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Anleitung zur Reparatur von Radbremszylindern |
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1. Warum? Top |
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Radbremszylinder, naturgemäß immer am Ende einer Bremsleitung, bilden die Endstation für allen Rotz und Gammel, der sich einem Bremssystem im Laufe der Jahre so ansammelt. Ob es sich um einen wie auch immer gebauten Radbremszylinder einer Trommelbremse oder einen supermodernen Scheibenbremssattel handelt, ist hier zweitrangig. Alle sind einfachwirkende Hydraulikzylinder aus mehr oder weniger korrosionswilligen Materialien. Drückt man sich eine zeitlang über den wenigstens alle zwei Jahre angesagten Wechsel der Bremsflüssigkeit, bildet sich im Radbremszylinder ein feine Lorke. Diese Lorke besteht aus wasserverdünnter Bremsflüssigkeit oder reinem Wasser, das über Schläuche und Dichtungen ins Bremsöl gewandert ist und Rost. Alles zusammen bildet prima Schmirgelpaste. Dieselbe tut ihre diabolische Wirkung schleichend, aber gründlich. |
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2. Darum! Top |
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Entweder geht irgendwann eine Dichtung des Bremszylinders kaputt und Bremsöl tritt aus, oder man wundert sich über schleifende Bremsen, weil die Kraft der Rückstellfeder nicht mehr ausreicht, um den Kolben in die Ausgangslage zurückzudrücken. Manchmal bleiben die Radbremszylinder auch simpel hängen und die Bremswirkung ist einfach gleich Null.
Handelt es sich um ein gängiges Auto oder Motorrad und kostet ein neuer Radbremszylinder nicht die Welt, sollte man über einen kompletten Tausch des Teils nachdenken. Das erspart Arbeit und man ist auf der sicheren Seite. Ist das Teil jedoch von der teuren Sorte oder womöglich schwer erhältlich, kann man eine Überholung des Teils erwägen. Vorangehen sollte in jedem Fall eine Bestandsaufnahme. |
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3. Rostige Röhre Top |
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Dazu den Radbremszylinder ausbauen und zerlegen.
Zerlegen: manchmal leichter gesagt als getan. Hat man es mit einem Modell "Zusammengebackener Rostklumpen" zu tun, das Gebilde über Nacht in Caramba einlegen. Ahnt man eine solche Sauerei und betrifft es nur einen Zylinder, kann man das auch mit Gewalt in eingebautem Zustand tun.
Bremsbacken / Scheibe abbauen, so daß der Kolben quasi ins Leere stößt. Auf die Bremse treten, ggf. Pumpen:
Blortz! Wenigstens ein Kolben sollte jetzt in der darunterstehenden Schüssel liegen.
Hat man das Biest jedoch schon ausgebaut, hilft nach Demontage der Staubschutzmanschetten nur rohe Gewalt, bei der man den Zylinder möglichst wenig beschädigt. Eine ältere Zange nehmen - Kolben sind mitunter hart. Leichte Drehbewegungen beim Rausziehen helfen.
Hat man den Kram auseinander, muß man entscheiden, ob sich eine Überholung lohnt. Dazu losen Rost von Kolben und Zylinderlaufbahn abkratzen. |
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4. Schleifen Top |
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Der Rost hat "Pittings", kleine Löcher ins Material gefressen. Sind die Löcher zu groß, kann selbst eine neue Dichtung bei sonst blanker Zylinderlaufbahn das Ganze nicht mehr dicht kriegen. Ein Fall für den Schrottkübel.
Bevor man das raushat, muß man allerdings schleifen. Mit sehr feinem Schleifleinen, 500er oder 1000er, keinesfalls gröber, setzt man sich in eine ruhige Ecke und geht die Sache an. Die allerletzte Lage naß, also das Leinen zwischendurch im Wasser ausspülen. |
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5. Neue Dichtungen Top |
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Den hier gezeigten Zylinder hat´s nicht so arg erwischt, ein bißchen Kosmetik wirkte schon wunder.
Alle Dichtungen und Manschetten fein saubermachen und genauestens inspizieren. Irgendwas eingerissen oder sonstwie verdächtig abgenutzt? Für die allermeisten Zylinder gibt´s Reparatursätze. Die bestehen aus allen Dichtungen, manchmal sind auch die Kolben dabei. Wenn nicht beim Fahrzeughersteller, so gibt´s das beim Hersteller des Zylinders. Autofirmen verbauen oft in wöchtlichem Wechsel verschiedenste Teile - nichts paßt zueinander. Im Zweifelsfall mit Fahrzeugschein und dem ausgebauten Teil beim Händler auflaufen.
Beim Zusammensetzen alle Teile dünn mit Bremszylinderpaste einstreichen, notfalls Bremsflüssigkeit nehmen. Keinesfalls Schmieröl oder Fett. |
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6. ...wo der Hund das Wasser lässt Top |
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Der Kolben sollte sich jetzt ganz butterweich und ohne irgendwelche Widerstände bewegen lassen.
Bremse zusammensetzen und Trommel/Scheibe wieder einbauen. Bremsanlage befüllen und entlüften. Jetzt mit voller Gewalt aufs Bremspedal latschen. Wenn Bremsen kaputt gehen, dann bei Überlast. Das passiert besser in der Werkstatt als auf der Autobahn.
Ein Weilchen auf der Bremse stehen bleiben. Lässt es ein wenig nach? Na?
Bremse wieder zerlegen und den Zylinder begutachten: hat sich das gute Stück naßgemacht, kann man die Arbeit verfluchen und den Rest des Tages in der Kneipe verbringen. Ein klarer Fall für die Mülltonne. Ist das Ding jedoch trocken wie ein Pamper in seiner Windel: Well done! Eine Probefahrt mit eingestellten Bremsen krönt die erfolgreiche Reparatur. |
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15.11.2002 |
Dieses thema ist hochaktuell bei den immer mehr ausufernden preisen fuer neuteile. das grosse problem ist hier eine bezugsquelle zu finden fuer die reparatursaetze. weder a.t.u noch andere erstzteilhaendler haben das entsprechende angebot!
wer kennt eine gute quelle/web-adresse?
den letzten reparatursatz habe ich vor ca. 5 jahren fuer einen fiesta gekauft und eingebaut. mit sehr gutem erfolg!! |
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23.04.2003 | Bernhard |
Den Zylinder Schmirgelleinen auszuschleifen, halte ich nicht für ideal. Es gibt einfache Hongeräte für Bohrmaschinen (ca. 15), die besser geeignet sind. Leider kenne ich im Augenblick keine Bezugsquelle, Westfalia hatte sowas mal. Wie Sie schon schreiben: Bei einem Allerweltsauto macht die Überholung wenig Sinn, aber wer z.B. einen Oldtimer sein Eigen nennt, wird gerne zu der von Ihnen beschriebene Rettungsaktion geifen.
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16.10.2003 | Juergen |
Ein Tip um die Kolben rauszubekommem ist sie mit Pressluft rauszudrücken zu lassen (falls man einen Kompressor hat:-). Den gängigen Kolben dabei natuerlich z.B. mit einer Schraubzwinge fixieren. Vorsicht, der Kolben der Rauskommt am besten in einen Lappen schiessen, damit er und die beteiligten Personen nicht beschädigt werden. Vorteil ist, dass die Kolben dabei nicht verkannten. |
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29.02.2004 | Gerd |
Ich drücke die Bremskolben immer eingebaut heraus. Bremszange ausbauen, Beläge weg und vorsichtig aufs Bremspedal drücken. 2. Person hält den Kolben, damit er nicht runterfällt. Ausserdem darauf achten, daß Bremsflüssigkeit nicht unter min. geht und man Luft ins System pumpt. |
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01.04.2004 | lotitom |
Ich habe beim FIAT Panda 750 Bj.89 die hinteren Bremsen mit verhärteten Belägen und zwei defekten Radbremszylinder erneuert (als KFZ-Laie). Es war keine Bremskraft mehr da, wobei ich zwar merkte, daß der Wagen bei Nässe über die Vorderräder schob, den Effekt aber auf den Panda an sich zurückgeführt habe (geringes Fahrzeuggewischt, ältere Bereifung).
Um Geld zu sparen, bin ich dann leider Stück für Stück vorgegangen, erst ein Zylinder, dann wg. ungleicher Bremswirkung der Zweite, dann, wg. schwacher Bremswirkung die Beläge selber (Argh!). Insgesamt waren die Bremsen auf jeder Seite dreimal offen. Ich kann nur dringend empfehlen, gleich alle Teile durch Neuteile zu ersetzen! Die Kosten halten sich doch sehr im Rahmen (hier: 26 Euro für beide Zylinder, 26 Euro für 4 Beläge.). Ich weiß nicht, ob die Preise üblicherweise so günstig sind, aber 50 Euro für die komplette Erneuerung der Hinterbremse finde ich recht passabel.
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19.05.2004 | Hauke |
Bei PKW-Radbremszylindern für modernere Fahrzeuge lohnt sich der Aufwand meist nicht, es sind kaum Reparatursätze zu bekommen und der Arbeitsaufwand ist sehr groß.
Anders sieht es aus bei Teilen für ältere Fahrzeuge LKW.
Für meinen Hanomag kostet ein RadbremsZylinder um die 100 ,ein Teilesatz von FAG oder ATE ca 30 .
Ähnlich verhält es sich bei Hauptbremszylindern.
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09.12.2004 | Isettaklaus |
Hallo, habe gerade noch einen Geheimtip für festgebackene
Kolben, geht auch bei ausgebauten Kolben. Kein Sektkorkenplopp(preßluft), kein Bremsflüssigkeitsgesabber,
na, schon gespannt ?
Gaanz einfach, man nehme eine Fettpresse, Mundstück vom Schlauch abschrauben und siehe da, sieht doch aus wie ein Bremsschlauch, paßt auch genauso. Fettpresse baut mehr Druck auf als jedes Bremssystem und die Kolben lassen sich
millimeterweise bequem und ungefährlich lösen. |
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07.08.2005 | Reinhard |
Tolles Forum. Ich werde zwar meine Bremszylinder komplett nachkaufen weil ich nicht genug Zeit zum Frickeln habe , aber die Tipps sind gut.
Danke! JEM |
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16.05.2007 | Rainer |
Gut geschriebener Artikel, so wie alles auf dieser Seite hier....
Inzwischen lohnt sich auch das Überholen eines Radbremszylinders bei einem Allerweltsauto. Beispiel Mercedes Benz 190 2.0D: Radbremszylinder hinten kostet neu 170,00 Euro vor Steuer. Der Reparatursatz für beide Seiten 21,00 Euro vor Steuer! |
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07.02.2008 | Ludger |
Gutes und informatives Forum! Die Frage der Beschaffung von Rep-Sätzen läßt sich beantworten. In Holland ist eine Firma, die sich unter anderem auch mit alten Bremsen beschäftigt, da kriegt man Rep-Sätze für alle möglichen und unmöglichen Bremsen im Oltimerbereich. Die Adresse lautet: www.edsclassic.nl .Ich hab grad für meinen Hanomag F20 neue Dichtungen für die hinteren Zylinder bekommen. Kostenpunkt €37.00(inklusive Mehrwertsteuer) für beide Zylinder anstatt über €200 für Austauschteile von Ate. Der Holländer verschickt die Ware, das Porto kommt noch drauf, knapp €6.00. Das dauert zwar ein paar Tage, aber wenigstens kriegt man was zu erschwinglichen Preisen. |
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22.05.2008 | Didier |
ABER, es gibt auch Negatives zu berichten: Mastercylinder für MG/TD (1953) aus England in "Neu". Hergestellt wahrscheinlich in Indien,alles Andere an Manschetten auch neu, keine Luft im System, trotzdem ist kein dauerhafter Druck vorhanden. Nehme an, daß an der Primärmanschette die Flüssigkeit zurück in den Behälter kommt. Diverse Primär-Gummis eingebaut doch stets der gleiche Effekt. Fahre seit über 40 Jahren mit dem Auto aber das Problem gab es noch nie. Wer hat ähnliche Erfahrung gemacht? |
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24.02.2010 | Mungachris |
Ich bin gerade an den Radbremszylindern meines DKW Munga beschäftigt.
Habe nun mehrmals gelesen, das die Bremszylinder durchaus gehont werden können. Allerdings halte ich den Kreuzschliff für Suboptimal was die Lebensdauer der Manschetten betrifft. Sind ja schliesslich keine Kolbenringe!
Wie stehst Du dazu? Der Kreuzschliff (mit einer Rauhtiefe im my-Bereich) sorgt für einen gleichmäßigen Ölfilm. In diesem Fall für eine gleichmäßige Benetzung der Wandflächen. Halte ich für nicht verkehrt, zumal die Dinger trotzdem dicht sein werden. Bin aber kein Prüf-Ing und warte deshalb auf Kommentar von dieser Seite ;-) JEM |
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