 | JEM

In aller Regel verlängern Ersatzteile das Leben des geliebten KFZ. Mitunter verkürzen sie jedoch das des Besitzers erheblich. Hier ein paar Beispiele.
 

1Sanfter Grusel...

Über die Jahre sammeln sich in Ecken, Schubladen und der Schrottkiste Teile an, die man eigentlich nur "Artefakte" nennen kann.
Sowas wurde irgendwann on- oder offline als "Ersatzeil" gekauft und hauchte sein Leben manchmal bereits beim Einbau in Auto oder Motorrad aus. Das ist prinzipiell ärgerlich, aber immer noch besser als das Totalversagen in den Kasseler Bergen. Solchen Schrott-Ersatzteilen ab Werk ist dieser Artikel gewidmet.
 
Um den Rechtsabteilungen von Herstellern oder Inverkehrbringern dieser Artefakte nicht unnötige Arbeit mit dem Beschuss von autoschrauber.de zu machen, verzichten wir auf die Nennung konkreter Namen.
 
Selbst solchen lebensgefährlichen Klumpatsch rumliegen? Nicht wegwerfen, sondern Bild desselben mit kurzer Beschreibung an redaktion@autoschrauber.de! Danke.
 
Und jetzt viel zweifelhaftes Vergnügen...
 

2Butterschrauben im Traggelenk

Ein echtes Highlight: Schrauben aus indischem Weicheisen.
Stammen aus einem Komplettset "Traggelenke" für VW Golf 2 / Golf 3. Internetkaufhaus. Offiziell "Deutscher Hersteller", "Beste Qualität".  "Energie-Verkäufer" mit millionenfachem Umsatz.
 
Das untere Traggelenk besteht beim Golf wie so häufig aus einem Kugelgelenk, das mit drei Schrauben im Dreieckslenker gehalten wird. Diese Schrauben klemmen das Gelenk im Dreieckslenker und besitzen als Gegenstück ein Blech mit drei Schweißmuttern. Weil die Schraubverbindung an dieser Stelle nicht ganz unwichtig ist, stecken hier ab Werk Maschinenschrauben der Güte 10.9. Eigentlich.
 
Unschwer nämlich vorzustellen, was passiert, wenn diese Klemmverbindung versagt, das Traggelenk rausrutscht und das Rad damit führungslos wird und auch bleibt. Nunja - glücklicherweise fiel dieses Artefakt bereits bei der Montage auf, einfach weil sich die Schrauben beim besten Willen nicht festziehen ließen.
Dabei wendete der Mann nicht mal Gewalt an, sondern fädelte die sogar mit "10.9" gestempelten Schrauben nur ein und wollte sie mit einem kleinen Schlüssel handwarm festziehen.
Ohne das Material dieser "Schrauben" im Hinblick auf die Härte näher betrachtet zu haben, lässt das butterweiche Verhalten eher auf die Güte 4.6 tippen - und damit definitiv nicht für diesen Zweck geeignet.
 
Auf dieses Übel angesprochen, bot die Hotline des Inverkehrbringers Umtausch an (ebenfalls gegen 4.6 - Schrauben) oder Geld. Für eine gute Bewertung.

3Radlager-Rassel

Ein schönes Bild von Stammleser Wolf-Dietmar. Renault Twingo, Radlager hinten.
Sein Kommentar zu diesem Bild: "Twingo Radlager hinten, Laufleistung ca. 5000 km. Auffällig kurz nach dem Einbau wegen hoher Laufgeräusche."
 
Interessant, dass der innere Laufring nicht nur malerische Pittings zeigt, sondern auch offenbar auch nicht über eine massive Laufschicht verfügt. Nunja.
 

4Achsmanschette VW

Nochmal Wolf-Dietmar, diesmal Achsmanschette VW-Bus T3.
Er schreibt: "Bilder von neuen Achsmanschetten VW Bus T3, Alter ca. 1,5 Jahre,  Laufleistung ca. 2000 km. Der TÜV hat mich deswegen durchfallen lassen, und ich dachte, haste doch gerade erst neu gemacht.".
 
Unschön, wenn so ein Qualitätsersatzteil dann gleich noch das Ausgleichgelenk mit in den Tod reisst.

5Traggelenk VW-Bus

Nochmal Wolf-Dietmar, ebenfalls T3, diesmal morsche Vorderradaufhängung mit billigem (und teuer gekauften) Traggelenk.  Laufleistung grandiose 2.500 Kilometer, die man dem Teil auch ansieht.
 
Hier meckerte ebenfalls der TÜV - zu recht. Welche Gummimischung der Hersteller, dem die "Profis vertrauen" verwendet, bleibt sein Geheimnis. Ist wohl auch besser so.

6Unterrostete Bremsbeläge

"... und dann musste ich ein paarmal Pumpen, bis das Ding gebremst hat. Danach war alles wieder normal". Glücklicherweise ist das der jungen Dame mit genügend Auslauf passiert und nicht bei knapper Kolonnenfahrt.
 
Golf 2, Bremsbeläge vorne, vielleicht 3 Jahre alt. Hersteller mit deutschem Namen,  Fachhandel. Hier flog der Belag einfach vom Träger. Gegenstück ebenso unterrostet; weil noch ein paar Klebereste auf dem Träger waren, hat das Ding nach dem Malheur nichtmal richtig Geräusche gemacht.
 
An sich eine gute Idee, Bremsbeläge zu kleben. In diesem Fall (andere Seite sah genauso aus) ging das jedoch gründlich daneben und hätte der Frau beinahe den Hals gekostet.
Was soll man da sagen? "Da haben wir aber nochmal Glück gehabt, was?" und dann schief grinsen. Eigentlich ein Fall für den Staatsanwalt, dieser Dreck.