Info |
|
Reparaturanleitung Gabelsimmerringe Honda |
|
|
|
1. Dämpfer malad? Top |
 Klick: grosses Bild
 Klick: grosses Bild
 Klick: grosses Bild |
Kreuzbrav, zuverlässig und sparsam kann man mit der CB sowohl im Tokioter Feierabendverkehr herumwieseln als auch im wilden Krudistan auf die Jagd nach zypriotischen Wallabees gehen. Dass einen das kleine Krad aus dem Kabinett des Dr. Honda auch die Zehntausenden von Kilometern Autobahn bis dahin klaglos trägt, ist fast selbstverständlich.
Nicht-Verschleißteile gehen bei diesem Butter- und Brotbock dabei offenbar nicht kaputt. Aber nur offenbar, schließlich ist nicht alles unkaputtbar: wenn die schlicht und solide gestrickte Telegabel langsam und unscheinbar Öl ablässt, wird die Straßenlage unleidlich. Ist schließlich ein erklecklich Quantum Gabelöl verloren, dämpft die Telegabel nicht mehr richtig. Das macht sich zuerst bemerkbar, wenn man die Bergziege mit viel Gepäck oder jungen, hübschen Damen auf dem Hintersitz vollpackt und dann richtig in die vordere Bremse langt.
Üblicherweise stoppt das Ding kommod und knochenschonend - bei fortschreitendem Ölmangel schlägt so eine Gabel dann durch. Mit einem unschönen "Pang!" schieben sich in Sekundenbruchteilen Tauch- und Standrohr ineinander und stülpen dem Fahrer die Schultergelenke neben die Ohrmuschel. Ist man todesmutig und wartet, bis auch das letzte Ölatom die Telegabel verlassen hat, wird das Fahrverhalten vollständig chaotisch und eine Fahrt zum Bäcker zum Wagnis. Das hier verbaute Dämpfgerät ist nahezu prototypisch für viele einfache Telegabeln und taugt deshalb sinngemäß auch für andere Modelle und Hersteller.
Macht man sich auf den Weg zum Ersatzteilhai des Vertrauens, bei dem die Dichtringe in aller Regel günstiger als bei Old Honda sind, sollte man vorher rauskriegen, warum die Dichtringe kaputtgingen. Gründe können die eben beendete Wüstendurchquerung, schlichtes Alter oder Rostpickel auf der hartverchromten Oberfläche des Standrohres sein. Rostpickel sind dabei besonders hässlich: sie zerstören auch neu eingesetzte Dichtringe binnen kurzem - hier kommt man um ein neues oder gebrauchtes Standrohr nicht herum. Glücklicherweise ist der Austausch aller Teile nicht weiter schwer und lässt sich auch am Straßenrand machen.
|
|
|
2. Krad recht sauber hinstellen Top |
 Klick: grosses Bild |
Hat man die neuen Dichtringe, eine Kanne Gabelöl und das passende Werkzeug auf der Werkbank, müssen zuerst die Standrohre selbst raus.
Das kann man am Bordstein oder in angenehmer Höhe einer Motorradhebebühne machen: dem Moped und dem Standrohr selbst ist es wurscht.
In jedem Fall sollte man darauf achten, dass die Mühle bei ausgebautem Vorderteil nicht umfällt und spielende Kinder unter sich begräbt. Nebenher ist so ein Umfaller (von der Bühne) der Optik der Maschine abträglich.
|
|
|
3. An die Röhren, bitte Top |
 Klick: grosses Bild
 Klick: grosses Bild |
Wie man beim Ausbau der Telegabel vorgeht, wenn der Bock ordentlich vertäut auf seine Demontage wartet, ist ziemlich wurscht: im Prinzip wollen wir nur ans Rohr.
Die Vorgehensweise bei Demontage und Überholung der Gabel ist auf beiden Seiten gleich - wir zeigen die Arbeit hier exemplarisch auf der rechten Seite.
Das Vorderrad wird von einer Schraubachse, die auf der rechten Seite in einer Klemmfaust steckt, gehalten. Muttern der Klemmfaust lösen und die Schraubachse etwas losdrehen.
|
|
|
4. Bremse demontieren Top |
 Klick: grosses Bild
 Klick: grosses Bild
 Klick: grosses Bild
 Klick: grosses Bild |
Haltelaschen des Bremsschlauches mit einer Zange etwas aufbiegen. Schrauben des Bremssattels herausdrehen. Sind die Beläge auf der Scheibe schon eingelaufen, lässt sich der Sattel nicht ohne weiteres abnehmen; hier die Beläge vorsichtig an der Belaghalteplatte mit einem Schraubenzieher zurückdrücken.
Den Bremssattel jetzt am Rahmen festbinden, damit das Standrohr freikommt und der Bremsschlauch nicht geknickt oder gezerrt wird.
Tachowelle abschrauben und nach oben fädeln. Wegbinden.
|
|
|
5. Rad und Dämpfer raus Top |
 Klick: grosses Bild
 Klick: grosses Bild
 Klick: grosses Bild
 Klick: grosses Bild
 Klick: grosses Bild
 Klick: grosses Bild |
Ist das Rad frei, die Achse ganz herausdrehen und das Rad nach vorne oder unten herausfädeln. Acht geben, dass der Antrieb der Tachowelle nicht in den nächsten Gully fällt.
Das Schutzblech abbauen. Hierzu die Inbusschrauben rausdrehen, die sich hinter den kleinen Plastnippeln verbergen.
Weil beide Dämpfer zerlegt werden sollen, beide Schraubdeckel oben auf den Standrohren präventiv etwas lösen.
Beide Standrohre sind jetzt pur und unverdorben zu sehen. Sie werden nur noch von der oberen und unteren Gabelbrücke gehalten.
Hier die Inbusschrauben lösen und das Standrohr nach unten herausziehen. Ziert sich das Objekt, leicht mit einem Schonhammer nachhaken.
|
|
|
6. Dämpfer entlorken Top |
 Klick: grosses Bild
 Klick: grosses Bild
 Klick: grosses Bild |
Liegt der Dämpfer jetzt auf der Werkbank, Ölablassschüssel und die Nasenklemme bereitlegen: nach wenigen Umdrehungen des oberen Schraubdeckels sproingen die Federn heraus und das über Jahrzehnte eingeschlossene Gabelöl stimuliert akutes Unwohlsein. Beide Stoßdämpferfedern samt der Zwischenscheibe herausnehmen und alle Lorke in eine Schüssel kippen.
Die Rohre ineinander schieben, um die letzten Ölreste in die Wanne zu pumpen. Frisches Gabelöl ist goldgelb - diese Plörre vermutlich noch die Erstbefüllung und schon bei Dunkelgrau angekommen. Eigentlich sollte man das Zeug alle zwei Jahre wechseln...
|
|
|
7. Staubschutzmanschette und Sprengring Top |
 Klick: grosses Bild
 Klick: grosses Bild
 Klick: grosses Bild |
Ist das Öl raus, die Staubschutzmanschette vorsichtig mit einem Schraubenzieher abhebeln. Darunter befindet sich der Kaputtnik - Dichtring. Der ist aus alter Ingenieursgewohnheit mit einem Sprengring gesichert, der allerdings nicht wirklich nötig ist. Dr. Honda und sein Konstruktionsstadel haben den Dichtring nämlich reichlich stramm gepasst.
Federring raushebeln und acht geben, dass er nicht vor Freude in den nächsten dunklen Unrathaufen hüpft.
|
|
|
8. Es geht auch mit Gewalt.... Top |
 Klick: grosses Bild
 Klick: grosses Bild
 Klick: grosses Bild |
Um das Standrohr zu zerlegen, ist Sauberkeit vonnöten und eine Werkbank mit Schraubstock. Notfalls auch nur ein Tisch. Oder ein vergletschertes Schneebrett. In jedem Fall sollte man auf peinliche Sauberkeit achten, weil schon kleine Mengen Dreck die Passgenauigkeit der Dämpferteile schnellstens ruinieren.
Die Inbusschraube lösen, die das Dämpferelement im Inneren an seinem Platz hält. Beim Einbau eine neue Dichtung verwenden. Ist der Inbus vergurkt, darauf achten, eine Schraube mit flachem Kopf zu verwenden - andernfalls passt die Achse nicht.
Zum Zerlegen der öligen Röhren muss wegen der strammen Passung des Dichtrings Gewalt angewendet werden, wie das angestrengte Gesicht unseres in Monaco eingeworbenen Fotomodells deutlich zeigt. Damit dabei weder der Monegasse, noch Werkzeug oder Dämpferrohr beschädigt werden, spannt man das Standrohr am Besten in einen Schraubstock mit Alubacken. Ruckweise und rücksichtslos gezogen, floppt das Tauchrohr irgendwann ab. Aufpassen, dass sich die wertvollen Innereien nicht auf dem Werkstattboden verteilen.
Alle Teile mit einen fusselfreien Lappen fein abwischen und auf die Werkbank legen.
|
|
|
9. Wellendichtring einpressen Top |
 Klick: grosses Bild
 Klick: grosses Bild
 Klick: grosses Bild
 Klick: grosses Bild |
Ist der alte Wellendichtring raus, den Sitz des Dichtrings peinlich sauberwischen.
Zum Eintreiben des neuen Dichtringes benötigt man ein Hilfswerkzeug, das ausschließlich auf den äußeren Stützring des Dichtringes wirkt. Der Versuch, den Dichtring nur mit Hammer und Schraubenzieher auf seinen Sitz zu befördern ist interessant, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Scheitern verurteilt. Mit einem Schlag zuviel oder an die falsche Stelle jagt man wenigstens 10 Euro zum Teufel.
Das hier gezeigte Rohr hat den exakten Außendurchmesser des Dichtrings, genau 48 Millimeter. Die Schrift auf dem Wellendichtring zeigt nach oben.
Steckt man alle Teile des Dämpfers jetzt wieder in der richtigen Reihenfolge zusammen und schiebt den neuen Wellendichtring über das Standrohr, klöpfelt man mittels dieses Rohrs den neuen Ring sachte und gleichmäßig in seinen Sitz.
Geht das wegen der Sumo-Presspassung des Dr. Honda zu schwer, lässt sich gaaaanz vorsichtig nachhelfen, indem man etwas Druck mit dem Schraubstock ausübt. Hierzu das Hilfswerkzeug gegen die eine, eine Schutzblechaufnahme gegen die andere Schraubstockbacke stemmen und den Schraubstock leise und vorsichtig zudrehen.
|
|
|
10. (SPAM?:) get 10 cm more with autoschrauber.de! Top |
 Klick: grosses Bild
 Klick: grosses Bild |
Neue Staubschutzmanschette über das Rohr stülpen und die Federn einsetzen. Die Scheibe zwischen beiden Federn nicht vergessen.
Ob die Federung abgesehen von der Dämpferwirkung überhaupt noch was taugt, kann man sich anhand der Federlänge der ausgebauten Stoßdämpferfedern ansehen: lang auf der Werkbank liegend, sollte die kurze Feder im Neuzustand 138 Millimeter messen, die lange knapp 362 Millimeter. Sind die Biester auf 135, respektive 354 Millimeter zusammengeklöppelt worden, schreibt der Hersteller einen Tausch vor.
|
|
|
11. Zusammenbau Top |
 Klick: grosses Bild
 Klick: grosses Bild |
Das ölige in die Röhren füllen. Nicht die untere Inbusschraube nebst neuer Kupferdichtung vergessen; ansonsten ist das Schluckvermögen des Dämpfers enorm.
Hierzu das Standrohr vorsichtig in den alubackenbewehrten Schraubstock klemmen und exakt 260 Milliliter Gabelöl einfüllen. Das kann man mit einem Messbecher tun oder, um die Sache wirklich genau uns spritzerfrei zu gestalten, mit einer Spritze. In so einer Pferdespritze bleibt kein kleinstes Tröpfchen am Rand hängen; außerdem geht nix daneben. Das Gabelöl selbst ist ein extrem breitbandiges Zeug, dass auch im Winter noch dieselbe Viskosität hat wie im sommerlichen Agadir.
Hat man aus lauter Not mal schnödes Motoröl in die Dämpfer getankt (was durchaus geht), so ist die Dämpferwirkung im Winter etwa mit der eines ausgeruhten Betonklotzes zu vergleichen.
Ist das Öl schließlich drin, die Verschlussschraube aufdrehen und festziehen. Jetzt kann man daran gehen, die andere Seite zu überholen.
Um die ganze Hütte wieder zusammen zu stecken, geht man genau anders herum vor. Allerdings müssen die Fahrwerksteile mit Bedacht und im Hinblick auf genauen Geradeauslauf festgezogen werden. Muttern der Klemmfaust mit Schraubensicherungsmittel einsetzen oder austauschen.
Beim Zusammenbau also die untere und obere Gabelbrücke sowie die Schraubachse nebst Klemmfaust nur ganz lau anziehen und sich dann auf das Motorrad setzen.
Jetzt raus auf den Hof und ganz langsam und höchstens mit Schritttempo herumrollern. Steht der Lenker grade? Rollert das Ding wirklich geradeaus?
Wenn nicht, das Vorderrad wie bei Omas Klapprad zwischen die Knie nehmen und den ganzen Vorbau mit dem Lenker richten. Läuft die Mühle jetzt sauber auf der Linie, die Schrauben an der Steckachse und Klemmfaust und dann der unteren Gabelbrücke anziehen. Damit sich die Gabel nicht verspannt, ein paar mal gegen einen Bordstein einfedern und dann die obere Gabelbrücke festziehen.
Dabei bietet sich für den erfahrenen und achtsamer Fahrer noch die Option, die Schrauben der Gabelbrücken nicht gnadenlos und atombombensicher anzuknallen, sondern nur sacht handwarm anzuziehen. Im Fall von Feindkontakt geht man mit der Maschine dann zwar zu Boden, verbiegt sich aber bei mäßiger Geschwindigkeit nicht mit absoluter Sicherheit die Standrohre. Sind die nämlich nicht brutal eingezwängt, kann sich der ganze Vorbau etwas verwinden und die Kraft aufnehmen. Im Optimalfall reicht dann ein Nach-Richten zwischen den Knien. In jedem Fall setzt das viel Fingerspitzengefühl und penible Kontrollen des Vorbaus voraus.
Ist alles wieder an seinem Platz, sind alle Schraubverbindungen dreimal kontrolliert, die Rumsmurmel auf und eine Probefahrt gemacht. Die Dämpferwirkung sollte sich phänomenal vom Vorzustand unterscheiden. Well done!
|
|
14.05.2006 | tom |
Super geiler artikel!
aber :
obere Gabelbrücke festziehen. Dabei bietet sich für den erfahrenen und achtsamer Fahrer noch die Option, die Schrauben der Gabelbrücken nicht gnadenlos und atombombensicher anzuknallen, sondern nur sacht handwarm anzuziehen.
bitte den Hinweis auf das Werkstatthandbuch und den Drehmomentschlüssel nicht vergessen!
Mein bester Freund hatte einmal das Leid einer durch Lehrlingshand zerstörten Gabelklemmfaust an ner KTM , unten da wo die achse mit ca 10nm nur gekontert wird.
War extremst teuer..........
|
|
15.06.2006 | daniel |
Zwischenlagscheibe zwischen den beiden Dedern nicht vergessen beim zusammenbau! |
|
|