Scherenschnitt auf eigene Faust

Dichtung selbst machen

Scherenschnitt auf eigene Faust

# 203 | 27.05.2016 | VHE

Getriebe zerlegt und die Papierdichtung vergessen? Ärgerlich! In diesem Fall können Schere, Kugellager und Papier weiterhelfen.

1Update 2016

"Dichtungen selbst machen" .. war einer der wirklich allerersten autoschrauber.de-Artikel; er stammt vom geschätzten Kollegen VHE und entstand an einem heißen Sommerwochenende 2001.
Leider sind die Originalbilder aus nacktem Speichermangel futsch - was solls!
 
Trotz der angestaubten Optik der Fotos und jugendlichen Frische der Darsteller braucht man solche Dichtungen tatsächlich hin und wieder. Und zwei Rollen Abil oben auf dem Regal fressen schlicht kein Brot.
 
Und ja: Die Löcher lassen sich natürlich auch mit Locheisen herstellen....!

2Immer wieder Sonntags...

Das Gehäuse ist getrennt, Zahnräder und Kurbelwellen liegen vor einem, man hat an alle Ersatzteile gedacht, bis auf eines: eine neue Papierdichtung!
 
Weia - natürlich ist Sonntag Nachmittag, und in spätestens 15 Stunden muß einen der fahrbare Untersatz wieder zur Frühschicht befördern!
Leider ist das alte Papier nicht mal mehr das Geld wert, auf dem es gedruckt wurde (?!) und guter Rat ist, wie immer, teuer - oder?

3Schmuddelige Pappe

Wie gut, wenn man nach langer Suche doch noch irgendwo ein versifftes Restchen Dichtungspapier von Anno dazumal unter der Werkbank findet.
Dichtungspapier gibt z.B. von Abil. In verschiedenen Stärken. Ein guter Teilehändler hat was da oder kanns wenigstens bestellen.
 
Dünnen Karton kann man auch mal ausprobieren, als Provisorium geht das immer.
Schnell noch ein altes Kugellager und ein neues Teppichmesser zusammengetragen und schon rückt die unvermeidliche Abmahnung des Schichtmeisters wieder in unerreichbare Ferne!

4Alles muss ab!

Damit der TÜV sich später nicht über einen ölverschleierten Motor mokieren kann, muß man die Dichtflächen schon sehr gut säubern.
Am besten man schiebt den alten Gammel vorsichtig mit einem Schaber ab, ein flach gehaltenes Teppichmesser tut's auch. Dabei möglichst Macken in der Auflagefläche verhindern.
 
Falls die Uralt-Dichtung schon mit dem Leichtmetallgehäuse eine Einheit bildet, Dichtungsentferner benutzen, oder dünnes Öl bzw. Kriechöl drauf, und erst mal einen starken Kaffee aufsetzen.
Ist der getrunken, geht's meist leichter. So oder So. Alles, was dabei ins Gehäuse fällt, wieder rausfischen!

5Kartoffeldruck

Was jetzt kommt, kennt jeder aus dem Kindergarten: Man schmiert die Dichtfläche einer Gehäusehälfte mit dem Rest Altöl aus eben jenem Gehäuse ein und stempelt sie kräftig auf das Dichtungspapier.
 
Je schwärzer das Öl, umso besser! Der feine Mann kann natürlich auch schwarze Schuhcreme oder Stempelfarbe benützen.
Wenn´s gar nicht stempelt, lässt sich die Kontur auch mit nem Kuli abmalen.

6Dichtung schnippeln

Sodann alles, was nicht schwarz ist, wegschneiden, bis auf die Schraubenlöcher.
Das geht gut mit Nagelscheren oder sonstigen kleinen Schneidwerkzeugen, wie dem eh schon eingesauten Teppichmesser (gibt's für einsfuffzich neu im Baumarkt, hier reicht ausnahmsweise mal die Plastikware).

7Gib Dir die Kugel!

...und zwar aus einem alten Kugellager, das man mittels eines Schraubenziehers und einiger roher Gewalt seines Distanzringes beraubt, anschließend rollert man die Kugeln alle auf eine Seite und drückt den inneren Laufring sachte raus.
 
Wem das zu umständlich ist, der kann natürlich auch Omas Perlenkette um ein, zwei Perlmuttrundlinge verkleinern, in allergrößter Not geht auch eine Glasmurmel aus den Schatzkammern der lieben Kleinen, aber das kostet Tränen.
 
Vorzugsweise nimmt man Kugeln, die etwas größer sind, als die Schraubenlöcher. Diese Kugeln locht man nun der Reihe nach an vorgesehener Stelle ein, und zwar mit mäßigem Hammerschlag.
Man erzeugt so lustig Dichtungs-konfetti und steckt in mindestens drei der neuen Löcher eine Schraube zur Fixierung.
 
Anschließend das Meisterstück noch auf zu viel Überstand innen überprüfen, und schon hält man seiner eigen Hände Werk ins funzelige Werkstattlicht.
Und weil das Selfmade-Ersatzteil schon so schön eingefettet ist, bleibt's beim nächsten Mal bestimmt nicht mehr so häßlich kleben!