Elektro-Tod im Handumdrehen

Vorsicht beim E-Schweißen

Elektro-Tod im Handumdrehen

# 31 | 03.09.2014 | JEM

Kriechströme beim E-Schweißen können die Fahrzeugelektrik zum Teufel jagen. Das Abklemmen der Batterie beugt vor.

Kommt der fahrbare Untersatz in die Jahre, nistet sich Gevatter Gilb ein. Das geht bei bestimmten Herstellern langsamer, bei anderen schneller und bei ganz bestimmten rostet das Auto sogar schon im Schaufenster.
 
Um die Bude am Rollen zu halten, greift der feine Mann deshalb zum Schweißgerät und brutzelt Bleche in die Karosse. Das hilft, den Wagen über den nächsten TÜV zu kriegen, erledigt aber möglicherweise auch die bordeigene Elektroausrüstung mit einem Knopfdruck.
Was der Karosse Segen, ist nämlich der Elektronik Tod. Fließen auch nur geringe Teile des Schweißstromes über das Bordnetz, sorgt das oft für kapitalen Schaden an Hardware und Geldbeutel.
 
Um dem vorzubeugen, klemme man vor jeder E-Schweiß-Arbeit immer, immer und immer die Batterie ab. Hilfreich ist darüber hinaus, die Masseklemme so nah wie möglich an der geplanten Schweißnaht zu platzieren - das verhindert Kriechströme.

 
Bild des Benutzers DomiAleman
Dabei seit: 30.11.2014

Das Abklemmen der Batterie beim Schweißen gehört ins Reich der Mythen und Sagen und ist sogar kontraproduktiv.
Die Batterie ist eines von den wenigen Teilen im Auto, das eine Spannungsspitze ableiten kann. Sie schützt somit in bestimmten Fällen die Bordelektronik, aber NUR, wenn sie angeklemmt ist.

WENN bei abgeklemmter Batterie geschweißt werden soll, z.b. weil in der Nähe des Batteriehalters geschweißt wird dann bitte PLUS- und MINUS-Kabel abklemmen und beide gut leitend miteinander verbinden. (Schraubzwinge, Gripzange). Der Tipp, die Massezange am selben Werkstück und so nahe wie möglich an der Schweißstelle anzubringen ist goldrichtig. Schützt jedoch nicht vor den gefürchteten vagabundierenden Strömen (nicht Kriechströmen) die Steuergeräte und Lager killen KÖNNEN.

Vagabundierende Ströme kommen auf vielfältigen, dem normalen Benutzer nicht sofort ersichtlichen Wegen zu Stande. Das folgende Beispiel soll eine von vielen Möglichkeiten erläutern:
Das Fahrzeug steht auf der Hebebühne. Es soll am Auspuff geschweißt werden.
Eine der Gummiauflagen der Hebeteller ist durchgedrückt, oder fehlt, so dass der Teller elektrischen Kontakt zur Fahrzeugkarosserie hat.
Das Massekabel des Schweißgerätes ist direkt am zu schweißenden Auspuffrohr angebracht.

Die Hebebühne ist vorschriftsmäßig mit dem Schutzleiter (Erdung) verbunden, ebenso das Gehäuse des Schweißgerätes.
Der Schweißer drückt auf den Brennertaster, und der Schweißdraht steht unter Spannung. (PLUS 20 bis 25V)
Unglücklicherweise steht an der Drahtspule im Gerät ein kleines Drahtende vor, welches manchmal am Gehäusedeckel schabt.
Die Schweißspannung von +25V gelangt also vom Schweißdraht über das Gehäuse des Schweißgerätes zum Schutzleiter, und von dort über die Hebebühne an die Karosserie des Fahrzeuges.
Die gesamte Karosserie steht also plötzlich unter 25V Spannung..und diese sucht sich ihren weg zurück zur Masseklemme, welche am Auspuff hängt.

Un dieser Weg ist folgender: Von der Karosserie zu den Massepunkten der Steuergeräte, und dann rückwärts durch das Steuergerät zu den Anschlüssen verschiedener Sensoren, die am Auspuff und am Motor hängen (z.B. Lambdasonde)..von dort zurück zur Masseklemme...
Ergebnis: Steuergerät defekt. Da hätte auch ein Abklemmen der Batterie oder ein "Überspannungsschutz" keine Rettung gebracht.

Wer sich den Deckel seines Schutzgasgerätes von innen mal anschaut und dort Schleif- oder sogar Brandspuren sieht, sollte spätestens jetzt wissen, was er zu tun hat.

Viel Erfolg beim Schweißen wünscht:--->DomiAleman

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Hola, Domi,

Aua! Auch ich trenne mich ungerne von Mythen - vor allem von den liebgewonnenen, die einem vermeintliche Fachleute immer wieder vorkauen. Und doch: Du hast recht.

Die größte Gefahr sind beim Schweißen vagabundierende Ströme, also Nebenschlüsse, bei denen der Schweißstrom nicht über das Schweißbad fließt, sondern über irgendwas anderes.
Wenn man mal davon ausgeht, dass die Karosse keinen Erdschluss hat und man z.B. am Auspuff braten will, ist das Abklemmen der Batterie wirkungslos, um zu verhindern, dass die Lamda-Sonde Lambada tanzt. Ich denke, das betrifft alle übrigen Sensoren, Aktoren und Controller ebenso.

Einzig sinnvoll wird das Abklemmen im Hinblick auf den Laderegler der Lichtmaschine sein; der Tipp, die Batterie aus dem Stromkreis zu nehmen, trennt den nämlich auf, so dass vagabundierende Ströme an dieser Stelle keine Chance haben.

Nichtsdestoweniger würde ich diese Fragestellung hier mal weiter zur Diskussion stellen.
Nochmals Danke für den Hinweis! Jens