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Werkzeugkunde Zangen |
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1. Vier Zangen für ein Halleluhjah! Top |
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Alles, was man nicht mit einem Schlüssel oder den bloßen Griffeln anfassen und drehen kann, macht die Verwendung von Zangen notwendig. Darüber hinaus gibts noch so Einiges, was nur mit Zangen, in der Regel mit ganz speziellen Zangen, erledigt werden kann.
Für die alltägliche Arbeit kommt man mit vier Zangen hin. Zuerst wäre sicher die Radiozange zu nennen. Auch als "Storchenschnabel" oder Mechanikerzange bekannt, leistet das Instrument in vielen Fällen gute Dienste. Man sollte, wie bei allen Zangen, darauf achten, daß der Hieb, d.h. die Verzahnung im Maul, in Ordnung ist. Mit der Radiozange kann man so einiges Muddeln und Fummeln, an das man mit einer gewöhnlichen Kombizange nicht herankommt. Eine Kombizange ist mit ihrem breiten Maul dafür etwas stabiler und besitzt einen besseren Drahtschneider. Den tüchtigen Drahtschneider hat man an Zangen Nummer drei: dem Seitenschneider. Mit ihm sollte man eigentlich alles, was so an Draht,
Bowdenzugseelen oder Kunststoffmaterial am Fahrzeug ist, anknabbern und trennen können. |
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2. Wasserpumpenzange Top |
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Die vierte unentbehrliche Zange ist eine Wasserpumpenzange. In einer mittleren Größe kann das Ding, richtig eingestellt, eigentlich alles greifen und drehen, ziehen und zerquetschen, was einem unterkommt. Was man mit einer guten, scharfen Wasserpumpenzange nicht hinbekommt, hat man entweder grundsätzlich verkehrt geplant (z.B. eine Rohrgewindemutter soweit zerquetscht, daß sie sich mitsamt Gewinde breitgemacht hat und nurmehr zersägt werden kann) oder muß sowieso zerstört werden. Oder man hat die Zange verkehrtherum angesetzt, denn wie bei Dackel Lumpi stehen die Zähne im Maul der Zange in eine Richtung. Bei Lumpi stehen sie so, daß der kleine Scheißer den frisch erlegten 14-ender NACH HINTEN schlingen kann. Die Wasserpumpenzange greift auch nur in eine Richtung.
Im Zweifelsfall vor dem Ansetzen der Zange eine Gedenkminute halten.
Entscheidend bei allen Zangen ist, daß es sich um eine GUTE Zange handelt. In Deutschland scheint KNIPEX Marktführer zu sein. Auch SANDVIK-BELZER und HAZET machen gute Zangen. Schneidet man mit einem billigen Seitenschneider (ein Markenprodukt kostet zwischen 30 und 40 Mark) eine massive, harte Bowdenzugseele, passiert derselben unter Umständen gar nichts: die Schneide des Importartikels hat sich beim Zudrücken kalt verformt. man ärgert sich schwarz und schwärzer. Eine Wasserpumpenzange für 10 Mark kann nicht aus Werkzeugstahl bestehen, über ein sauber passendes Gewerbe (das ist die
Verbindungsstelle, an der die beiden Schenkel einer Zange zusammengesteckt sind) verfügen und scharfe Zähnchen haben. Geht nicht. Vielleicht behauptet die Baumarktaushilfe das Gegenteil: sie lügt.
Die Zangen müssen nicht unbedingt verchromt sein. In der Regel sind sie brüniert, d.h. schwarz. Lässt man sie nicht tagelang im Regen liegen oder arbeitet dmit auf einer sturmumtosten Ölbohrinsel, reicht das. |
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3. Kunststoff ist fein Top |
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In jedem Fall sollen sie über kunststoffüberzogene Griffe verfügen. Schraubt man mit richtig öligen Flossen, gibt der Kunststoff noch etwas "Grip", und die Zange fasst sich bei hartem Zupacken nicht ganz so hart an. Gut für arthritische Gelenke und Handballen. Nebenher lässt sich mit einer solchen (jedoch keineswegs VDE-Vorschriften genügenden! Berufsgenossenschaft: weiterlesen!) Zange im Notfall an unter Spannung stehenden Teilen herummurksen. Wie gesagt im Notfall. Man kann nämlich Radiozangen auch durch Lichtbögen unbrauchbar machen. Nebenher riskiert man ein interessantes
Herzkammerflimmern. Fast alle Zangen gibts auch in anderen Bauformen, so komplettieren eine abgewinkelte Radio- oder Mechanikerzange den Zangenreigen. Neben dem Seitenschneider existiert natürlich auch ein
VOR(N)schneider. Benutzt Opa seine "Kneifzange" nur dazu, rostige Nägel aus morschen Spanplatten zu ziehen, leistet ein anständiger Vornschneider oder eine "Rabitzzange" mehr: man kann fein dosiert Patentschellen zukneifen oder versenkt, eng liegende, vermurkste Muttern drehen, die man ansonsten aufgeben müsste. Draht schneiden kann man auch damit. |
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4. Sprengringzangen Top |
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Ein beliebtes Konstruktionselement sind Sprengringe. In den tiefsten und unzugänglichsten Ecken lauern sie auf einem Wellenstumpf oder in einer verdreckten Bohrung und warten darauf, daß man sich mit einer labbrigen Radiozange an ihnen zu schaffen macht. Kriegt man sie damit überhaupt heraus, fliegen sie durch den Raum und verschwinden höhnisch klingelnd garantiert in der unaufgeräumtesten Ecke der Werkstatt.
Man macht dieses unterhaltsame Spiel lange Zeit mit, irgendwann hat man trotz eines
Sortiments Ersatzsprengringe jedoch die Nase voll und kauft sich Sprengringzangen. Eine für Außen, eine für Innen. Auch abgewinkelt, für winklige Winkelzüge. Mit diesen Zangen kann man die Ringe absolut sicher montieren und demontieren. |
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5. Der dritte Mann Top |
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Der Mensch hat zwei Augen, zwei Ohren und, leider, leider, nur zwei Hände. Wohl kaum Einer, der beim Schrauben diese Tatsache nicht schon verflucht hat. Abhilfe gibt´s in einigen Fällen in Form der Grip- oder Schweißerzange. Tatsächlich wird man die Gripzange meist beim Schweißen zum Fixieren von Blechen benutzen - aber auch sonst kann man Erstaunliches damit anstellen: "Mal eben" eine Kraftstoffleitung zudrücken, einen Gaszug in Vollgasstellung halten, kurz: die dritte Hand ersetzen.
Gripzangen gibt´s in verschiedenen Größen und Formen. Sie werden am Objekt eingestellt und zugedrückt; zum Lösen betätigt man einen kleinen Hebel. Schnapp! |
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6. Kleinkram aus dem Krankenhaus Top |
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Wo die feinste Zange zu grob ist, kommt die Pinzette zum Einsatz: leider sind die meisten käuflichen Exemplaren von Leuten konstruiert, die anscheinend nicht damit arbeiten müssen.
Die Mäuler schließen nicht oder haben keinen Hieb oder die Schenkel gehen an ihrem
Schweißpunkt auseinander. Feine Pinzetten hat man in der Medizin. Auf Flohmärkten werden teilweise halbe Universitätskliniken in Teilen angeboten. Neben sehr praktischen Zahnarztspiegelchen und -Haken, guten Scheren und Skalpellen gibt´s da auch Pinzetten.
Eine sauber gearbeitet Edelstahlpinzette, die sich in geschlossener Stellung arretieren lässt, kostet um die 10 Mark. Ein Witz für ein solches Instrument. Vielleicht rechnet auch der Hausarzt so was über die Krankenkasse ab. |
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7. Abisolierung Top |
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Gute Dienste leistet in der Werkstatt auch eine automatische Abisolierzange. Bei diesen Wunderwerken ist das Einstellen des Kabeldurchmessers nicht nötig. Einfach ansetzten, zudrücken - ratsch ist die Isolierung ab. Qualitätsgeräte kostet um die 150 Mark, eine 4.95 Mark - Zange aus dem Chinaramschladen leistet bei mir jedoch seit Jahren gute Dienste. Hier lohnt sich die Wegwerfmentalität. Leider.
Ansonsten zahlt sich Qualität immer aus und hält länger. Ein guter Seitenschneider kann durchaus zehn Jahre alt werden.
Karies an der hart beanspruchten Zange kann man jedoch nicht ganz vermeiden, nur verzögern. Deshalb sollte man sich hüten, an gehärteten Teilen, wie etwa harten Stiften oder Getriebewellen herumzureissen. Das macht auch eine gute Zange sofort stumpf.
Runtergearbeitete oder labbrige Zangen werfe man, so weh es tut, einfach weg oder deklassiere sie unumkehrbar zur Schmiedezange. Schwirren die Dinger noch irgendwo in der Werkzeugkiste herum, kommt man in einem schwachen Moment auf die Idee, das Ding nochmal auszupacken und vermauert dann am Freitagnachmittag noch ein teures Werkstück.
Weg damit, Ersatz besorgen, auch wenn`s wehtut. |
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18.11.2007 | Richard Borowan |
Zu den automatischen Abisolierzangen kann ich nur eins sagen: Billig mag gut sein, aber unbedingt darauf achten, dass das Ding ordentliche Griffe hat. Ich hatte eine um ca. 10/15€ oder so und das Problem an der war ganz einfach das, dass der Vordergriff aus Metall war und der hintere Griff aus Kunststoff. Ergebnis der ganzen Sache, nach 5-6 Einsätzen ist schlicht der Kunststoffgriff abgebrochen (bis dahin hat sie 1A funktioniert das muss man ihr lassen).
Ansonsten tuts eine scharfe, qualitiativ hochwertige Abisolierzange (unbedingt mit Federung, sonst kriegt man Handkrämpfe vom Auseinanderziehen der Zange - allerdings ist das bei hochwertigeren Zangen sowieso Standard) auch ganz gut, dauert halt 1-2 Sekunden länger pro Kabel.
Einziger Nachteil den ich in den manuellen Abisolierzangen wirklich sehe, ist, dass ich mir schon öfters die Finger irgendwo angehaut hab, weil ich ziemlich stark am Kabel gezogen hab und als die Isolierung dann abging flog die Hand gleich einen Meter durch die Gegend :) |
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