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Anleitung zum Kleben |
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Für die Überlassung dieses Artikels aus der GummikuH bedanken wir uns ganz herzlich beim Verleger Rainer Baues.
"Gummikuh & past perfect" war ein hervorragendes, unabhängiges Klassiker-Magazin der 90er Jahre, dass sich vorwiegend mit der Technik an Motorrad-Oldies beschäftigte.
Rainer hat noch nahezu alle Ausgaben der Gummikuh im Regal, bei Interesse bitte einfach eine kurze Email an bauesverlag@freenet.de. |
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1. Oldtimer und Kleben? Top |
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Oldtimerrestaurierung? Die besten und modernsten Materialien sind bei Restaurierung und Instandhaltung gerade gut genug. Der Aufschrei der Puristen ist mit Sicherheit zu erwarten, und die Mitglieder der gemäßigten Fraktion melden vorsichtig ihre Bedenken an. Ohne der einen oder anderen Seite nahe treten zu wollen, in bestimmten Fällen bewahrt uns die Entwicklung der modernen Chemie häufig vor einer aufwendigen Reparatur oder einem noch teureren Umbau. Gemeint ist das Kleben und Dichten mit modernsten Produkten. Ich kenne keinen, der sein altes Fahrzeug mit ausgelatschtem Werkzeug aus der Zeit repariert, nur um den Stil zu wahren. Genauso sollte man diese Produkte als Werkzeug sehen und nicht als Stilbruch. Es ist noch gar nicht so lange her, da berichteten Fachblätter über sensationelle Entwicklungen in der Chemie, als ein gänzlich zusammengeklebtes Zweirad vorgestellt wurde. Der dazu passende Motor mit Keramikzylinder war nur noch das i-Tüpfelchen. Studienobjekte von Forschungsabteilungen wurden schnell als alltagstaugliche Zukunftsfahrzeuge gepriesen. Nur, wie immer zwischen Wunsch und Wirklichkeit, klafft doch eine große Lücke: das Fahrzeug aus der Klebetube läßt noch einige Zeit auf sich warten.
Einzelne Entwicklungselemente für ganz spezielle Bedingungen haben dagegen ein weites Anwendungsgebiet erschlossen. Im Betriebsalltag ist die flüssige Dichtung, oder der spezielle Kleber durchaus üblich. Warum sollte gerade der Oldtimer-Fan sich abstinent verhalten? Natürlich sind die anstehenden Probleme nicht allein durch das Einsetzen des Produktes gelöst, sondern entscheiden ist der richtige Einsatz am richtigen Ort. Die Hersteller geben auch genaue Gebrauchsanweisungen, nur wird vorausgesetzt, daß der Verarbeiter zumindest Chemie, Physik und Mechanik bis zu einem gewissen Grad beherrscht. Und damit eine Haftung ausgeschlossen wird, kommt der Hinweis: ?Lesen Sie die Packungsbeilage, oder fragen den Arzt Ihres Apothekers."
Aber Scherz beiseite, je mehr ?Fachchinesisch" in der Anweisung, desto größer der Frust beim Anwender und die Neigung, durch Selbstindikation zum gewünschten Ergebnis zu kommen - natürlich geht prompt die Sache total in die Hose.
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2. Kleben von Metall Top |
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Die Sage geht um, daß bei ADLER-Motoren sich die Kurbelwellenverschraubung im Fahrbetrieb löst. Prompt Überlegt Hinz und Kunz, wie man diesen angeblichen Fehler beheben kann. (Eine im richtigen Drehmoment angezogene Verschraubung löst sich im Alltagsbetrieb übrigens nicht). Irgendein Spezi hat dann den Blitzgedanken mit der flüssigen, ?hochfesten Schraubensicherung", dieses Teufelszeug in das Feingewinde gepappt und mittels Spezialschlüssel die Kurbelwellenteile gekoppelt. Der arme Teufel, der später diese Verbindung lösen soll, scheitert mit tödlicher Sicherheit. Das Geschrei des Motorenbesitzers, wegen der Dummheit und der Unfähigkeit des Handwerkers, schallt durch das Land, und Schadensersatz wird gefordert. Was ist geschehen?
Das Problem liegt darin, daß man einer Verschraubung nicht ansieht, ob sie mit Chemie gesichert ist. oder ganz unschuldig in ihren Windungen hockt Grundsätzlich glaubt man an die Unschuld, geht mit herkömmlichem Kraftaufwand an die Arbeit, legt einige kleine Kilopöndchen zu, und knack - weg ist was.
Ist es nur das teure Werkzeug, hat man Glück gehabt. Ist es jedoch die Verschraubung in der Kurbelwelle, na dann gute Nacht. Den Hersteller der Schraubensicherung trifft dabei überhaupt keine Schuld. Er hat nämlich in seiner Anleitung geschrieben: ?Hochfeste Schraubensicherung für Verbindungen bis M 20. Läßt sich nach Erwärmen auf 300° Celsius demontieren." Hört sich unheimlich glatt an. Ist es auch. Aber bitte nicht in diesem Fall. Denn unterstellen wir den MotorenSpezialisten eine jahrelange Erfahrung, das Gespür eines Jagdhundes und das Wissen über die handwerklichen ?Künste" der Allgemeinheit, viel helfen wird ihm das auch nicht.
Wie kommt man auf diese 300° Celsius? Kurbelwelle aus Eisen, eingebettet in Alu mit riesiger Oberfläche, dazwischen altes Fett und einige mickrige Simmerringe. Nachdem der Versuch mit dem Feuerwerfer die Werkstatt bis in Kniehöhe, von oben gesehen, in ein Gewoge aus blauem, öligen Rauch und ekelerregendem Gestank getaucht hat, scheitert auch diese Taktik erbärmlich. Nicht ohne Grund schreibt der Hersteller 300°C. Wird die Temperatur um einiges überschritten, zersetzt sich der Kleber, die schöne Chemie löst sich in Wohlgefallen auf, und die verkohlten und gesinterten Rückstände in den Gängen des Feingewindes blockieren jeden weiteren Versuch. Aus! Schrott!
Die richtige Methode wäre der große Wärmeofen mit genau eingestellten 300°C, dicke Handschuhe, heißes Werkzeug....
Ich habe jedenfalls noch keinen gesehen, der diese Ausrüstung hat und so gearbeitet hätte.
Das sind die Risiken, wenn ein gutes Produkt von einem Ahnungslosen an der falschen Stelle eingesetzt wird. Schuld ist dann immer der Meister oder die Werkstatt. Dieses Szenario des Schreckens könnte man unendlich fortsetzen, der Beispiele sind genug.
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3. Welcher Kleber Top |
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Positivbeispiel 1:
Irgendein Larifari hat in grauer Vorzeit im Getriebe das Kugellager so in den Alu- oder Grauguß gehämmert, daß "frei" nach Wilhelm Busch "die Kugeln laufen, der Außenring läuft mit". Das ist eine dieser vertrackten Situationen, wo besser kein Zuhörer sich in näherer Umgebung aufhält. Die Hoffnung, daß das alte Lager Untermaß oder eine sonstige gemeine Tücke aufweist, verfliegt ganz schnell, wenn man die Feinmeßwerkzeuge aus dem Klimaschrank geholt hat. Neues und altes Lager stimmen 100% überein. Die
Erkenntnis kommt zwangsläufig: Das alte Lager hat es sich wohl sehr bequem in seinem Bett gemacht. Vor Jahren gab es für diesen Fall Lageraußenringe, aufgelegt mit einer zusätzlichen Kupfer-SinterSchicht. Aber die heutigen Kugellagervertreiber kennen ja nur die NORMalität. Also müßte wieder der Grobschmied fröhliche Umstände feiern und mit Körner. Meißel und sonstigen netten Marterwerkzeugen Preßsitz und Außenring demolieren? Wirklich nicht nötig. In diesem Fall gibt es Produkte "zur Verklebung von Buchsen. Lagern. Hülsen. im SchiebePreß-und Schrumpfsitz. Vollständiger Oberflächenkontakt verhindert Spiel. Korrosion und Passungsrost". Das war doch unser Wunsch?
Positivbeispiel 2:
Da wackelt so eine blöde Schraube sich langsam aus ihrer zugewiesenen Position, und der mit ihr verbundene Partner scheppert und kreischt durch die Gegend. Oder hat jemand schon mal beobachtet, wieviel alte Schrauben sich auf der Straße bewegen? Da gehören die beileibe nicht hin, die hatten doch mal in jungen Jahren einen zufriedenen Besitzer. Und nun Trennung, die hier und ganz woanders das Gegenstück und dazwischen der verzweifelte Schrauber. In diesem Fall gibt es wirklich eine Lösung, die keine Lösung verspricht und hält. "Zum Einsatz bei allen Schraubverbindungen, flüssig aufgetragen, härtet nach dem Einschrauben unter Luftausschluß und durch Metallkontakt im Gewinde aus". Und wenn es dicht sein soll, bitte, dicht ist es auch noch. Das sind Angebote, Leute: Kaufen, kaufen... Aber bitte, einige Punkte muß man einfach beachten, einige Bedingungen zwingend einhalten und ein gewisses Hintergrundwissen muß schon vorhanden sein. Der Alles-besserWisser braucht nun nur noch die Tabelle mit den Produktangeboten, und schon ist's geklebt. Der Fachmann liest jetzt doch noch besser weiter und beschäftigt sich mit etwas Theorie, mit Sicherheit zahlt es sich bei der nächsten Reparatur in Mark und Pfennig aus.
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4. Die Klebeverbindung Top |
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Klebemittel sollen Zwischenräume und Lücken zwischen zu verbindenden Werkstücken ausfüllen und eine Verbindung herstellen. Im Gegensatz zum Schweißen werden dabei die Werkstücke nicht ?verschmolzen", sondern sie haften nur zusammen. Die Stärke der Haftung hängt von der Oberflächenhaftung (Adhäsion) des Klebstoffs und der Festigkeit des Klebstoffs selber ab (Kohäsion).
Adhäsion
Unter Adhäsion versteht man die Haftkräfte an den Kontaktflächen zweier Stoffe. Dieser simple Satz wird von den Fachleuten in den Raum gestellt und alle tun so, als wäre keine Frage offen. Aber haben wir wirklich alles verstanden?
Nehmen wir als Beispiel ein Brett mit beidseitig herausragenden Stiften verschiedener Länge (Bild 1).
Dieses Brett mit Stiften steht symbolisch für unsere zu verwendenden Klebstoffe.
Nun führen wir die zu verbindenden Teile A + B gegen die Stifte im Brett und lassen sie los. Hier und da berühren zwar einige Stifte die Wandung von A + B, rutschen aber an der spiegelglatten Oberfläche ab, es gibt keine Verbindung (Bild 2).
Die Adhäsionskräfte sind = 0. Eine entscheidende Veränderung muß erfolgen. Die Teile A und B müssen vorbereitet werden. Dazu rauhen wir die Oberfläche etwas auf, z.B. mit Schmirgelpapier (Bild 3).
Schon verhaken und verkanten sich die Stifte in den Vertiefungen. Je besser die Stifte (Kleber) eindringen und je passiger der Sitz ist, umso höher ist die Haftung (Adhäsion). Ausschlaggebend für eine hohe Haftung sind also eine klebefreundliche Oberfläche, die Eindringtiefe des Klebers in Vertiefungen (Viskosität). Beispiel: Honig hat eine hohe Viskosität und kriecht nicht überall dorthin, wo Wasser mit seiner niedrigen Viskosität hinkommt. Sind Metalle noch sehr klebefreundlich, müssen bei Kunststoffen durch geeignete Vorbehandlungen die Oberflächenenergien aktiviert werden.
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5. Klebeverbindung belasten Top |
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Kohäsion
Unter Kohäsion versteht man die Kräfte, die zwischen den Molekülen eines Körpers herrschen und die Masseteilchen zusammenhalten. Alles Klar? Nein, natürlich nicht. Nehmen wir nochmal Bild 3. Unsere Stifte (Kleber) haben sich ideal verhakt, alles paßt haargenau (im wahrsten Sinne des Wortes), und nun treten Belastungen auf, z.B. Zug-und Schubkräfte. Die Adhäsion stimmt, aber die Kohäsion versagt. Der Kleber kann sich nicht mehr selber halten (Materialqualität) und bricht in seinem Gefüge zusammen, oder A + B werden zerstört (Bild 4). Nach der Regel, daß eine Kette nur
so stark wie ihr schwächstes Glied ist. sollte also Adhäsion und Kohäsion etwa gleich groß sein.
Fazit:
Den Alleskleber. oder das Wunderprodukt gibt es einfach nicht. Präzise Materialkenntnisse sind nötig, um den richtigen Partner zu finden. Temperatur und chemische Einflüsse sind zu berücksichti2en. Die Vorbehandlung ist ganz wichtig.
Oxidschichten, Rückstände und Staub wirken feuchtigkeitsmindernd. Die Hersteller haben eine gute anwendungstechnische Beratung, aber sie muß verstanden werden. Machen Sie sich Gedanken über die spätere Demontierbarkeit. Dokumentieren Sie alle verklebten Bauteile! Niemals Kleber, die bei 300°C lösen, an Stellen einsetzen. die diese Temperaturbelastung nicht vertragen. Halten Sie Ihren Vorrat in bescheidenen Grenzen. Der Gelegenheitsbastler wird ein angebrochenes Gebinde nach 2 Jahren Lagerzeit meist wegwerfen müssen.
Beachten Sie all diese Punkte, dann sind Sie schon gut in der Handhabung, und Ihnen wird kein Fehler unterlaufen. Gutes Schaffen. kleben Sie sich mal einen.
Stromi
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