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Radlager hinten wechseln

Richtig gespannt

Mercedes-Benz Hinterachse Baureihe 107

01.06.2007 | Autor: Holger Thom

Der Wechsel der hinteren Radlager beim R107 ist nicht weiter schwer, wenn man den passenden Nutmutternschlüssel hat. Darüber hinaus braucht man noch eine Meßuhr und genügend Zeit.

Inhalt

1. Radlager: nötiges Werkzeug und Ersatzteile
2. Ersatzteile
3. Radnabe ausbauen

4. Wechsel der Lagerschalen
5. Lager spannen und Spiel einstellen
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1. Radlager: nötiges Werkzeug und Ersatzteile Top

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Häufig wird behauptet, die hinteren Radlager könnten nicht, nur mit viel Spezialwerkzeug oder nur unter äußersten Kraftaufwendungen getauscht werden. Meine Erfahrung ist, dass man nur den Nutmutternschlüssel zwingend benötigt und dass bei ausreichend Hebel alles gut handhabbar ist.

An Werkzeug ist nötig:

- Hammer (Schlegel)

- Nutmutternschlüssel (zumindest für den Zusammenbau, ich habe 15€ für das Wochenende inkl. 50cm Hazet-Schlüssel bezahlt)

- 1-2 lange Stahlrohre (ca. 5cm Durchmesser und 1,5m lang) als Hebel

- Ofen oder Gasbrenner

- möglichst Kompressor zum Reinigen des Lagerbereichs

- ggf. Messuhr und Magnetfuß

Zum Ausziehen der Lagerschalen und der Gummilager der Schwinge dient folgende wilde Konstruktion: eine M12 Gewindestange (hier mit kleinem SW8 Sechskant, so dass man sie am Drehen hindern kann), zwei Muttern, große Scheiben, ein großes Stahlblech mit entsprechend großem Loch für die Gewindestange, weitere Stahlbleche zum Zuschneiden der Lagerschalengreifer, Abstandsstücken wie ein Bohrmaschinenschraubstock und eine Flachzange, die man weit öffnen kann. Die Lagerschalengreifer hab ich mit dem Bolzenschneider grob aus einem Stahlwinkel mit passenden Löchern vorgeschnitten und mit der Feile nachgearbeitet.

2. Ersatzteile Top

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Für das Einziehen der neuen Lagerschalen eignen sich die alten Lagerschalen zusammen mit der Gewindestange und 2 großen Stahlblechen hervorragend.

Zum Festhalten der Nabe beim Einstellen des Lagerspiels wird ein Stück Flachstahl (zum Beispiel Torscharnier) und ein Rohr benötigt, das etwas dicker als der Flachstahl ist. In den Flachstahl 2 Löcher mit 12er Bohrer im Abstand zweier benachbarter Radbolzenlöcher bohren.

Zum Ausschlagen der Nabe benötigt man eine Abdeckplatte. Idealerweise hat sie die passenden Löcher, um sie mit den Löchern der Radbolzen zu verschrauben. Notfalls geht es aber auch mit Schraubzwingen (dann müssen aber die Feststellbremsbacken runter).

Es gibt den original MB Reparatursatz für 92€, den Febi-Satz mit 45% Rabatt zu 38€ und den Optimal-Satz mit 10% Rabatt für 36€. Dem Optimal-Satz fehlt jedoch der Dichtungslaufring, der dann wieder bei MB für bescheidene 15€ angeboten wird, und der Spannring für die Antriebswelle. Der Febi-Satz war in meinem Fall von bester, japanischer Qualität. Allerdings hat Febi unterschiedliche Produzenten.

3. Radnabe ausbauen Top

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Zunächst muss die Nutmutter runter. Dafür gibt es einen Spezialschlüssel, den man sich auch ausleihen kann.

TIP: Wenn ein Nutmutternschlüssel geliehen werden muss und Aus- und Einbau an unterschiedlichen Tagen stattfinden soll, geht das Abdrehen der Nutmutter außerhalb der MB-Hallen auch mit Hammer und Meißel. Die Nabe in einen großen Schraubstock spannen, den Meißel flach in eine der Nuten ansetzen und kräftig mit dem Hammer draufhauen. Derart nach und nach die Nutmutter lösen. Eine neue Nutmutter liegt dem Reparatursatz bei.

Auf die Nabe kommt dann an stelle des Rades die Abdeckplatte. Nun die Nabe von der Achswellenseite aus mit kräftigen Schlägen heraus treiben. Dazu muss die Nabe nicht im Schraubstock eingespannt sein. Es reicht, wenn die Schwinge lose am Boden liegt und man sie mit dem Fuß stabilisiert. Dann liegt die Nabe irgendwann vor einem.

4. Wechsel der Lagerschalen Top

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Die Lageraußenschalen mit der Gewindestange abziehen. Für die verbleibende Lagerinnenschale einen Schlitz diagonal zur Nabenachse in die Lagerschale flexen. Dabei nicht in die Nabe flexen aber auch nicht zu viel Material stehen lassen. Dann einen Meißel an dem Schlitz ansetzen und so die Lagerschale von der Nabe treiben. Die verbleibenden 0,2 mm der Lagerschale reißen dabei an und lösen so die Passung.

Vor dem Zusammenbau auf äußerste Reinheit im Innenbereich der Nabenlagerung achten. Beide Außenringe mit der Abziehkonstruktion reindrücken oder vorsichtig mit dem Hammer eintreiben. Darauf achten, dass sich die Ringe nicht verkanten und vor allem, dass sie richtigherum eingetrieben werden (wieder rausholen wird sonst bestimmt schwierig). Äußere Radialdichtung mit Dichtungsmasse bestreichen und mit der Abziehvorrichtung einziehen bzw. wieder den Hammer mit einem Brettchen nehmen. Den Außenlagerinnenring (z.B. im Ofen) auf 120-150 °C erhitzen. Dann den Ring rasch auf den korrekten Sitz bringen.

Beide Lager mit Fett bestreichen und den Rest des ca. 50g Fetts in den Zwischenraum schmieren. Nabe einstecken, Abstandhülse und Innenlagerinnenring aufschieben. Innenlagerinnenring zunächst mit dem alten Innenlagerinnenring und später zusätzlich mit dem alten Dichtungslaufring (Druckscheibe) und der Gewindestange einpressen, Erhitzen des inneren Innenlagerinnenrings hat zumindest bei mir nicht geholfen.

5. Lager spannen und Spiel einstellen Top

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Dann den inneren Radialdichtring und den neuen Dichtungslaufring aufstecken sowie Nutmutter aufschrauben. Dazu Flachstahl mit Radbolzen auf den Nabenflansch schrauben und mit einer kleinen Schraubzwinge andrücken (da das Bolzengewinde nicht lang genug ist), Rohr aufstecken und gegen den Boden abstützen. Ich hab zusätzlich die Schwinge auf eine Bohle gelegt (vermeidet Beschädigung des Schutzblechs) und die Schwinge mit einem Wagenheber und einer weiteren Bohle gegen die Garagendecke verspannt. Der Hebelarm des 50cm Hazet-Schlüssels reichte bei der Abstandshülse des einen Lagersatzes, die des anderen verlangte nach einem weiteren Rohr als Hebelverlängerung.

Einige schwören darauf, die Lager nach Gefühl einzustellen. Das mag adäquat für den geübten „Lagerwechsler“ sein. Da ich eine my-Messuhr mit Magnethalter in der Garage liegen hatte, habe ich mich lieber auf die Anzeige verlassen. Mit einer Fühlerlehre kann zuvor die Genauigkeit kontrolliert werden.

Bei diesem Lager darf die Nutmutter nicht zu weit gedreht werden. Wenn sie zurück gedreht werden müsste, heißt es gleich wieder: die Nabe ausbauen, da die Abstandhülse hinter dem Innenlagerinnenring erneuert werden muss. Zum Prüfen des Axialspiels kräftig ziehen und drücken, dabei immer wieder die Nabe hin und her drehen. Ziel: 0,03-0,06 mm. Um von 0,07 auf 0,04mm zukommen, drehte ich die Mutter ca. 5° weiter.

Beim Einstellen würde ich die untere Toleranzgrenze anstreben, da sich das alles evtl. noch setzt und sich so das Spiel vergrößert. Bevor die Nutmutter gesichert wird, sollte daher auch der Wagen noch mal auf alle Räder, etwas durchgewippt und vielleicht geschoben werden, um anschließend am wieder aufgebockten Rad wegen neu entstandenen Lagerspiels zu rütteln. Ist es zu erneutem Lagerspiel gekommen, vorsichtig die Nutmutter weiter anziehen.

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