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Reparaturanleitung Honda: Vorderrad-Bremse

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Bremsbeläge

Not without my Bremsbelag!

Belagwechsel HONDA CB 450S

17.08.2004 | Autor: JEM

Die Vorderradbremse der Honda ist prototypisch für viele Kollegen an anderen Motorrädern. Und irgendwann sind deren Beläge einfach reif.

Inhalt

1. Dubiose Stopper?
2. Bock aufbocken, Sicherung raus
3. Sattel lösen
4. Tachowelle lösen
5. Belaghaltebolzen
6. Beläge rausfischen

7. Bolzen polieren
8. Bremsöl raussaugen
9. Kolben zurückdrücken
10. Neue Beläge einbauen
11. Zusammenbauen + Entlüften
Kommentare: 3

1. Dubiose Stopper? Top

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Ist man sich nicht ganz sicher, dass die Bremsen so einer Honda (oder eines vergleichbaren anderen Krades) astrein und taufrisch sind, sollte man an Revision oder Reparatur denken. Um den Zustand der Beläge zu überprüfen, stellt man das Motorrad auf den Hauptständer und geht in die Knie: mit Taschenlampe und messerscharfem Blick kann man jetzt die Belagstärke der Bremsklötze erkennen. Gibt das irgendwie Anlass zum Zweifel, unbedingt und immer neue Beläge kaufen. Nicht irgendwas vom Schrotti oder aus der frisch geschlachteten Schwestermaschine: neu kaufen. Alte Beläge können, weil geklebt, durchaus unterrostet sein oder hartgeworden oder verölt, oder, oder, oder. Es lohnt nicht, an dieser Ecke zu sparen. Beim Neukauf muss man allerdings nicht zwangsläufig zum Vertragshändler rennen und damit dem Zinken von old Honda senior eine weitere Blattgoldschicht hinzufügen; der Zubehöronkel hat Nachbauteile, die die Hälfte kosten und genau dasselbe leisten. Gleich noch eine Kanne Bremsflüssigkeit mit über die Scannerkasse ziehen lassen und das Werkzeug bereitlegen.

2. Bock aufbocken, Sicherung raus Top

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Maschine auf den Hauptständer stellen, so dass das Vorderrad freikommt und genug Platz ist, um daran herumzuhampeln. Da die Honda zwei Bremsscheiben hat, gilt das hier gesagte natürlich auch für die andere Seite - spiegelverkehrt, sozusagen. Es empfiehlt sich, so man zwei Scheiben hat, erst eine Seite komplett zu machen und anschließend die andere: wenn man mal nicht mehr weiterweiß, kann man sich auf der anderen Seite abkucken, wie der Kram zusammengehört.

Die Beläge bei dieser CB werden von zwei Bolzen gehalten, die in den Sattel geschraubt werden.

Weil man in Japan Loctite oder einem Drehmoment nicht traut, sind diese Bolzen mit einem Schraubstopfen gesichert. Den einfach rausdrehen und sicher zur Seite legen. Jetzt die Bolzen lösen, aber nicht herausdrehen.

3. Sattel lösen Top

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Die beiden Befestigungsschrauben des Bremssattels am Tauchrohr herausschrauben. Der Sattel bammelt jetzt nur noch einsam am Bremsschlauch.

Diese lebenswichtige Strippe vorsichtig behandeln und nicht einem Abreißversuch unterziehen. Bestenfalls mal vorsichtig zwischen den Fingern knicken und auf kleine Risse untersuchen.

Wird man da fündig: weg mit dem Ding und neu kaufen. Ansonsten Schlauch nicht auf Zug belasten, ggf. mit Draht irgendwo aufhängen.

4. Tachowelle lösen Top

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Damit man weiß, mit welchem Mords-Speed man sich in der Fußgängerzone bewegt, hat die CB einen Tacho nebst Tachowelle.

Die endet im Schneckengetriebe an der Steckachse und wird in einer Drahtlasche geführt. Welle und Haltelasche abschrauben und die Welle an einen Ort stecken, an dem sie nicht stört.

5. Belaghaltebolzen Top

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Jetzt die Belaghalte-Bolzen ganz herausschrauben. Wenn die Biester wg. allgemeinem Gammel und Korrosion nicht wollen, von der anderen Seite mit einem Durchtreiber nachhelfen.

Sitzt alles fürchterlich fest, mit Caramba einjauchen und ein Weilchen warten. Spätestens nach so einer Caramba-Kur sind die Beläge wegschmeißreif und der komplette Sattel muss vor Einbau der neuen Beläge peinlich sauber und ölfrei gewienert werden.

6. Beläge rausfischen Top

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Sind die Bolzen raus, purzeln einem auch schon die Beläge entgegen. Darauf Acht geben, dass man nicht das Passblech und die untere Haltefeder mit in den Schrottkübel wirft. Diese Beläge hier hatten ihre besten Tage schon im Pleistozän hinter sich und fielen bei der Demontage einfach auseinander.

Schluck!

7. Bolzen polieren Top

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Sind die Bolzen korrodiert, den groben Rost vorsichtig mit feinem Schleifleinen entfernen und sie anschließend noch mal fein überpolieren.

8. Bremsöl raussaugen Top

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Bevor man die Kolben des Bremssattels wieder ins Gehäuse zurückprügelt, den Ausgleichbehälter der Handbremse öffnen und Bremsflüssigkeit absaugen. Unter Umständen hat man im Laufe der Jahre mal lustig nachgekippt, so dass jetzt beim Zurückdrücken die ganze Suppe oben rausquillt.

Zum Absaugen eignen sich große Pferde-Spritzen aus der Apotheke. Beim Demontieren des Ausgleichbehälterdeckels und in der weiteren Arbeit darauf achten, dass kein noch so kleines Atom Dreck in den Behälter fällt. Im Zweifel alles sauberst sauber wischen oder mit Pressluft ausblasen.

Bremsflüssigkeit wirkt auf Dauer zerstörerisch auf lackierten Flächen, jeden kleinen Spritzer sofort vom heiligen Motorrad abwischen oder einen Putzlappen um den Behälter legen.

9. Kolben zurückdrücken Top

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Jetzt die beiden Kolben wieder in das Gehäuse des Bremssattels zurückdrücken. Das geht im Prinzip mit wenig Kraftaufwand und von Hand.

Hat man nicht die Statur eines Terminators oder wenigstens Governators, kann man eine Schraubzwinge zu Hilfe nehmen. Die sollte den Kolben ohne Probleme zurückdrücken.

Tut sie´s nicht, Kolben ausbauen und nachschauen, was da klemmt. Vermutlich hat dann (durch eine kaputte Staubmanschette?) eingedrungenes Wasser ein kleines Rost-Massaker angerichtet und macht eine gründliche Überholung erforderlich.

Ansonsten gleichzeitig im Augenwinkel den Flüssigkeitsstand im Ausgleichbehälter beobachten und ggf. absaugen. Kontrollieren, ob sich der Bremskolben (oder-Zange) im Rahmen sauber bewegen kann. Die Zange wird von zwei Bolzen geführt, die in Teflonhülsen laufen und ermöglicht erst, dass sich beide Beläge gleichmäßig an die Scheibe pressen. Wenn da irgendwas klemmt oder schwer geht: auseinander bauen und tauschen.

10. Neue Beläge einbauen Top

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Sind die Lurche wieder im Häuschen, kann man die neuen Beläge einbauen und die Bolzen und die Haltebleche / Federn wieder einsetzen.

Bevor man anfängt mit den neuen Belägen zu hantieren, schadet es nichts, sich die Flossen zu waschen und Werkbank / Bremssattel mit Schnellreiniger oder Nitroverdünnung zu wienern. Ölige Grapscher auf dem Belag vermindern die Bremsleistung deutlich.

11. Zusammenbauen + Entlüften Top

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Jetzt alles in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammenbauen und die andere Seite in Angriff nehmen. Darauf achten und nochmals achten, dass alle Schrauben + Bolzen dran und fest angezogen sind.

Ist die Bremsflüssigkeit frisch und auf dem richtigen Stand, kann man, wenn die Bremse noch dazu einen sauberen Druckpunkt hat und sich nicht aufpumpen lässt, den Deckel des Ausgleichbehälters zuschrauben und sich ein Kaltgetränk seiner Wahl einflößen. Well Done!

Ist aber entweder die Bremslorke alt und schon kaffeebraun oder hat die Bremse keinerlei Druckpunkt, will und muß die Anlage entlüftet werden. Zu diesem Behufe kann man die Bremsflüssigkeit von oben einfüllen und nach unten durchpumpen. Das klappt, wenn man nicht Bernd das Brot heisst und zu kurze Arme hat, ganz gut. Dazu einen Klarsichtschlauch auf das Entlüfterventil des Radbremszylinders stecken, das Ventil unten öffnen und den Bremshebel langsam durchziehen. Ist man mit dem Hebel am Griffgummi angekommen, Ventil unten schließen und den Hebel zurückschnappen lassen.

Prozedur wiederholen, bis unten nur noch klare Bremssuppe ohne Luftblasen rauskommt. Ist die Bremse nach beidseitiger Entlüftung immer noch weich, d.h. lässt sich federnd aufpumpen und hat keinen Druckpunkt, versteckt sich irgendwo im System noch eine kleine Luftblase, die man nach einiger Zeit dem Bremsen-Konstrukteur in die linke Herzkammer wünscht.

Noch mal entlüften und dabei den Lenker auf beide Seiten kippen / drehen. Gerade im T-Stück, in dem aus einem Bremsschlauch zwei werden, kann das Bläschen hängen. Noch mal versuchen. Dabei immer darauf achten, dass der Vorratsbehälter ausreichend gefüllt ist, damit keine Luft ins Bremssystem kommt.

Entlüftungsmöglichkeit Nummer zwei geht andersrum: das Bremsöl wird vom Radbremszylinder hoch in den Ausgleichbehälter gepumpt. Jetzt muss oben abgesaugt werden und blasenfrei rauskommen. Etwas umständlicher und ekliger, funktioniert aber fast immer. Bremsflüssigkeit bis zur Max-Markierung (oder kurz untern Rand) auffüllen und Deckel drauf.

Paar Mal im Stand in die Bremse langen, bis die Knöchel weiß hervortreten. Alles OK? Prima. Kobolz-Kugel aufsetzen, Motor anwerfen und Probefahrt machen.

Kommentare Top

13.02.2006 | Soulie

Super!

05.05.2007 | Dietmar Beth

Der Artikel weist einen nicht unbedeutenden Fehler auf, vor dem Eindrücken der Bremskolben sollte man diese penibel reinigen, weil meist auf Manschetten verzichtet wird und die Kolben, besonders bei abgefahrenen Belägen, dem Sraßendreck, Streusalz etc. ausgesetzt sind. Drückt man dann diese verdreckten Kolben in den Bremssattel, können Staubschutz - und Rechteckring zerstört werden!

09.04.2009 | Volker

Hallo Dietmar, ich denke, wer das nicht weiss, lässt am Besten die Finger von der Bremse!!!! Gruß

Zum Artikel vom 23.03.2004
Lichtmaschinen an japanischen Motorrädern - Wie funktioniert eine Motorrad-Lichtmaschine?

Zum Artikel vom 17.09.2004
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