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Anleitung zur kostengünstigen Auspuffreparatur |
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1. Rausschmeisser Top |
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Der Dieselgolf aus dritter Hand tönt plötzlich wie ein V8? Der heiß geliebte Kleintransporter klingt nach Russenpanzer im Geländegang? Klarer Fall: der Auspuff leckt, und das nicht zu knapp. Wenn dann auch noch der TÜV-Termin dräut, besteht akuter Handlungsbedarf. Wessen pekuniäre Lage nicht zulässt, zum Teile-Dealer des Vertrauens zu eilen und einen neuen Endtopf zu erflehen, dem kann mit der folgend beschriebenen Bastelei geholfen werden. Alles was man braucht: ein defekter Auspuff, Blech und ein Schutzgasschweissgerät. Da die Rettung was mit Schweissen zu tun hat, der Auspuff nicht immer, aber meistens unter dem Auto montiert ist und es ziemlich unangenehm ist, von einem Schweissfloh in den Nacken gebissen zu werden, heisst es erstmal: raus mit dem Rohr! Das ist leichter gesagt als getan, da insbesondere am Auspuff die Verschraubungen durch die starken Hitzeschwankungen ganz unangenehm zum Gammeln neigen. Was nicht freiwillig voneinander lassen will, wird gewaltsam getrennt - Metallsäge, Winkelschleifer und Mutternsprenger sind hier die Mittel der Wahl, manchmal auch einfach eine Lötlampe und etwas Geduld. Mit der Lötlampe sollte man allerdings aufpassen, sonst wird man plötzlich eines Erleuchtungserlebnisses durch entflammten Unterbodenschutz teilhaftig. Vorteil: die Auspuffreparatur wird obsolet, weil das zugehörige Auto gerade abbrennt.
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2. Sieh an, sieh an... Top |
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Das Geröhre (Achtung: Teekesselchen!) ist draussen und das zugehörige Automobil noch existent? Dann lohnt sich ein Blick auf den Topf. Falls ausser einer perforierten Hülle auch massive Korrosion im Inneren vorherrscht, bleibt nur, das Teil in hohem Bogen auf den Schrott zu werfen und zum Neukauf zu schreiten (ob dem eines Auspuffs oder eines Autos bleibt der individuellen Wirtschaftlichkeitsrechnung vorbehalten). Sollte aber wirklich nur ein Loch im Mantelblech sein, dann lässt sich das gut (und TÜV-gerecht) flicken, indem man dem guten Stück ein Blechmäntelchen umlegt. Dazu braucht man zuerst mal Blech - handelsübliches Karosserieblech ist genau das richtige. |
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3. Massanzug Top |
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Aus diesem Blech werden nun des Auspuffs neue Kleider geschneidert. Dazu sollte man zuerst einmal überprüfen, ob der Endtopf zylindrisch ist und nicht vielleicht konisch (schwierig) oder gar gebogen (fast unmöglich). Nach den Messergebnissen wird nun das Flickblech geschnippelt. Dieses kann gerne ein oder zwei Millimeter schmaler sein als der Topf ohne die beiden "Kragen" an den Enden; der Spalt wird später mit der Schweissnaht verschlossen. Ein zu breites Blech dagegen wird unangenehm, weil man es nicht vernünftig geführt und fixiert bekommt. Um vernünftig schweissen zu können, wird blankes Blech benötigt - sonst kann man's gleich vergessen. Deshalb wird nun die Längsnaht des Auspuffs befeilt. Gleiches geschieht der Hülle an beiden Flanschen.
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4. Punkt für Punkt Top |
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Wenn es blitzt und blinkt, kann geschweißt werden. Zuerst wird das Blech an der Längsnaht des Auspufftopfes angepunktet. Sauberes Arbeiten und genaues Ausrichten des Blechs ist dabei wichtig, denn wenn man hier murkst, wird später alles krumm und schief. Anschliessend wird das Blech um den Topf herum gebogen und aussen angepunktet. Ein Helfer ist dabei nicht zwingend nötig, aber durchaus hilfreich. Allerdings wird er auch helfen, euer Bier auszutrinken. Da muss dann jeder für sich Prioritäten setzen... Ist man am Ende angekommen, wird das Blech etwas widerspenstig. Das hilft ihm allerdings nichts, weil Auspuffschweisser wirklich böse sind und vor Brutalität nicht zurück schrecken. Es wird also nicht nur eine Schraubzwinge eingesetzt, sondern auch zum Hammer gegriffen. Klappt das nicht, kommt eben der nächst größere Hammer zur Anwendung. |
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5. Dichtkunst Top |
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Wenn das Blech ringsum hält, kann und muss man Nähte durchschweissen. Wenn nicht sieht der TÜV-Onkel zwar das Loch nicht mehr. Hören kann er es aber immer noch. Beim Schweissen an den Flanschen ist zu beachten, dass man den Brenner auf dem Flansch ansetzt, von dort das Schweissbad kurz aufs Blech zieht und wieder zurück auf den Flansch pendelt. Merke: wer zu lange auf dem Blech rumbrät, der schmurgelt ein Loch rein. Was kontraproduktiv wäre; schliesslich versuchen wir ja, gerade ein solches dicht zu bekommen. Da wir schon so schön am Schweissen sind, setzen wir gleich noch einen drauf und braten noch die Schweissnähte an den Rohren nach, weil die auch gerne durchfaulen.
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6. Endspurt Top |
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Geschafft: der Auspuff ist wieder dicht und könnte jetzt wieder angebaut werden. Will man ihm noch was Gutes tun, nebelt man ihn mit ein wenig Zinkspray ein. Unbehandelt sollte er aber ebenfalls weitere zwei Jahre halten. Und da wir vom reichen Erbonkel gelernt haben, dass man spätestens alle zwo Jahre eh eine neue Karre braucht, reicht das ja dicke. |
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14.02.2003 | D. van Maren |
Horrido! Prima beschrieben. Der Stil gefällt. Du solltest dich nicht nur auf Schrauberseiten zeigen. Ich denke es reicht für einen grösseren Kreis - aber wer schreibt schon gerne ein Buch? Amüsiert habe ich mich beim Lesen ganz köstlich.... |
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16.02.2003 | M. Carl |
Faszinierent wie ihr das geschafft habt. Aber reicht es nicht auch wenn man auf das Loch im Auspuff einfach nur ein Stückchen Blech drüber legt und das zuschweist? Ist nähmlich noch etwas billiger und leichter. Und auch bei konischen Auspuffen anzuwenden.
JEM: Klar, reicht auch. Allerdings hat das Blech oft eine schlechtere Konsistenz als Knäckebrot. Wenn man das neue Blech direkt an der Bördelung ansetzt, hat man mehr Fleisch für die Schweißnaht. |
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09.03.2003 | Martin |
Hallo,
natürlicherweise lässt es mein Herz höher schlagen wenn man eine tatsächlich gute Reparatur durchführt, so wie hier geschehen. Abgesehen von den Zielen unserer Autohersteller, bleibt einem bei manchen Auto nichts anderes übrig. (Oldtimer)
Was mich aber mehr fastzieniert hat, ist die Akribie, mit der repariert wurde. Es ist eben nicht der kleine Flicken den man auch hätte anbringen können, nein der Gedanke etwas dauerhafter zu reparieren, der überzeugt mich.
Weiter so! |
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24.04.2003 | Georgie der Golfspachtler *schwitz* |
Hallo ihr bösen Auspuffschweißer, ich mußte mehrmals laut lachen, auch über die anderen Reparaturanleitungen. Guter Stil. Ich bin beim "googeln" auf eure Seite gelangt, weil ich etwas übers "spachteln" suchte. Gut!!! |
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15.07.2003 | Ole |
Der ganze Schweissbericht hat mir super gut gefallen.
Sehr gut gelungen, ich habe mich köstlich amüsiert und gleichzeitig dabei hoffentlich was gelernt. Werde mich gleich an mein neu erworbenes migmag setzen und etwas üben üben üben.
Vielen Dank - bitte mach' weiter so, das Netz bietet soviel Schrott, daß eine solche Seite super erfrischend ist! |
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29.07.2003 | Jo |
Genial. Auch wenn ich eigentlich nach Schraubertipps für meine Moto Guzzi gesucht habe. Die beschriebenen Verfahrenswege - nicht nur in diesem Artikel - sind für jeden nützlich, der sich mit Zen und der Kunst.... beschäftigt.
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03.08.2003 | Andi |
Klasse. Ich glaub' ich grinse immer noch ! |
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03.10.2003 | Michael Breuer |
Ich habe es so schon vor 20 Jahren gemacht, nur das ich jedesmal V2A Blech verwende und die Schweisspunkte mit entsprechender Auspufffarbe lackiere.
So hält das ganze locker 4-6 Jahre,vorrausgesetzt,das Rohr selber wurde ebenso "verkleidet" |
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14.10.2003 | Klaus |
einfach köstlich - informativ und gut geschrieben - weiter so! |
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26.09.2005 | rabek45 |
Der Artikel ist heute noch genau so aktuell wie vor bald drei Jahren; hab es selbst ausprobiert -an einem schweineteueren Porsche 356-Auspuff- und es hat prima geklappt. M. Carl kann ich nur davor warnen, es mit Flickschusterei zu versuchen, da wird es ganz schnell zum Patchwork-Spezialisten. Noch eine Frage:
Besagter Porsche-Auspuff hat um den Topf herum noch ein Blechmäntelchen, unter dem eine ca. 5 mm starke "Pappe" liegt. Was ist Sinn und Zweck dieser Verkleidung (außer dass darunter die braune Pest im Verborgenen ganz besonders lebhaft blüht)? Ist das ein zusätzlicher Wärme- bzw. Schallschutz und muss ich den auch erneuern? Aus welchem Marerial ist diese "Pappe" (Asbest oder ähnlich) und wo bekommt man so etwas? Herzlichen Dank für jeden Tip Mmmh. Solche "Pappe" noch nicht gesehen. Vermutlich aber keine Pappe, sondern was Besseres. Wenns stört, vermutlich am besten rausreissen und überbraten. JEM |
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27.10.2005 | Immo Michael Becker |
Hallo JEM,
vielen Dank für Deinen Tip; rausschmeißen hatte ich natürlich schon gemacht, sonst kommt man ja an den eigentlichen Topf nicht ran. Habe mittlerweile erfahren, dass es sich bei der "Pappe" um einen zusätzlichen Schall- und Wärmeschutz handelt. Keiner konnte mir aber sagen, um welches Material es sich hierbei handelt und wo man so etwas bekommen kann. |
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09.09.2006 | Wolfi |
Danke fuer die genaue und äußerst unterhaltsame Beschreibung - damit hab's sogar ich geschafft :-) |
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04.10.2008 | Jürgen B. |
Hallo JEM.. ;-) toll geschrieben.. bei mir sind meistens die Rohre abgegammelt, seitdem nehme ich nur noch VA-Rohre, biege sie mir zurecht und schweisse sie mit WIG gleich wieder so an, wie die alten gesessen haben.. bei den Schalldämpfern nehme ich mir meistens 2 gewalzte VA-Bleche die sich einfacher "rumbiegen" lassen.. gut, eine Schweissnaht mehr, aber wesentlich einfacher zu machen.. |
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16.03.2009 | Thomas |
Vor ziemlich genau 35 Jahren hat mich ein "Schweissfloh" ins Ohr gebissen, tat ziemlich lange noch weh, hat aber Gott sei Dank keinen Schaden hinterlassen, als ich den Bericht hier las, kam die Panik von damals wieder hoch. Wir haben damals noch munter an einem Renault 8 weitergeschweisst, als der Innenraum schon brannte und erst als es in der Garage so merkwürdig hell wurde ..... Wir brauchten danach jedoch nicht mehr weitermachen....
Schöne, lehrreiche Seiten, ich muß zwischendurch immer wieder lachen, bitte weiter so!! |
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23.12.2011 | carsten |
ja, auch von mir Anerkennung fuer die lustige und ausfuehrliche Beschreibung einer guten Arbeit mit sehr guter Bebilderung!
Was ich eigentlich gesucht hatte war, was tut man, wenn es IM Pott rasselt. Meiner sieht noch sehr gut aus, aber mein Mechaniker hat ihn einfach rausgetrennt und wollte ihn auf seinen Schrotthaufen werfen - von wo ich ihn gerettet habe. In ein paar Jahren brauch ich bestimmt wieder einen fuer einen soliden 22 Jahre alten Diesel.
Kann es uebrigens sein, dass ein kleinerer Topf mit kleinerem Durchmesser lauter ist. mir gefaellt der neue garnicht...
Gruss Carsten |
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