Uuuund: Knack!

Werkbank bauen #3

Uuuund: Knack!

# 224 | 20.02.2017 | JEM

Der nackte Korpus vereint die zeitlose Eleganz eines Stasi-Bunkers mit der Grazie einer Panzersperre vor Stalingrad. Allein: Stabil wird das Ding erst mit Blech.

1Leipziger Zweierlei

Natürlich stellt sich unbändiger Stolz ein, sobald das nackte Stahlgerippe der Volks-Werkbank in der Werkstatt steht. Allerdings ist die Blöße des Korpus auch erschütternd, ja geradezu durchsichtig.
Dem helfen wir in dieser Folge mit einer ordentlichen Blechbeplankung ab, die den späteren Inhalt der Bank dann nicht nur vor neugierigen Blicken schützt, sondern auch Staub und Dreck draußen hält.
 
Wir hatten das im ersten Teil angedeutet: Das Projekt ist so dermaßen dritteweltland-tauglich, dass man in der Mindest-Werkzeugausrüstung mit Flex und Elektrodenschweißgerät hinkommt.
Das soll auch so bleiben - stößt aber bei der Blechbeplankung auf Hindernisse. Einfach deswegen, weil sich Blech und Winkelprofil mit Elektrode nur schwer verschweißen lassen.
 
Aus diesem Grund bekommt die Werkbank ZWEI Beplankungen verpasst.
Eine für den Besitzer des einfachen Schweißtrafos (mit Alublech und Popnieten) und eine für Männer mit Schutzgasgerät; hier gelingen schließlich Schweißpunkte ohne Probleme.

 

2Stahl und Alu

Ob man die Werkbank nun mit Stahlblech, Aluplatten oder Dachblei belegt, ist einerlei. Der Demonstration willen erhält unser Fotomodell auf der Rückseite Stahlblech von 1,25 mm Stärke.
Die beiden kurzen Seiten werden später mit 1mm Alublech verkleidet.
 
Welche Blechqualität man im koreanischen Kunstwerk verbaut, ist prinzipiell einerlei; auch wenn man die Werkbank später gerne als Panzersperre im Häuserkampf verwenden möchte, so tut es simples Tiefziehblech.
Das ist weich, gut verformbar und über den Stahlhandel überall zu bekommen. Da heißt das Zeug dann „Feinblech“ und wird typischerweise geölt und in normierten Formen dargereicht: „Kleinformat“- oder „Normal“-Tafeln sind genau 1x2 Meter groß.
 
Kommen die Maße bekannt vor? Huch! Merkwürdigerweise ganz nah dran am Format der Volkswerkbank....

3Der gerade Schnitt

Auch wenn die Werkbank den Abmaßen einer Normaltafel schon sehr nahe kommt, verlangt das Blech nach Beschnitt - idealerweise so, dass die Beplankung nicht nur den Kasten dichtmacht, sondern auch noch gut aussieht.
Die Tafel kommt also so in der Fläche der Rückseite zu liegen, dass nach außen hin vielleicht ein Zentimeter „Luft“ bleibt.
 
Hat man die Tafel also wibbelnd und wobbelnd durch die Werkstatt bugsiert, wuchtet man das Blech auf den Korpus und richtet aus. Hier zeigt sich unerbittlich jeder Pfusch am Rahmen - das Blech ist nämlich zu 100% rechtwinklig.
Um nun die Rückwand einzupassen, sind zwei Schnitte nötig. Deren Verlauf kann man entweder mit einem Lineal (hat in der Länge niemand liegen) oder einem Abschnitt Winkelprofil anzeichnen.
 
Wer hin und wieder Mäuerchen aufstellt oder in Dachstühlen herumwerkt, hat möglicherweise eine Schlagschnur rumliegen: Das ist eine Baumwollschnur mit Haken am Ende, die sich in ein kreidegefülltes Gehäuse rollen lässt.
Mit sowas markiert der Zimmerknecht meterlange, auf den Millimeter gerade Kanten oder Schnitte - frisch gekreidete Schnur spannen und -pling!- einen Kreideschlag auf dem Balken, der Schalung oder eben dem Blech machen.

4Sägen, Schneiden, Nibbeln

Um die unschuldige Blechtafel anschließend in einer blutigen Orgie zu zerstückeln, kann man Blechschere, Nibbler, Flex, Säge oder Nagelschere auffahren.
Einfach und wirkungsvoll lässt sich das Stahl-Origami mit einer schnöden Stichsäge herstellen. Ein spezielles Bimetallblatt verwandelt damit jedes Boschgrün-Werbegeschenk in eine prima Blechsäge, mit der auch kleine Radien gelingen.
Allerdings sollte sich das Pendeln der Maschine abschalten lassen, weil der Schnitt sonst recht ruppig sein kann.
 
Alors: Angerissenes Blech auf die Rückseite des Korpus legen und eine dicht schließende Schutzbrille aufsetzen. Das „dicht schließend“ ist wichtig, weil die Winzspäne der Stich-Sägerei nicht nur schnell, sondern teils sogar glühend herumfliegen.
Überdies erzeugen Sägeblatt und Blechtafel einen erstaunlich hohen Lärmpegel, so dass auch ein anständiger Gehörschutz nicht schadet.
 
Muss erwähnt werden, dass das frisch gesägte Blech scharfkantig ist? Die fertigen Sägeschnitte mit Feile oder Handentgrater entgraten und das fertige Blech in seine Position auf dem Korpus bringen.
Jetzt noch die Lage aller Streben auf das Blech übertragen; auf ihnen liegen später ebenfalls Schweißpunkte oder eben Popniet-Bohrungen.
 
Um das hier beschriebene Tiefziehblech aufs Gerippe zu zwingen, eignen sich Bohrungen mit einem Durchmesser von 8 oder 10mm bei einem Bohrungsabstand von 100 bis 150 mm.
Am Rand lassen sich diese Bohrungen elegant mit einer Schweißlochzange applizieren, in der Mitte geht das bloß mit einem Bohrer. Die Bohrungen anschließen sauber entgraten, damit die Rückwand wirklich plan auf dem Korpus aufliegt.

5Rückwand einschweißen

Damit sich das Blech der Rückwand keine Wellen schlägt, verschweißt man es von innen nach außen, das heißt: Rückwand ausrichten und in der Mitte der Mittelstrebe anfangen und sternförmig zu den Kanten hin vorarbeiten.
 
Der Schweißpunkt selbst darf ein ordentlicher Klecks sein; bessere Schweißgeräte haben oft ein Punktschweißprogramm, bei dem man Zeit und Stromstärke vorwählen kann.
 
Auf diese Weise sehen -braaaaaap!- alle Schweißpunkte anschließend gleich hübsch aus. Nach dem Abkühlen werden die schön überwölbten Punkte plangeflext.
Weil sie im späteren Leben keinerlei Belastung ausgesetzt sind, ist das durchaus erlaubt und erfreut das Auge.
Ebenso wie die großflächige Bearbeitung des Blechs mit der Fächerscheibe; ärgerlicherweise hatte sich diese Tafel die Wartezeit in der Autoschrauber.de-Scheune mit Korrosion vertrieben.

6Popkameraden

Wer die Volks-Werkbank auf die harte Tour mit Elektroden zusammenbrät, muss bei der Befestigung der Bleche zur Popnietzange greifen oder die Bleche festschrauben.
Unsere Seitenteile erhalten die formschöne Blech-Beplankung mit Aluminiumblech. Das lässt sich im Gegensatz zu Stahlblech kinderleicht bohren und schneiden, so dass die Stichsäge jetzt im Koffer bleiben kann.
Alublech auf Maß schneiden, auf dem Korpus ausrichten und schon mal die Popnietzange entsichern.
 
Richtig gemacht, stellt Popnieten (oder: „Blindnieten“) dabei keineswegs verachtenswerten Halbpfusch dar, sondern ein ernstzunehmendes Fügeverfahren.
Dabei wird der Niet durch Zug an seinem Zugstift so verformt, dass er zwei Bauteile bombenfest verbindet. Die Nieten selbst gibt´s in zig Längen, Dicken und Materialien.
Wichtig ist bei der Popnieterei die Kombination der Materialien: Kloppt man zwei Stahlbleche mit einem Aluniet zusammen, korrodiert getreu der elektrochemischen Spannungsreihe zuerst der Niet und hinterlässt zwei perforierte Stahlbleche und ein bisschen Aluminiumoxyd.
Im Fall unserer Werkbank ist diese an sich problematische Werkstoff-Paarung (und das Material der Popnieten) zu vernachlässigen, weil die Bank später wunderbar angepinselt und auch ewig im Trockenen steht.
 
Extra-Vorteil der Blindnieterei ist die Tatsache, das mangels Schweißwärme auch kein Hitzeverzug entsteht und man die Reihenfolge der Niete deswegen nach Belieben festlegen kann.
Der Einfachheit halber richtet man das Blech einfach in der Fläche aus, poppt zwei Ecken fest und bohrt dann die übrigen Seiten.

7Werkbank-Türen

Da unser Konstrukt drittweltland-tauglich sein soll, scheiden Falze, Sicken und umgeschlagene Ecken bei den Türen aus. Um keine Gardinen vor die Bank hängen zu müssen, bleibt für die Tür also nur blankes, glattes Blech.
Das säbelt man wie schon bei der Rückwand aus der Tafel und passt es dergestalt in die beiden Front-Fächer ein, dass beide Türen sowohl gut aussehen, als auch hinreichend abschließen.
Um Hosenbeine und Flossen zu schonen, erhalten alle Blech-Ecken einen Radius - mit einer Nuss anreißen und ebenfalls sägen oder in Form feilen.
 
Als Scharniere kommen hier simple Schweißscharniere zum Einsatz, das sind im Prinzip zwei eingerollte Bleche, die mit einem Stift zusammengesteckt werden.
Sowas hat jede bessere Eisenwaren-Bude auf Lager, im Zweifel hilft die Elektrobucht.
 
Damit sich die Türchen später ohne Knarzen und wie geschmiert öffnen und schließen lassen, müssen die Scharniere allerdings zwingend
1. fluchten und
2. einen gewissen Abstand vom Korpus haben.

8Scharniere einschweißen

Das mit dem Fluchten versteht sich von selbst - wenn die Scharniere nicht 100% fluchten, geht die Tür im schlimmsten Fall nicht auf oder verwindet sich beim Öffnen.
 
Nachdem sie ihren genauen Platz gefunden haben (z.B. 50mm von der oberen / unteren Kante der Tür), beide Scharniere mit einem dünnen Rohr anstatt der Scharnierbolzen sauber ausrichten und anzeichnen.
Den unteren, am Korpus befestigten Teil mit z.B. zwei Unterlegscheiben unterfüttern. Ohne einen kleinen Abstand würde das Türblech ansonsten direkt auf dem Korpus schrappen.
Damit der Schweißverzug die Tür nicht windschief zieht, werden Türblech und Scharnier nur mit drei Punkten verbunden: Von hinten durchbohren und dann schweißen. Schließt die Tür bei aufgerichteter Werkbank sauber? Prima! Wenn nicht, bleiben ärgerlicherweise nur wenig Möglichkeiten zur Korrektur.
 
Mit eingesetzten Scharnierbolzen schließt die Tür jetzt vielleicht ganz ausgezeichnet, präsentiert sich aber immer noch ausgesprochene wabbelig.
Wegen unserer Kantbank- und Sickenmaschinen-Abstinenz bleibt deswegen nur das Recycling von Winkelprofil-Resten: Zwei Stück auf der Rückseite einpassen und festpunkten. Keine Raupen schweißen - nur punkten, weil Schweißverzug das Türblech ansonsten unwiderbringlich verbeult und verbiegt.
Obacht: Bei der rechten Tür unbedingt die Lage des Zwischenbodens berücksichtigen.

9Griffe und Magnetschnäpper

Als Griff oder Knauf bedient man sich in der Geheim-Schublade des benachbarten Tischlers oder sägt noch ein Häppchen Winkelprofil ab. So ein Rest von vielleicht 10mm Breite gewinnt zwar keinen Red Dot Design-Award, ist aber praktisch und kostet nichts.
Sollen die Türen wenigstens etwas Widerstand gegen diebische Elstern bieten, so kann man die beiden Griffe aus 50er Winkelprofil bauen - und gegeneinander drehen. Mit einer Bohrung versehen, dienen sie dann als Widerlager für ein Vorhängeschloss.
Das richtet zwar nix gegen einen ernsthaften Aufbruchversuch aus, wirkt aber gegen allzu klebrige Pfoten.
 
Letzte Tat in Sachen Tür ist der Verschluss. Dank chinesischer Hochleistungsmagnete lässt sich ein formidabler Magnetschnäpper mit der Bohrmaschine und ein paar Tropfen Sekundenkleber selbst bauen.
Für eine mehr als ausreichende Schließkraft reichen dabei 3 Neodym-Magnete von 8mm Durchmesser auf der gesamten Länge gut aus.
Wer es noch kräftiger mag, erhöht die Anzahl oder wählt die Sorte "Monstermagnet" und kann dann mit der Werkbank auch EC-Karten oder Festplatten löschen. Wie praktisch, wenn mal wieder die NSA auf der Matte steht!
 
Wie unsere Werkstatthelferin T. Janoschka die Schubladen fachgerecht zusammenbaut, zeigt die kommende Folge. Junge Damen, bitte nicht wieder anziehen.