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Zündung einstellen mit selbst gebauter Messuhr

Für die Überlassung dieses Artikels aus der GummikuH bedanken wir uns ganz herzlich beim Verleger Rainer Baues.

"Gummikuh & past perfect" war ein hervorragendes, unabhängiges Klassiker-Magazin der 90er Jahre, dass sich vorwiegend mit der Technik an Motorrad-Oldies beschäftigte.

Rainer hat noch nahezu alle Ausgaben der Gummikuh im Regal, bei Interesse bitte einfach eine kurze Email an bauesverlag@freenet.de.

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Zündung einstellen

Zünd-Uhr

Meßuhr für die Zündeinstellung

15.11.2004 | Autor: David Longstroke

Die Zündung älterer Zweitakter wird häufig über den OT eingestellt. Diese Meßuhr-Applikation hilft, das rechte Maß zu finden.

Inhalt

1. Zündung am Motorrad
2. Stroboskoplampe und Zünduhr

3. Meßuhr für Zündeinstellung
4. Zünduhr im Einsatz
Kommentare: 4

1. Zündung am Motorrad Top

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Die ersten Motoren mit innerer Verbren­nung (im Gegensatz zu Dampfmaschinen etwa, bei denen der Brennstoff außerhalb des Zylinders verheizt wird) waren Gas­motoren, die mit Leuchtgas betrieben wurden und auch mit dem Fremdwort Kompression noch nichts anfangen konn­ten. Um das Gas zu zünden, mußte ein Arbeiter jedesmal ein brennendes Streichholz dran halten. Deshalb hing die erreichbare Drehzahl von der Geschwin­digkeit ab, mit der der Mann die Zündhöl­zer nacheinander anreiben konnte... Schamlos gelogen? Schon - aber nicht sehr!

Tatsächlich wurden diese Motoren durch eine Flamme gezündet, die in einem Rohr still vor sich hin brannte und im rechten Augenblick durch einen Schieber (die ersten Motoren waren schiebergesteuert!) in den Zylinder hineinschlagen konnte. Auch die ersten Fahrzeugmotoren von Daimler hatten noch eine Glüh­rohrzündung, wie auch das erste Se­rienmotorrad der Welt, die Hilde­brand & Wolfmüller

. Das änderte sich erst, als Papa Bosch in Stuttgart auf seiner fußbetriebenen Drehbank den ersten Magnetzünder bastelte. Seither gibt es den Zündfun­ken. Der nächste große Schritt bestand in der Entwicklung kontaktloser Zünd­anlagen vor einigen Jahren, die den Vorteil haben, nie mehr nachgestellt werden zu müssen und den Nachteil, nicht mehr repariert werden zu kön­nen.

Wenn einem da auf freier Strec­ke der Funke wegbleibt, kann man sich nicht mehr vor die Mühle knien und die Sache wieder hinfummeln, sondern man ist hoffnungslos aufge­schmissen. Zum Glück haben die Anlagen inzwischen eine Betriebssi­cherheit erreicht, die Ausfälle sehr selten werden läßt.

Das Problem: Noch aber haben wir es - vor allem natür­lich bei Maschinen der klassischen Perio­de - sehr häufig mit kontaktgesteuerten Zündanlagen zu tun, und deren exakte Einstellung ist für die Leistung und das Laufverhalten von entscheidender Be­deutung. Das bedeutet, daß entsprechend genaue Einstellwerkzeuge zur Verfügung stehen müssen, und gerade da liegt ein beachtlicher Hund beerdigt.

Bei einem Einzylindermotor kann man die Zündung nach Gefühl ohne weiteres so lange hin­pfriemeln, bis die Kiste optimal läuft - das ist (das entsprechende Gefühl vorausge­setzt) meist sogar besser als die sture Einstellung nach Handbuch - aber bei Mehrzylindermotoren hängt nicht nur die Leistung, sondern vor allem das Vibra­tionsverhalten von exakt synchroner Einstellung der einzelnen Töpfe ab, so daß man sieh da in Sachen Meßge­rät schon was einfallen lassen muß.

2. Stroboskoplampe und Zünduhr Top

Nun gibt es ein paar ganz vornehme Leute, die da sogar ein mehr oder weniger teures Stroboskop verwen­den. Wobei das weniger teure auch meist bedeutend weniger taugt. Das Elend ist bloß, daß die bei Mehrzylin­dermotoren an einem rotierenden Stück Blech angebrachten Markie­rungen meist nicht exakt genug sind. Bei Suzuki wird vom Werk zumin­dest für den Wasserbüffel ausdrück­lich auf diesen Umstand hingewiesen - vermutlich liest das aber nicht je­der.... Außerdem kann man auch mit einem Stroboskop noch genügend verkehrt machen; ich habe mal eine Zweitakt-Yamaha eingestellt, die einige hundert Kilometer vorher von einer Fachwerkstatt angeblich mit ei­nem Stroboskop eingestellt worden war.

Der arme Junge hatte Handge­lenke von beinahe doppelter Dicke und seine Freundin drohte, ihm da­vonzulaufen. Vibrationen von unten herauf mögen manchmal ganz schön sein - aber nicht über ein paar hundert Kilometer! Es stellte sich heraus, daß die Zündzeitpunkte der beiden Zylin­der um etwa 2 mm (!!!) auseinander­lagen. Ich habe ihm seine Freundin gerettet...Also, wir sehen schon - es muß was unternommen werden.

Es gibt eine Anzahl von Zündeinstelluhren zu kaufen; die meisten davon eignen sich wegen mangelnder Genauigkeit, die bestenfalls im Bereich von plus/minus zwei Zehntel Millimetern liegt, aber nur zur Einstel­lung von Einzylindern, und die sind ohne­hin unproblematisch. Genaue Ergebnisse erzielt man nur mit einer Meßuhr, die eine Hundertstel-Ablesung erlaubt.

3. Meßuhr für Zündeinstellung Top

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Und wie man sowas selbst baut, das wol­len wir jetzt mal beschreiben. Das Wich­tigste und Teuerste an der ganzen Ge­schichte ist natürlich die Meßuhr. Im Werkzeugfachhandel gibts welche schon ab etwa DM 40,-; das ist gar nicht so schlimm und ohne weiteres akzeptabel, wenn - ja wenn wir nicht mit dem oberen Rahmenrohr Schwierigkeiten bekom­men. Bei den Suzuki-Dreizylindern 550 und 750 ist das unweigerlich der Fall, so daß wir zumindest in diesen Fällen einen Meßuhrdurchmesser von höchstens 40 mm brauchen. Der Meßweg muß 5 mm betragen. Es gibt auch noch kleinere Uhren von 28 nun Durchmesser, bei denen be­trägt der Meßweg aber nur 3 mm; daher sind sie nur für Motoren geeignet, die weni­ger als 3 mm Vorzündung haben müssen.

Meßuhr haben wir also. Jetzt brauchen wir noch eine alte Zündkerze - das sollte kein allzu großes Problem dar­stellen. Als letztes ist erfor­derlich eine Drehbank oder zumindest ein guter Freund mit Zugang zu einer solchen. An der alten Zündkerze wird der Isolator zertrüm­mert und restlos entfernt, dann pressen wir in den Stahlkörper eine Buchse ein, wie ich sie hier gezeichnet habe. Die Länge des Oberteils und die Tiefe der Bohrung 8 H7 sind abhängig von der Länge des Meßuhrschafts (die Tastkugel drehen wir heraus, um Bauhöhe zu sparen). Deshalb sind hier keine Maße angegeben.

Damit sich die Meßuhr nicht beim Messen herausschieben kann, muß sie mit einer Plastikschraube oder einer Schraube mit untergelegtem Gummi­plättchen (um die Führungshülse der Uhr nicht zu quetschen und so die Meßspindel zu blockieren) geklemmt werden. Den eingesetzten Tastbolzen stimmen wir so in der Länge ab, daß im oberen Tot­punkt die Uhr den vollen Meßweg an­zeigt, aber noch nicht in der Halterung nach oben verschoben wird. Ein paar Tastbolzen in verschiedenen Längen machen das Gerät universell einsetzbar.

Zeichnung: Zu den Massen: 6 H7 = 6,00 bis 6,12 8 H7 = 8,00 bis 8,15 6 f8 = 5,72 bis 5,90

4. Zünduhr im Einsatz Top

Damit ist es nun möglich, mit einiger Geduld eine Zündung auf wenige Hun­dertstel genau einzustellen. Ich selber genehmige mir eine Abweichung von maximal 5 Hundertstel nun insgesamt bei Mehrzylindermotoren. Das gilt gleicher­massen für Zweitakter wie für Viertakter mit mehreren Unterbrechern.

Manchmal hängt man eine ganz schöne Zeit dran. Aber so mancher üble Vibrator ist hinterher nicht wiederzuerkennen. Und speziell die Dreizylinder-Suzukis laufen begeisternd weich - wenn sie sau­ber eingestellt sind. Achtung übrigens auf die verschiedenen Einschraubwinkel der Zündkerze am Wasserbüffel! Die beiden äußeren Zylinder haben aus diesem Grund andere Einstellwerte als der mittle­re! Ganz wichtig ist beim Einstellen auch noch, daß nie an dem Zapfen gedreht wird, der den Unterbrecher trägt. Die geringe Verbiegung des Kurbelwellenen­des beim Drehen genügt, um die Messung zu verfäl­schen.

Immer darauf achten, die Verhältnisse so zu rekon­struieren, wie sie im Be­trieb auftreten! Also nicht vom oberen Totpunkt rück­wärts drehen bis zum Zünd­zeitpunkt von -sagen wir mal - 3 nun v.O.T., sondern zurückfahren bis 4 mm v.O.T. und in Laufrichtung an den korrekten Zünd­punkt hindrehen. Nur so wird die Sache genau ge­nug. Hört sich etwas kom­pliziert an, ist es aber nicht. Denkt vor dem Arbeitsbe­ginn den ganzen Ablauf nochmal der Reihe nach durch, und dann kann gar nichts mehr passieren. Und hinterher läuft das Feuerzeug. Wetten?

David Longstroke

Kommentare Top

08.02.2007 | Ferdinand Hader

Passungs Toleranzen sind doch µm, oder? Also: 6 H7 = 6,000 bis 6,012 8H7 = 8,000 bis 8,015 6f8 = 5,972 bis 5,990 MfG, Ferdinand

Da ist ein Artikel tausendfach gedruckt und gelesen, von mir per OCR-Scan ins Netz übersetzt und steht dann wiederum unschuldig und falsch vor aller Augen. Erst der gründliche Leser entlarvt den Lapsus.

Ferdinand: Du hast völlig recht und erhältst hiermit den "ubestechlicher-Leser-Award Frühjahr 2007". Danke! JEM

26.10.2007 | Markus

Hallo :) Ich habe diese Anleitung nachgebaut und bin sehr zufrieden damit ! Ich habe allerdings noch zwei Luftlöcher in die Kerze gebohrt. Somit muss ich beim einstellen des ZZP bei meiner Simson nicht gegen die Kompression ankämpfen. Nur weiter so ! :)

04.11.2007 | Schlusi

Das is ja mal ne dolle idee! Werde mir das die Tage gleich nachbauen. Muss bei meiner 500er Maico auch die zündung neu einstellen! :D Danke für den Tip mit den Luftlöchern. Bei dem Kölbchen muss man schon ganz schön drücken bei Kompression! :D

27.08.2009 | Stefan von sciroc.de

DANKE! auch der 1980er 420er KTM, konnte geholfen werden, ihre 52 PS wieder zu finden !:) Wir fahren in Tensfeld... Ich würde mich freuen, wenn sich Fans der luftgekühlten Zweitakter melden. Nochmals vielen Dank, auch für den Technikteil im Text, viele Grüße Sciroc Stefan

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