Turbo-Tausch

Turbolader Citroen wechseln

Turbo-Tausch

# 169 | 25.01.2016 | JEM

Sobald die neue Ölwanne unterm Auto hängt und der neue Turbo auf der Werkbank funkelt, ist der Citroen oder Peugeot fast besser als neu.

1Partikelfilter

Der Partikelfilter hängt prominent vor dem Turbolader und ist mit zwei Muttern am Motorblock verschraubt.
Oben und unten wird der Rußreaktor von den Auspuffschellen am Flexrohr einerseits und am Turbo andererseits fixiert.
 
Beide Klemmschellen lösen und am besten in Richtung Filter schieben. Anschließend die Steckverbindung des Thermofühlers öffnen und das Kabel aus seiner Halterung ausclipsen.
 
Die beiden Befestigungsmuttern des Filters runterdrehen und das gute Stück vorsichtig nach unten hin aus dem Motorraum rausnehmen.

2Ölwanne ausbauen

Wenn sich PSA schon mit der Konstruktion der Ölwanne ein Ei gelegt hat, so ist die Befestigung derselben ein schimmliges Flüssigei: Das Ding wird mit "Flüssigdichtung" eingebaut.
Diesen Verzicht auf eine Papier-, Papp- oder Korkdichtung könnte man durchaus verstehen, wenn man denn ein vernünftiges Dichtmittel verwendet hätte.
 
Sehr zum Ärger des Schraubers ist das untaugliche Ding jedoch mit einer Art Superkleber am Motorblock festgepappt, so dass es auch nach dem Lösen aller Schrauben und der beiden Muttern beim besten Willen nicht vom Platz will.
 
Sobald man nun Hebelkräfte und Keile einsetzt, um den Auffangbehälter abzukriegen, verformt man das gute Stück an der Dichtfläche - und kann sicher sein, dass es bei der Wiederinbetriebnahme sein Wasser nicht halten kann.
Wir haben die alte Wanne deswegen mit brutaler Gewalt vom Gehäuse getrennt und durch ein neues Exemplar ersetzt.

3Ölwanne umbauen

Da die Ölwanne einen erheblichen Teil des Turbo-Problems darstellt, bekommt das Ding eine geänderte Ablassschraube verpasst, die es für kleines Geld im Internet zu kaufen gibt - nach etwas Recherche wird man hier schnell fündig.
 
Diese Nachrüst-Ablassschrauben dichten ausschließlich über zwei Kupferringe, von denen einer in und einer außerhalb der Wanne sitzt. Weil der Ansaugrüssel der Ölpumpe ziemlich tief in den Behälter ragt, muss die neue Schraube korrekt sitzen, ideal ist die hier im Bild gezeigte Ecke.
Hat auch den Vorteil, dass man das Auto etwas schräg parken kann, um noch mehr Öl ablassen zu können.
 
Das Loch ankörnen, Bohren und auf das rechte Maß bringen. Idealerweise mit einem Stufenbohrer. Alternativ mit einer Rundfeile. Innen- und Außenfläche fein entgraten und dann die Schraube mitsamt der beiden Kupferringe montieren.
Die richtige "Aufdrehrichtung" der Schraube ist enorm wichtig - verkehrtrum eingebaut, dreht man mit munterem Dreh das gesamte Konstrukt aus der Wanne und kann es auch nicht wieder festziehen, weil man nicht von hinten in die Wanne angeln kann, um die Flachmutter festzuhalten.
 
Um zu verhüten, dass sich das Ding trotz richtiger Montage selbsttätig öffnet, einen Tropfen Schraubensicherung dazugeben und die neue Ablassschraube fest anziehen.

4Ölwanne, kalt verformt

Als Variante zur neuen Ablassschraube ist auch kaltes Verformen denkbar, das wir mit der eh zerstörten Ölwanne ausprobiert haben.
Dabei wird das eingeschweißte Gewinde einfach in die richtige Richtung gedrückt, so dass die Schraube endlich aus der Wanne raus- und nicht mehr hineinragt.
 
Idealerweise tut man sowas mit einer Hydraulikpresse und dem richtigen Werkzeug dafür.
Selbst die russische Variante mit 13er Stecknuss und ein paar Hammerschlägen zeigt, wie gut das geht.
Einzig kritisch ist das ziemlich dünne Blech der Wanne - ein Schlag zuviel erzeugt hier Risse, die man erst dann bemerkt, wenn das Ding wieder unterm Auto hängt.

5Dichtfläche / Ansaugschnorchel

Damit das Öl später auch fein in seiner Wanne bleibt, muss die Dichtfläche am Motorblock sowohl klinisch sauber als auch aalglatt sein.
Mit einem Flachschaber alle Reste der Klebepampe entfernen und eventuelle Kratzer ausbügeln.
 
Wie weit die Verschlammung des Motor gediehen ist, zeigt ein Blick auf den Ansaugschnorchel: Wenn das Sieb im Schnorchel dicht ist, muss auch der Schnorchel raus und penibel durchgepustet werden.
Mit viel Pech hat es auch die Pumpe und die Ölkanäle im Motorblock erwischt.
 
Diese Maschine war glücklicherweise sauber, so dass Schnorchel und Pumpe drin blieben.

6Ölwanne abdichten / montieren

Als Dichtmasse für diesen PSA-Motor verwenden wir schnödes Dirko, das einerseits auch außerhalb des Citroen- oder Peugeot-Universums erhältlich ist und sich andererseits auch zerstörungsfrei wieder demontieren lässt.
 
Die Dichtfläche der Wanne millimeterdick damit bestreichen und die Wanne festschrauben.

7Ölleitungen

Um Citroens Westentaschen-Turbine auf die Werkbank zu bekommen, müssen die Ölleitungen ab.
Hierzu das motorseitige Hitzeschutzblech abnehmen: Am Motorblock sind jetzt die Ölzulaufleitung und der Rücklaufschlauch gut zu erkennen.
 
Insbesondere die Zulaufleitung ist fragil; die Inbus-Hohlschrauben am Motorblock und am Turbo vorsichtig herausdrehen und die Leitung abnehmen.
Da ja bereits vier neue Kupfer-Dichtringe auf ihren Einsatz warten, können die alten Dichtringe auf den Kupferschrott und sind vielleicht eines fernen Tages auch wieder Geld wert.
 
Der Rücklaufschlauch wird von einer Schlauchschelle am Platz gehalten - Schelle losdrehen und den Schlauch vorsichtig nach oben schieben.

8Turbo ausbauen

Der Turbo höchstselbst wird von einer Außenvielzahnschraube und zwei Kupfer-Sechskantmuttern gehalten.
 
Alles losdrehen und den Turbo samt Schlauch auf die Werkbank wuchten.

9Turbo um- und einbauen

Je nach Lieferzustand fehlen an der neuen Turbine noch ein paar Teile, die vom alten Verdichter rüberimplantiert werden müssen. Der Rücklaufschlauch lässt sich samt Stutzen abnehmen, wenn man beide Befestigungsschrauben rausgedreht hat und die Dichtfläche mit einem winzigen Meißelschlag trennt.
 
Die Stehbolzen in den Flansch eindrehen und die Innensechskant-Linsenschraube in den Zuluftflansch eindrehen.
 
Wenn auch die Dichtflächen an der Ansaugbrücke des Motors sauber ist, kann der neue Turbo an seinen Platz: Neue Kupfermuttern verwenden und die Befestigungsschraube mit etwas Keramikpaste einsetzen.
 
Den Rücklaufschlauch montieren und die Klemmschelle festziehen.

10Sieb in der Zulaufleitung

Offenbar trauen die PSA-Ingenieure ihrer eigenen Fertigung nicht über den Weg, so dass sie zum sowieso vorhandenen Motorölfilter noch ein Sieb in den Zulauf des Laders gehängt haben. Wohlgemerkt: Hier kommt Öl an, dass schon durch den Hauptstrom-Ölfilter gelaufen ist.
 
Das kleine Sieb hängt in der Hohlschraube am Motorblock und mimt quasi den letzten Hosenträger vor dem Turbo-Tod. Weil dieser Winz-Filter in ultra-verschlammten Motoren logischerweise ebenfalls verdreckt ist, wird allenthalben empfohlen, das Ding auszubauen.
Die These hinter dieser Empfehlung besteht offenbar darin, dass dann "mehr Öl" zum Lader strömt.
 
Angesichts eines Motoröldrucks von rund 3 bar und einer Zulaufbohrung im Turbogehäuse von kaum 2mm Durchmesser kann man erahnen, wie hoch
a. der Volumenstrom in der Leitung und
b. der Druckverlust über das Sieb sind und was
c. der Ausbau des Siebs schlussendlich bringt.
Obendrein setzt sich jedes noch so kleine Teilchen ohne das Sieb direkt in die Drosselbohrung des Turbogehäuses und schrottet das Gerät.
 
Die Zulaufleitung mit neuen Kupfer-Dichtringen montieren und nur die Hohlschraube am Motorblock festziehen.
Die Schraube am Turbo-Gehäuse wird kurz vor dem ersten Start nochmal geöffnet, um Öl einzufüllen.

11Montage / Motorspülung

Anschließend alle Teile in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammenstecken. Knifflig ist hierbei die Verlegung des Differenzdruckrohrs hinter dem Partikelfilter.
Um das Ding beim nächsten Mal leichter aufzukriegen, kann ein Fingerstreich Keramikpaste an dieser Stelle nicht schaden.
 
Weil im Motor Taschen und Ecken mit Schnotter-Öl lauern, lohnt sich eine Spülung des Aggregats mit frischem Öl sowie jeweils einem neuen Ölfilter.
Dieser Filter hockt unter Plasteglocke am Motorblock - den neuen Filtereinsatz in seine Fassung stecken und die Glocke festziehen. Neuen Dichtring verwenden.
 
Vor ihrem ersten Lauf muss die Turbine durchgeölt sein. Dazu die Zulauf-Hohlschraube aus dem Turbo herausdrehen und ein oder zwei Schnapsgläser frisches Motoröl in die Bohrung drücken.
Nur "Einfüllen" reicht nicht - die Drosselbohrung im Gehäuse ist hierfür schlicht zu eng. Ideal ein Gummistopfen, der gegen die Spritze und das Gehäuse gleichermaßen abdichtet.
 
Hat das Aggregat den ersten Schluck im Hals, kann man auch Clicschelle vom Luftzulauf nochmal öffnen und den Läufer einige Umdrehungen von Hand drehen.
Anschließend noch ein Schlückchen Öl obendrauf und die Hohlschraube anziehen. Der Turbo ist bereit zum Start.
 
Damit sich das kleine Wunderwerk nicht schon beim ersten Probelauf zerlegt, nach dem Anlassen kein Gas geben - Motor in der ersten Minute nur im Leerlauf tuckern lassen. Anschließend vorsichtig warmfahren und nach Erreichen der Betriebstemperatur das Öl samt Ölfilter wechseln.
 
Zu guter Letzt die untere Motorraumabdeckung montieren und den Citroen oder Peugeot oder Volvo oder wie auch immer aus der Halle bugsieren und auf dem Rückweg gleich in den Weinkeller absteigen:
 
Wie wäre es mit einem leckeren 1978er Chaeteu La Fleur? Damit lässt sich die eigene Kehle vor dem Abendessen ganz hervorragend ölen.