Not without my Bremsbelag!

Bremse HONDA reparieren

Not without my Bremsbelag!

# 183 | 23.02.2016 | JEM

Die Vorderradbremse der kompakten Honda ist prototypisch für viele Scheibenbremsen an anderen Motorrädern: Irgendwann sind die Beläge reif für einen Wechsel.

1Bremse kaputt?

Ist man sich nicht ganz sicher, dass die Bremsen so einer Honda (oder eines vergleichbaren anderen Krades) astrein und taufrisch sind, sollte man an Revision oder Reparatur denken.
 
Um den Zustand der Beläge zu überprüfen, stellt man das Motorrad auf den Hauptständer und geht in die Knie: Mit Taschenlampe und messerscharfem Blick kann man jetzt die Belagstärke der Bremsklötze erkennen.
 
Gibt das irgendwie Anlass zum Zweifel, unbedingt und immer neue Beläge kaufen. Nicht irgendwas vom Schrotti oder aus der frisch geschlachteten Schwestermaschine: Neu kaufen. Alte Beläge können, weil geklebt, durchaus unterrostet sein oder hartgeworden oder verölt, oder, oder, oder.
 
Es lohnt nicht, an dieser Ecke zu sparen. Beim Neukauf muss man allerdings nicht zwangsläufig zum Vertragshändler rennen und damit dem Zinken von old Honda senior eine weitere Blattgoldschicht hinzufügen; der Zubehöronkel hat Nachbauteile, die die Hälfte kosten und genau dasselbe leisten.
Bei dieser Gelegenheit noch eine Kanne Bremsflüssigkeit mit über die Scannerkasse ziehen lassen und schon mal das Werkzeug vorwärmen.

2Bock aufbocken

Maschine auf den Hauptständer stellen, so dass das Vorderrad freikommt und genug Platz ist, um daran herumzuhampeln.
Da die Honda zwei Bremsscheiben hat, gilt das hier gesagte natürlich auch für die andere Seite - spiegelverkehrt, sozusagen.
 
Es empfiehlt sich, so man zwei Scheiben hat, erst eine Seite komplett zu machen und anschließend die andere:
Wenn man mal nicht mehr weiterweiß, kann man sich auf der anderen Seite abkucken, wie der Kram zusammengehört.
 
Die Beläge bei dieser CB werden von zwei Bolzen gehalten, die in den Sattel geschraubt werden.
Und weil man in Japan Loctite oder dem schlichten Drehmoment offenbar nicht traut, sind diese Bolzen mit einem Schraubstopfen gegen herausdrehen gesichert.
 
Diesen Stopfen rausdrehen und sicher zur Seite legen. Jetzt die Bolzen lösen, aber nicht herausdrehen.

3Bremssattel lösen

Die beiden Befestigungsschrauben des Bremssattels am Tauchrohr herausschrauben. Der Sattel bammelt jetzt nur noch einsam am Bremsschlauch.
 
Diese lebenswichtige Strippe vorsichtig behandeln und nicht einem Abreißversuch unterziehen.
Bestenfalls mal vorsichtig zwischen den Fingern knicken und auf kleine Risse untersuchen.
 
Wird man da fündig: Weg mit dem Ding und neu kaufen.
Ansonsten den Schlauch nicht auf Zug belasten und mit Draht irgendwo aufhängen, damit er bei der weiteren Arbeit nicht stört.

4Tachowelle lösen

Damit man weiß, mit welchem Mords-Speed man sich in der Fußgängerzone bewegt, hat die CB einen Tacho nebst Tachowelle.
Die endet im Schneckengetriebe an der Steckachse und wird in einer Drahtlasche geführt.
 
Welle und Haltelasche abschrauben und die Welle an einen Ort stecken, an dem sie nicht stört.

5Belaghalte-Bolzen

Jetzt die Belaghalte-Bolzen ganz herausschrauben. Wenn die Biester wegen allgemeinem Gammel und Korrosion nicht wollen, von der anderen Seite mit einem Durchtreiber nachhelfen.
Sitzt alles fürchterlich fest, mit Caramba einjauchen und ein Weilchen warten.
 
Spätestens nach so einer spanischen Kur sind die Beläge wegschmeißreif und der komplette Sattel muss vor Einbau der neuen Beläge peinlich sauber und ölfrei gewienert werden.

6Bremsbeläge ausbauen

Sind die Bolzen raus, purzeln einem auch schon die Beläge entgegen. Darauf achtgeben, dass man nicht das Passblech und die untere Haltefeder mit in den Schrottkübel wirft.
 
Diese Beläge hier hatten ihre besten Tage bereits im Pleistozän hinter sich und fielen bei der Demontage einfach auseinander.
(Schluck!)

7Belaghalte-Bolzen polieren

Sind die Bolzen korrodiert, den groben Rost vorsichtig mit feinem Schleifleinen entfernen und sie anschließend noch mal fein überpolieren.

8Bremsöl raussaugen

Bevor man die Kolben des Bremssattels wieder ins Gehäuse zurückprügelt, den Ausgleichbehälter der Handbremse öffnen und Bremsflüssigkeit absaugen.
Unter Umständen hat man im Laufe der Jahre mal lustig nachgekippt, so dass jetzt beim Zurückdrücken die ganze Suppe oben rausquillt.
 
Zum Absaugen eignen sich große Pferde-Spritzen aus der Apotheke.
Beim Demontieren des Ausgleichbehälterdeckels und in der weiteren Arbeit darauf achten, dass kein noch so kleines Atom Dreck in den Behälter fällt. Im Zweifel alles sauberst sauber wischen oder mit Pressluft ausblasen.
 
Bremsflüssigkeit wirkt auf Dauer zerstörerisch auf lackierten Flächen, jeden kleinen Spritzer sofort vom heiligen Motorrad abwischen oder einen Putzlappen um den Behälter legen.

9Bremskolben zurückdrücken

Jetzt die beiden Kolben wieder in das Gehäuse des Bremssattels zurückdrücken. Das geht im Prinzip mit wenig Kraftaufwand und von Hand.
 
Hat man nicht die Statur eines Terminators oder wenigstens Governators, kann man eine Schraubzwinge zu Hilfe nehmen. Die sollte den Kolben ohne Probleme zurückdrücken.
 
Tut sie´s nicht, Kolben ausbauen und nachschauen, was da klemmt. Vermutlich hat dann (durch eine kaputte Staubmanschette?) eingedrungenes Wasser ein kleines Rost-Massaker angerichtet und macht eine gründliche Überholung erforderlich. Hier empfehlen wir unseren Artikel zur Reparatur von Radbremszylindern.
 
Ansonsten gleichzeitig im Augenwinkel den Flüssigkeitsstand im Ausgleichbehälter beobachten und ggf. absaugen.
Kontrollieren, ob sich der Bremskolben (oder-Zange) im Rahmen sauber bewegen kann. Die Zange wird von zwei Bolzen geführt, die in Teflonhülsen laufen und ermöglicht erst, dass sich beide Beläge gleichmäßig an die Scheibe pressen.
Wenn da irgendwas klemmt oder schwer geht: auseinander bauen und tauschen.

10Neue Bremsbeläge einbauen

Sind die Lurche wieder im Häuschen, kann man die neuen Beläge einbauen und die Bolzen und die Haltebleche / Federn wieder einsetzen.
 
Bevor man anfängt mit den neuen Belägen zu hantieren, schadet es nichts, sich die Flossen zu waschen und Werkbank / Bremssattel mit Schnellreiniger oder Nitroverdünnung zu wienern.
Ölige Grapscher auf dem Belag vermindern die Bremsleistung deutlich.

11Bremse entlüften und zusammenbauen

Jetzt alles in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammenbauen und die andere Seite in Angriff nehmen. Darauf achten und nochmals achten, dass alle Schrauben + Bolzen dran und fest angezogen sind.
 
Ist die Bremsflüssigkeit frisch und auf dem richtigen Stand, ein paar Mal in heftig in den Bremshebel langen, bis die Fingerknöchel weiß hervortreten. Hat die Bremse einen definierten und bei mehrmaliger Betätigung gleichen Druckpunkt? Prima!
Dann den Deckel des Ausgleichbehälters zuschrauben und den Flüssigkeitsspiegel im Schrauberkörper mit einem Getränk aus der Einbauküche auffüllen.
 
Anschließend die Rumskugel polieren und eine vorsichtige Probefahrt machen: Die neuen Beläge brauchen ein paar Bremsungen, bis sie vollständig tragen.