Klick, Klick, Krrrrrr!

Auto springt nicht an?

Klick, Klick, Krrrrrr!

# 210 | 19.09.2016 | SIB

Wenn die Karre morgens nur noch mit Ach und Krach startet, gibt es einen Hauptverdächtigen: den Anlasser.

1Anlasser kaputt?

Die Diagnose „Auto springt nicht an“ ist zugegebenermaßen eher simpel und auch von schlichten Gemütern zu stellen. Woran die Mühle nun aber krankt, ist nicht so einfach; prinzipiell kann man ab hier drei verschiedene Fährten verfolgen:
 
Starter tut gar nichts mehr
Der Klassiker. Morgens ins Auto gesprungen, Schlüssel umgedreht, nichts passiert. Gar nichts. Der Tannenbaum im Armaturenbrett mit voller Leistung.
Wenn die Sicherungen im Sicherungskasten überprüft wurden, gilt der Magnetschalter ab sofort als Hauptverdächtiger. Er schaltet die Leistung auf den E-Motor und kuppelt diesen ins Schwungrad ein. Abhilfe: Starter ausbauen, Magnetschalter nachsehen.
 
Dreht noch, aber kaum Startleistung
Bringt der Anlasser die Kurbelwelle trotz frischer oder frisch geladener Batterie nur noch mit Mühe und Not auf Touren, liegt der Verdacht nahe, dass der eigentliche Motor reif für eine Revision ist: Starter ausbauen, zerlegen.

Dreht leer, kracht, lässt sich nur mit Klopfen oder wiederholtem Einschalten zum Starten motivieren
Hier funktionieren die Kupplung oder der Freilauf nicht mehr. Die Suche beginnt beim Magnetschalter, der Freilauf sollte ebenfalls überprüft werden.
Ritzel des Anlassers oder Zahnkranz in der Kupplungsglocke können hinüber sein (selten).

2Magnetschalter überprüfen

Ein tadelloser Anlasser zieht bei knackvoller Batterie und dickem Mehrbereichsöl in dunkler Winternacht gerne 500 Ampere oder mehr.
Diese Leistung verlangt nicht nur nach bleistiftdicken Kabeln, sondern auch entsprechenden Schaltern und Schaltkontakten. Bei unserem Starter ist dieser Schalter ist nicht viel mehr als ein simpler Elektromagnet, der einen Stahlkolben anzieht.
Auf dessen Unterseite sitzt eine Kupferplatte, die die Verbindung zwischen Plus und dem Startermotor herstellt: Ignition!
 
Die drei lebenswichtigen Anschlüsse des Starters finden sich auf dem Magnetschalter. Anschluss Nummer eins ist der große Gewindestift mit der kleinen „30“: Dauerplus.
Diese Klemme ist so üppig dimensioniert, weil sie den Starter mit Strom versorgt. Klemme 30 ist direkt und ohne Sicherung mit der Fahrzeugbatterie verbunden. Links daneben sitzt Anschluss Nummer zwei, der Ausgang des großen Magnetschalters.
Er ist mittels eines Kupfergeflechtkabels mit dem eigentlichen E-Motor verbunden. Sobald die Spule angezogen hat, liegt auf dieser Klemme ebenfalls Spannung - der E-Motor bekommt Strom und dreht.
 
Anschluss Nummer drei ist der kleinere Gewindestift mit der Klemmenbezeichnung 50. Hat oft noch zusätzliche Kabelschuhe.
Das ist die Impulsleitung; sie führt Strom, wenn der Anlasser anlassen soll. Liegt hier Plus an, kriegt die Spule des Magnetschalters Strom: Klack, Spule zieht den Kolben, Kontakt schließt, Motor dreht.

3Eingebauten Anlasser testen

Bevor man den Orgelknecht aus der Hütte rausoperiert, lohnt sich ein kurze Messung bei eingebautem Starter: Möglicherweise kriegt das gute Stück gar keinen Saft oder keinen Impuls. Bei „keinem Saft“ liegt kein Dauerplus an Klemme 30. Ursache dafür suchen.
 
Liegt hier Plus, kann sich die Verschraubung der Klemme gelockert haben. Dann liegt da zwar Spannung - jedoch nur im Ruhezustand. Klemme nachziehen und den messen, ob am Gewindestift Spannung anliegt. Zündschlüssel drehen und messen, ob die Spannung zusammenbricht.
Tut sie das (auf weniger als 8 Volt), liegt die Ursache an einer maroden Verbindung zwischen Batterie und Klemme 30. Oder an einem Massefehler des gesamten Motorblocks.
 
Passiert beim Dreh am Zündschlüssel gar nix, die Spannung an Klemme 50 überprüfen. Hier muss beim Dreh am Schlüssel Spannung anliegen. Tut es das nicht, lautet die Diagnose „Kein Impuls“.
Gegenprobe: Gang rausnehmen, Handbremse ziehen und Klemmen 30 und 50 überbrücken: Die Spule (Klemme 50) bekommt damit Strom über Klemme 30. Magnetschalter muss anziehen.
 
Versucht der Anlasser zu drehen und bricht die Spannung an der Batterie auf unter 8 Volt ein, ist der Bleiklotz schuld. Den Akku überbrücken, austauschen oder reparieren.

4Magnetschalter hinüber?

Wenn die Spule des Magnetschalters anzieht, aber nicht schaltet, so macht es zwar vernehmlich „Klack!“ - am Ausgang (der Kupferlitze, die rüber zum E-Motor geht), liegt aber keine Spannung an. Oder nicht genug davon.
Damit der Anlasser den V6-Biturbo wie einst im Mai durchwirbelt, sollte das Multimeter hier mindestens 8 Volt anzeigen.
 
Wenn es das nicht tut: Anlasser ausbauen und den Magnetschalter austauschen oder reparieren.

5Anlasser-Motor malad

Anlassermotoren sind üblicherweise für eine halbe Ewigkeit gebaut. Allerdings nur solange die Kohlen in Ordnung sind und die Wicklungen mit Strom versorgen.
Die „Kohlen“ sind in diesem Fall tatsächlich Graphitstifte, die auf dem Kollektor des Gleichstrommotors laufen. Logisch, dass diese Stifte im Berliner Taxibetrieb mit Dauer-Start-Stopp schneller zusammenschmelzen als bei Oma Rüstigs ollem Corsa, der ein Mal pro Monat für die Tour zum Fußpfleger angeworfen wird.
 
Die genaue Diagnose „E-Motor hinüber“ lässt sich erst stellen, wenn man das Ding ausgebaut und auf der Werkbank zerlegt hat.

6Anlasser ausbauen

Anlasser werden in zwei typischen Bauformen gebacken: Entweder „Frei ausstechend“ oder mit einer kleinen Glocke, in der das freie Ende der Anlasserwelle noch einmal gelagert ist.
Beide sind typischerweise in oder an der Kupplungsglocke des Getriebes montiert und lassen sich aus dem geliebten KFZ hieven, sobald man zwei oder drei mehr oder weniger lange Schrauben rausgedreht hat.
Möglicherweise hat der Herr Konstrukteur diese Schrauben auch als Motoraufhängung benutzt: Motor abstützen.
 
Weil der Anlasser je nach Variante gerne mehr als 500 Ampere Kurzschlussstrom ziehen kann, hockt zwischen ihm und der Starterbatterie KEINE Sicherung.
Die Strippe an Klemme 30 fungiert also quasi als echter Batterie-Pluspol und eignet sich prima, das eigene Auto in Brand zu setzen oder wenigstens einen formidablen Goldregen im Schummerlicht der Schrauberhöhle zu erzeugen.
 
Vor jeder Arbeit an dieser Klemme deshalb IMMER die Batterie abklemmen - erst dann irgendwelche Schrauben am Anlasser lösen.

 
Unser folgender Artikel zeigt im Detail, wie man kaputte Anlasser repariert.