Arbeitsplatz nach Maß

Werkstatt + Werkbank #1

Arbeitsplatz nach Maß

# 217 | 07.11.2016 | JEM

Es gibt Leute, die schrauben bei Baustrahler-Licht auf dem Camping-Klapptisch. Schön ist was anderes. Z.B. die Autoschrauber.de-Volkswerkbank.

1Die Volkswerkbank

"Arbeitsplatz nach Maß" hört sich gut an, oder? Auch wenn ich mal ´ne Kantinenmamsell kannte, die auf der Volkswerft in Wismar als Dreherin malochte, so lautet der Titel eben so - und nicht "Die Volkswerkbank". Naja. Tach auch, Anita, übrigens.
 
Diese Artikelreihe lief vor Jahren mal in der honorigen Alteisen-Schrauberpostille "Traktor Classic". Sinn hinter der Reihe war der "perfekte Schrauberkobel", wozu auch ein weiterer Artikel mit Betonboden gießen und Fermacell-Wände ziehen gehörte.
 
Diese Bau-Grundlagen sind jetzt nicht dabei; wohl aber der ganze Einrichtungs-Krempel sowie der Bau einer wirklich stabilen Werkbank. Sowas gibt es für normales Geld kaum zu erstehen, ist aber für vernünftige Arbeit absolut grundlegend.
Die kommenden Folgen teilen sich also jeweils in einen Teil "Werkstatt-Einrichtung" und einen Teil "Werkbank bauen".
 
Wir wünschen viel Vergnügen!

2Licht in der Werkstatt

Stabile Wände, eine feste Decke und panzerfester Boden sind nutzlos, wenn das gute Licht zum Schrauben fehlt. Die "Lichtplanung" gehört deshalb zwingend mit zum Konzept der heimischen Werkstatt und muss fertig sein, bevor man Leuchten und Latüchten an die Wand nagelt.
 
Und obwohl zum Thema "gutes Licht" eigentlich seit Werner von Siemens alles gesagt und getan ist, gibt es immer noch unglaublich viel schlechtes Licht auf dem Markt. Das schlechteste Licht (neben absoluter Dunkelheit) ist dabei der gute alte Baustrahler.
 
Diese Dinger werden immer noch wie Rockefellers Petroleumlampen unter die Leute gejubelt und hauen einen dicken Lichtknüppel gegen die Wand, sobald man den Stecker in die Dose schiebt.
 
Dabei schlucken solche Quarzröhren nicht nur Unmengen von Strom, gehen ständig kaputt und taugen vorzüglich als Brandquelle, sondern werfen neben ihrem schmalen Lichtbalken vor allem eines: Schatten.
 
Dass Baustrahler inzwischen mit LED befeuert werden, macht die Sache nur im Hinblick auf die Brandgefahr besser - in puncto Schatten ist und bleibt diese Form von Licht nicht nur grauenvoll, sondern vor allem gefährlich.

3Und wo stellen wir die Schatten hin?

Die nebenstehenden Bilder zeigen zwei Baustrahler mit zusammen 1.000 Watt im Vergleich zur üppig dimensionierten Neon-Beleuchtung von 4 x 58 = knapp 240 Watt. Unterschied zu sehen?
 
Für ermüdungsfreies Arbeit muss die Bude gleichmäßig, hell und blendfrei ausgeleuchtet sein. Die Forderung nach "blendfrei" schaltet damit nicht nur die Strahler aus, sondern zwingt alle Lampen auch geographisch gesehen automatisch an die Decke - genau hier bieten sich Leuchtstoffröhren an.
Grundsätzlich geben die ein gutes Licht, selbst wenn es hier solche und solche gibt. Die Unterschiede bestehen sowohl in der Röhre selbst (Farbtemperatur), im Lampenhalter, der Lichtformung und in der schlichten Anzahl.
 
Die "Farbtemperatur" heißt auf den Röhren "cool white" oder "warm white" und nennt den Farbton des betriebswarmen Leuchtkörpers. Warmes Licht: gelblich, gemütlich; kaltes Licht: Favorit der Refa-Männer und Arbeitspsychologen.
Wer sich nicht eintscheiden kann, mischt einfach abwechselnd warm und kalt innerhalb des Lichtbandes.
 
Die Anzahl sollte generell üppig sein; für einen Raum von 50 m² und 3,5 Meter Deckenhöhe sind 10 Leuchtstoffröhren mit Prismenabdeckung keineswegs zuviel.

4Prismen- oder Rasterspiegel

Weil die gezeigten Prismenabdeckung das Licht wunderbar in den Raum streut, ist sie unbrauchbar, wenn man den Kawasaki-Zylinderkopf auf die Werkbank gewuchtet hat, um seinen Kipphebeln auf die Tentakeln zu schauen.
 
Werkbank und feine Teile verlangen nach viel und vor allem blendfreien Licht. Das liefern "Rasterspiegelleuchten", am besten mit polierten Parabolrastern: Keine Blendung, minimale Verluste. Hier wird das Licht fast wie beim Zahnarzt auf den Patienten gestrahlt - 58 Watt reichen für eine ausgewachsene Werkbank von 2 Metern völlig.
 
Dabei sind die eigentlichen Lichtquellen (siehe Kasten) fast nur die halbe Miete. Ebenso wichtig sind richtig weiße Wände und eine weiße Decke.
Ein paar Eimer Wandfarbe zeitigen hier fast denselben Effekt wie ein halbes Dutzend Leuchtstoffröhren. Bei eingeräucherten Schrauberbuden oder Scheunen wirkt ein Nachmittag mit Alpina und Lammfellrolle dann ungefähr soviel Wunder wie Fensterputzen im Frühjahr oder ein neuer Reflektor im Hella-6-Volt-Scheinwerfer.

5Ein Dutzend Dosen

Weil alle Quellen der Erleuchtung mit Netzspannung betrieben werden, gilt für den Schrauber auch hier: Netzspannung ist ebenso harmlos wie Schweißarbeiten an einem halbvollen Spritfass.
 
Oder einer vollen Propanflasche. Oder das Arbeiten unter einer mit wackligen Wagenhebern angehobenen M-Klasse. Kurz: 230 oder 400 Volt töten effektiv, umweltfreundlich und ohne langes Leiden.
Deshalb sind Fachwissen und Erfahrung Pflicht, wenn man Lichtband, Schalter und Verteilung selber anklemmt. Elektriker im Bekanntenkreis? Allerbestens! Dann kann der Schrauber alle Strippen selber ziehen und in die Dosen fädeln.
Anschließend den Profi zum Kaffee einladen und die Leitungen nach dem ausführlichen E-Check anklemmen lassen.
 
Genau wie Leuchten und Licht sollte auch die Anzahl der Steckdosen immer üppig ausfallen, um beim Endspiel der Porsche-Restaurierung nicht mit einem stolper- und brandgefährlichen Dreifachstecker-Salat am Boden kämpfen zu müssen.
Es klingt altväterlich: Steckdosen kann man nie genug haben. Die sollten zudem in verschiedenen Gruppen abgesichert sein, sodass nicht die ganze Halle im Dunkeln liegt, wenn man versehentlich ins Kabel sägt.

6Werkbank bauen

Sobald die Deckenbeleuchtung den Schrauber-Kobel taghell illuminiert und die Steckdosen vor Freude knistern, kann es mit der Schrauberei losgehen: Raus mit dem X6-Lenkgetriebe, runter mit dem C1-Zylinderkopf, her mit dem sabbernden Corsa-Kühler.
Einziger Wermutstropfen: WOHIN mit Kühler, Getriebeteilen oder den Kopf-Komponenten? Auf den wackligen Campingtisch? In Kisten und Kästen? Man ahnt es - die Werkstatt braucht auch eine Werkbank, am besten zwei oder drei.
Und weil diese Werkbänke nur selten günstig und gut zu kriegen sind, beginnt mit dieser Folge die komplette Bauanleitung der Autoschrauber.de - Volks-Werkbank für schwere Teile.
 
Diese Werkbank lässt sich mit einfachsten Mitteln auf dem Fußboden herstellen, ist leicht genug, um von einem Mann (und Sackkarre) bewegt zu werden und passt mit ihrem Korpus-Maß von exakt 2 Metern auf die allermeisten Klaufix-Einachs-PKW-Anhänger, um sie bei Bedarf an die Enkel zu vererben.
 
Ihre Konstruktion basiert auf Winkelprofilen, Blech, Multiplexplatten und einer Handvoll Kleinteile; selbst in der Deluxe-Version kommt dieser Bausatz auf nur kaum über 400 Euro.
Als routinierter Schrauber mit etwas Erfahrung im E-Hand-Schweißen bekommt man sie in etwa 100 Stunden zusammen - beim Bau von zwei oder drei Bänken geht die Arbeit naturgemäß deutlich schneller.
 
Natürlich ist die gezeigte Werkbank nur ein Vorschlag, der nach Belieben variiert werden kann und prima als Basis für eigene Konstruktionen dienen kann.

7Gerippe aus Winkelprofil

Weil die Werkbank vor allem stabil sein soll, besteht ihr "Gerippe" aus Winkelprofilen mit einer Stärke von 4 mm.
Das ist unschlagbar knicksteif und tornadosicher, muss aber mit einer ganz anständigen Stromstärke verschweißt werden, um auch wirklich zu halten. Ein Hongkong-Schweißtrafo aus dem Baumarkt reicht dafür prinzipiell aus, allerdings ist der Werkbank-Bau damit so erbaulich wie 4 Stunden Stau am Kamener Kreuz.
Bessere Wahl ist deswegen Opas Trafo "Panzerkreuzer Potemkin".
 
Wer Zweifel an seinem Schweißgerät hat, schweißt ein paar Probestücke und flext sie anschließend in der Naht auseinander, um zu sehen, ob´s hält. Beste Wahl ist ein Schutzgasgerät, das idealerweise runde 200 Ampere ausspuckt.
Weil sich Blech mit Elektrode nur sehr schlecht schweißen lässt, verfügt die Bauanleitung über eine Variante mit Alubeplankung, die sich elegant Popnieten lässt.
 
Den Winkelstahl selbst bekommt man von beinahe jedem Baustoff- oder Eisenwarenhändler mit dem LKW geliefert; logischerweise halbiert sich der Kostenanteil der Lieferpauschale, wenn man gleich zwei Bänke baut.
Alternativ kann man das Zeug auch abholen (nachdem man die Lagerlänge von 6m vor Ort zersägt hat) oder sich den gesamten Stahl fertig zugeschnitten bringen lassen.

Viele Stahlhändler bieten so einen Zuschnittsdienst, lassen sich das jedoch gut bezahlen.
Vorteil ist die enorme Arbeitsersparnis, Nachteil die Tatsache, dass alles 100%ig gelingen muss - bei einem verkehrt eingeschweißten Teil fehlen nach dem Raustrennen wertvolle Millimeter und werfen die gesamte Konstruktion über den Haufen.

 

8Flex und Kaltkreissäge

Neben dem Trafo, einem ebenen Fußboden und ausreichend Licht und Strom braucht man deshalb nur einen Winkelschleifer nebst Trennständer, um den Stahl für das Gerippe zuzuschneiden.
Solche Trennständer gibt es für kleine Winkelschleifer (meist eher die Billigklasse) und für den ausgewachsenen 2.500 Watt-Boliden mit 300 mm-Scheiben. Hier taugt meist auch der Schraubstock etwas mehr und ermöglicht Gehrungsschnitte.
 
Die Schubladen sind mit solchen 45°-Schnitten konstruiert, lassen sich jedoch auch ohne herstellen, wenn der Trennständer keine Winkelschnitte kann.
Um angeschnittene Längen vollständig zu verwerten, bestehen einige Bauteile aus Resten der 6m-Längen - einige Teile sind deswegen nicht bemaßt und "ergeben sich".
Aus diesem Grund sind auch die laufenden Meter der kleinen Winkelprofile etwas reichlich bemessen. Wer sich nicht ganz sicher ist, bestellt einfach noch eine Länge mehr und kann sich dann auch den einen oder anderen Schnitzer erlauben.
 
Ideal, wenn eine Kaltkreissäge zur Verfügung steht: So ein Teil gehört zur Grundausstattung jeder Schlosserei und schneidet nicht nur präzise, sondern auch auf Anschlag.
Damit lassen sich in kürzester Zeit massenhaft Winkelprofile in einschweißfertige Bauteile verwandeln. Mubea-Stanze in Reichweite?
Noch besser - so ein Teil trennt zumindest die kleinen Profile mit einem trockenen "Klonk!" und macht den Zuschnitt zum Kinderspiel.
 
Trotzdem: es geht auch mit der Flex.

9Genau gesägt

Auch wenn die Konstruktion insgesamt recht "unempfindlich" ist und eine Menge Fehler verzeiht, lohnt sich Genauigkeit von Anfang an.
Und dieser Anfang beginnt beim Material: Sind die Winkelprofile gerade? Stimmen die Längen der Zuschnitte wirklich bis auf den Millimeter?
Die Zeichnungen und Listen der kommenden Folge sind nicht normgerecht und verzichten bewusst auf Toleranzen oder Grenzmaße. Weil die ISO 2768-1 für Schweißkonstruktionen bei fast allen Längen des Korpus satte +/- 2 mm erlauben würde, lautet die Parole "so genau wie möglich", einfach deshalb, weil sich alle Fehler zum Ende der Arbeit hin gemeingefährlich addieren.
 
Aus diesem Grund sollte auch Vaddis Zollstock da bleiben, wo er ist - bei aller Schlosserarbeit haben Stahlmaßbänder oder Stahllineale Vorfahrt.
Maßbänder haben obendrein den Vorteil, dass man ihre Nase am Ende des Bandes hinter die Kante des frisch gesägten Abschnitts hängen kann und sowohl elegant als auch genau misst.
Bevor es im kommenden Heft mit dem Korpus losgeht, lohnt es also durchaus, schon mal aufzuräumen und die Werkzeuge bereitzulegen.
 
Die folgende Folge zeigt, wie man den Korpus fachgerecht und wirklich männlich zusammenleimt. Jungen Damen, bitte dranbleiben.