Dachschaden im Heck 1

Zylinderkopf VW Bus austauschen

Dachschaden im Heck 1

# 8 | 22.05.2014 | JEM

Weiße Abgasfahne bei Nacht - stilles Sterben auf der Autobahn. Unser Artikel zeigt, wie man den Zylinderkopf des Turbomotors tauscht und nebenher die ganz große Wartung macht.

1Vom Hitzkopf zum Risskopf

Ins Heck eines Bulli gepflanzt, zeigt sich der 70-PS-Turbomotor thermisch ziemlich empfindlich und ist das, was man in konstruktiver Hinsicht getrost als "Wundertüte" bezeichnen kann. Hat dieser hier immerhin 100.000 Kilometer gehalten, so gibt es Exemplare, die schon bei weniger als 10.000 Kilometern den Hitzetod sterben.

Bevor man also einfach den Kopf tauscht, sollte unbedingt die Ursache für den Motor-Tod gesucht werden. Kühlerlüfter kaputt? Temperaturanzeige im Kombiinstrument schadhaft? Zuwenig Kühlflüssigkeit drauf? Funktioniert die elektrische Hilfs-Kühlmittelpumpe, die im Stand bei heißem Motor das Kühlmittel durchquirlt? Ist das alles in Ordnung, kann man die Schuld achselzuckend auf göttliche Vorsehung schieben und den kaputten Zylinderkopf ins Massengrab dieser Bauteile werfen, in dem schon Tausende seiner Kollegen liegen, die genau dasselbe Schicksal ereilt hat.
 
Die Reparatur eines normalen Sauger-Motors geht genau so und ist wegen des nicht vorhandenen Turbos einfacher. Theoretisch können bei der Reparatur Lichtmaschine, Keilriemen und Zahnriemen drinbleiben. Weil der Patient aber eh gerade in Narkose ist, lohnt sich ein Tausch von Zahn- und Keilriemen.

2Le Schlachtfeld

Um den Zylinderkopf aus den Tiefen des Bus herauszuoperieren, muss so ziemlich alles auseinander, was man in damals in Hannover ins Heck des Lastentiers reingebaut hat. Die Operation selbst ist nicht weiter schwer, aber ziemlich umfangreich.
 
Wie man die Arbeit angeht, ist jedem selbst überlassen - verschiedene Wege führen zum Ziel. Man kann die Kopf-Transplantation durchaus auf dem Parkplatz (gegenüber dem Bistro in einem beschaulichen Dorf in der französischen Provinz) machen, eine Hebebühne oder wenigsten Auffahrrampen erleichtern die Arbeit aber erheblich. Darüber hinaus fallen immer wieder Pfützen von Öl und Kühlmittel an, die entsorgt werden wollen - ein dichter Fußboden ist also Pflicht.
 
Hat man die Klappe zum Schlachtfeld geöffnet, wird das Grauen hier offenbar: durch den Überdruck im Kühlsystem ist der lange Kühlmittelschlauch zum Kühler geplatzt und hat eine unschöne Mixtur aus Kühlmittel und Motoröl, dass in den Kühlkreislauf gedrückt wurde, auf die Autobahn geblasen.

3Batterie und Motorschutz

Batterie abklemmen, damit beim Ausbau der Lichtmaschine kein Funkenregen auf den Schrauber niedergeht und alle Schraubenschlüssel frei von Strommarken bleiben.
 
Unteren Motorschutz abbauen. Hat man die Befestigungsschrauben SW10 herausgedreht, dieses Blechmonster in irgendeine Ecke verfrachten und als Unterlage für ölige Übelkeiten benutzen, die später abgebaut werden.

4Der Auspuff

Motoröl ablassen und den Auspuff abbauen, damit man untenherum beim Ausbau des Zahnriemens und des Turboladers freie Bahn hat.
 
Der Auspuff besteht beim Bus nur aus dem Krümmer, einem Endtopf und dem Endrohr. Der Endtopf hängt an zwei Blechlaschen; diese Befestigungsschrauben lösen, aber nicht ganz herausdrehen. Ist es zu eng, die rechte Lasche auch ausbauen.
 
Abgasrohr vom Turbolader abschrauben. Eigentlich sind das verkupferte Schrauben, die sich leicht wie Engel lösen sollten, in der Praxis kommt man diesem Sündenpfuhl meist nur mit Meißelschlägen oder einer Metallsäge bei, um das Rohr vom Turbo abzukriegen. Zwischen beiden befindet sich eine Kupferdichtung: gut aufbewahren oder neu kaufen.
 
Hat man das Rohr ab oder wenigstens lose, die restlichen Schrauben der Aufhängung lösen und den Pott rausheben. Hatte sich das Motorengeräusch in letzter Zeit in Richtung "Russenpanzer im Geländegang" transponiert, kann es nicht schaden, dem Auspuff mit einem Schweißgerät zu Leibe zu rücken oder ihn gleich in die Schrotttonne zu hauen.

5Der Turbolader

Die Abgasöffnung im Turbolader vorsichtig mit einem Stück Alufolie der Werkstatt-Schokolade verschließen.
 
Der Turbolader ist ein Kabinettstückchen Feinmechanik, das schon kleine Mengen Dreck ziemlich übelnimmt. So wie eine garagengroße Flugzeugturbine durch Fütterung mit einer zierlichen Stockente in Stücke gehen kann, versagt auch das Laufzeug des Turbos bei kleinsten Mengen Schmutz - schließlich dreht sich das Ding mit einigen zehntausend Touren.
 
Damit das Ding immer schön geschmiert ist und die Lagerstellen kühl bleiben, bekommt der Turbo über eine Extra-Leitung Frischöl direkt vom Ölfilter. Aus dem Lader fließt das Öl durch eine Leitung in die Ölwanne zurück. Diese beiden Leitungen abschrauben.

6Saubere Luft

Vor dem Turbolader hängt der Luftfilter. Zum Ausbau die beiden Spannbänder lösen und den Rüssel zum Turbolader abnehmen. Luftfilter herausnehmen und einen Blick ins Innere wagen: ist die Patrone schon bei Stammkneipen-Vertäfelungsbraun angekommen, austauschen.
 
Den Luftschnorchel vom Turbolader abnehmen. Dazu muss die hässliche Drahtklemme mit einer Wasserpumpen- oder Gripzange zusammengedrückt werden. Anschließend auch die Ansaugseite des Turboladers mit einem Stück Alufolie verschließen.

7Kühlanlage

Üblicherweise sind die beiden Flüssigkeiten "Kühlmittel" und "Motoröl" im Motor striktemang getrennt, hier hat sich beides zu einer unschönen Mixtur vermengt, die vorwiegend im Kühlkreislauf zu finden ist. Das Kühlsystem muss deswegen komplett entwässert / entölt werden.
 
Die Kühlung und Heizung des Bus ist etwas kompliziert: Herz der Anlage ist die Kühlmittelpumpe mit Thermostat. Der Kühlmittelstand wird über den Ausgleichbehälter konstant gehalten, der neben der Starterbatterie hängt. Dieser Ausgleichbehälter wird von einem Nachfüllbehälter gespeist, der hinter der Nummernschild-Klappe sitzt.
 
Der Kühler selbst ist ganz vorn untergebracht und mit zwei elendiglich langen Schläuche mit dem Zylinderkopf und der Kühlmittelpumpe verbunden. Der Wärmetauscher hängt an der Leitung zwischen Pumpe und Ausgleichbehälter auf der einen, und dem Zylinderkopf auf der anderen Seite.

8Kühler und Wärmetauscher

Um die Wärmetauscher - Leitungen richtig zu entwässern- und entölen, die Heizung voll aufdrehen.
Die Pumpe selbst kann bei der Operation zubleiben; man sollte aber alle Schläuche abnehmen und so weit es geht, reinigen; ebenso den Ausgleich- und den Nachfüllbehälter.
Diesen Nachfüllbehälter durch die Klappe rausnehmen und die Leitung abnehmen.

9Schlauchiges mit Riss

Um den geplatzten Kühlmittelschlauch zum Kühler auszutauschen, das Reserverad ausbauen und den Kühlergrill abschrauben.
 
Jetzt die Entlüftungsschraube herausdrehen und zuschauen, wie irgendwo muntere Rinnsale von Kühl-Öl-Mixtur auf den Waldboden fließen. Beide Kühlmittelleitungen vom Kühler abnehmen. Möglicherweise sind die mit miesen Federklemmen befestigt, denen man nur mit Wasserpumpe oder Gripzange beikommt - nicht die Geduld verlieren.
 
Im Heck sind die beiden Schläuche mit Kühlmittelpumpe und Zylinderkopf verbunden. Um den oder die neuen Schläuche einzufädeln, kann man den oder die alten wunderbar als Zugseil benutzen: richtiges Ende des neuen mit dem alten verbinden und dann vorsichtig unter dem Wagenboden durchziehen. Zum Verkleben eignet sich Panzerband, möglicherweise muss der neue Schlauch am Wagenboden noch zusätzlich mit ein paar Kabelbindern festgestrippt werden.

10Schläuche ab!

Alle weiteren Kühlmittelschläuche vom Zylinderkopf abnehmen, damit das Ding nachher problemlos ausgebaut werden kann. Machen die Schellen einen nicht mehr koscheren Eindruck, beim Zusammenbau neue verwenden.
 
An der Kühlmittelpumpe als tiefstem Punkt sollte wenigstens eine Leitung gelöst werden, damit wirklich alle Alt-Lorke aus der Anlage abfließt. Die Schläuche im Motorraum so wegbinden / wegstecken, dass sie beim Ausbau des Zylinderkopfes nicht weiter stören.

11Lichtmaschine und Keilriemen

Keilriemen abnehmen. Die Lichtmaschine wird via Kühlmittelpumpe angetrieben, die Keilriemenspannung wird über ein Schwenken der LiMa verstellt. Vor dem Ausbau der Lichtmaschine alle Kabel an der Rückseite lösen / abschrauben und sicher weglegen (Batterie abgeklemmt??).
Die Schraube in der Verstellbrücke herausdrehen und anschließend die Befestigungsschraube herausschrauben. Keilriemen abnehmen und LiMa herausnehmen. Die Kühlmittelpumpe ist fest montiert, die Riemenspannung wird hier über mehr oder weniger Einstellscheiben reguliert, die den Abstand der Riemenscheibenhälften verändern.
Die obere Riemenscheibenhälfte ist mit drei Schrauben montiert; diese Schrauben lösen und herausdrehen. Keilriemen abnehmen und die Anzahl und Position der Scheiben merken. Sind die Riemen porös, austauschen.
Den Ölpeilstab abschrauben und ausbauen.