Noch mehr Zähne

Zangen, Teil 2

Noch mehr Zähne

# 6 | 22.05.2014 | JEM

Zangen kann man nie genug haben. Vor allem, wenn man Draht schneidet, Strippen zieht oder mit Sicherungsringen zu tun hat.

1Seitenschneider

Weil man mit Radiozange oder Storchenschnabel Kabel nicht nur fädeln, sondern auch schneiden will, besitzt dieses Modell im Maul auch eine Seitenschneide.

Im Gegensatz zur Mittenschneide einiger Kombizangen lassen sich Drähte oder Kabel damit bündig abschneiden. Bei näherem Hinsehen ist genau das der spezielle Vorteil des Seitenschneiders.
 
Hier kann man die Schnittstelle exakt anpeilen und das Kabel auch in engen Sicherungskästen, winzigen Rücklicht-Gehäusen oder schmalen Türverkleidungen glatt und sauber trennen.

2Schneiden und beißen

Neben den Seiten- und Mittenschneidern liefert der Zangenhändler des Vertrauens auch Vornschneider. Bei fast identischem Aussehen unterscheiden sich diese Geräte fundamental im Einsatzbereich und kommen unschuldig wie Opas Kneifzange um die Ecke: diese Zange diente dem Senior meist dazu, rostige Nägel aus alten Kisten zu ziehen, sie geradezukloppen und Karnickelställe zu basteln.
 
In der Tat eignet sich eine Kneifzange hervorragend, um Nägel oder Splinte herauszuziehen. Vor allem verhindert die geringe Schneidkraft wegen der kurzen Schenkel das unbeabsichtigte Köpfen der Splinte zuverlässig. Bruder Leichtfuß dieser Kneifzange ist die Rabitzzange. Bei exakt gleichem Prinzip ist ihre Hebelkraft ungleich größer und dient primär dem Eisenflechter dazu, im Akkord Moniereisen mit Bindedraht zusammenzudrehen.
 

Weil die Rabitzzange erheblich grimmiger als ein Seitenschneider zubeißt, kann man damit schlecht erreichbare Kabelenden elegant abknipsen oder Rohrschellen auf Zug bringen.

3Rundzange

Die Rundzange kann weder greifen noch beißen, sondern hat zwei kurze, kegelig-runde Schneiden. Damit lässt sich kaum was anfangen (außer Sprengringe in Schrotthaufen katapultieren, siehe unten)  - außer Drahtringe zu biegen.
 
Das geht jedoch hervorragend, so dass diese Teil die erste Wahl ist, wenn es darum geht, dicke oder dünne Massivdrähte zu einem Kreis zu biegen. Braucht man typischerweise, wenn man Kupferdraht aus NYM-Leitung auf die Klemmen im Haussicherungskasten legen möchte. (Ja, sehr alter Kasten ohne Stecksystem)

4Bolzenschneider

Bolzenschneider oder Vornscheider mit Hebelübersetzung sind für hartnäckige Fälle gedacht und trennen je nach Baugröße auch bis zu kleinfingerdicke Baustahl-Bolzen.
 
Wichtig ist dabei in der Tat das Material: so wie man eine Kombi- oder Wasserpumpenzange mit einem harten Zylinderstift zum Edelschrott krönt, lassen sich diese Zangen mit hartem Draht erledigen.

Solches Material findet sich zum Beispiel in Zugfedern oder Spannbändern. Der Versuch, eine ausgeleierte Zugfeder abzuknipsen und das Auge anschließend wieder neu zu biegen, mündet deshalb meist im reuigen Canossagang zum Werkzeughändler: während der Federstahl unversehrt auf der Werkbank liegt, hat sich die Schneide der teuren Zange kalt verformt.

5Elektro-Zangen

Falls man Zangen für Arbeiten an Bord- oder Werkstattelektrik verwendet, kann man das teure Werkzeug auch mit elektrischem Strom entwerten: Sorgt das Maul für einen Kurzschluss in einem potenten Stromkreis, reißt ein spektakulärer Funkenüberschlag erhebliche Mengen Material aus Schneide oder den Zähnchen.
 
Meist hat man anschließend eine Feuerzange mehr und kann von Glück reden, wenn der Eingriff ohne weiteren Schaden für Mensch und Material abging.
 
Plant man Eingriffe in die Niederspannungs-Elektrik der eigenen Werkstatt, sollte neben einer gehörigen Portion Sachkenntnis vor allem das geeignete Werkzeug an Bord sein:
Diese Zangen (und Schraubendreher) sind bis 1000 Volt isoliert und so gestaltet, dass die Hand nur mutwillig mit der nackten Klinge in Kontakt kommen kann.

6Abisolierzangen

Meist sollen Kabel aber nicht nur abgeschnitten, sondern auch wieder mit Klemmleisten, Sicherungshalter oder Lampenfassungen verbunden werden. Um die Isolierung abzubekommen, kann man an dieser Stelle seine Schneidezähne malträtieren oder eine Abisolierzange benutzen.
 
Während Standardmodelle vor 20 Jahren auf einen definierten Kabeldurchmesser fest eingestellt werden mussten und dann nur diesen einen Durchmesser sauber abisolierten, haben sich inzwischen automatische Abisolierzangen durchgesetzt.
Hier reicht es, das Kabel einzustecken und Schnapp! abzuisolieren.
 

Sie stellen sich selbsttätig auf unterschiedliche Durchmesser ein; bessere Modelle erlauben eine feste Einstellung der Abisolier-Tiefe.

7Kabel crimpen

Um aufgetrennte Stromkreise wieder zu schließen, werden abisolierte Kabelenden oft unter Zuhilfenahme einer Crimpzange mit einem Kabelschuh verquetscht.
 
Kern des Crimpens ist ein definierter Druck und die exakte Geometrie der Quetschverbindung: Quetscht man zu lasch, kann das Kabel rausreißen; ist der Druck zu stark, werden Leiter, Kabelschuh und Isolierhülse beschädigt.
 
Eine automatische Crimpzange verhindert das zuverlässig und stellt eine stets gleiche Geometrie der Verbindung sicher. Der oft noch in irgendeiner Kiste rumfliegende Blechstanzling "BOSCH ABISOLIERUNG" sieht zwar hochoffiziell aus, crimpt aber nur nach Lust und Laune - solche Verbindungen immer sorgfältig kontrollieren.
 

8Sprengringzange

Wer gerne Hardware schraubt und in die Tiefen von Verteilergetriebe oder Ventilsteuerung abtaucht, begegnet Sicherungsringen. Sie hocken in Eindrehungen auf Wellen und Achsen sowie in Gehäusenuten und fixieren runde Teile elegant und materialsparend.

Allerdings benötigt man eine Sicherungsringzange in korrekter Bauform und Größe, um diesen Ring zu montieren oder zu demontieren. So eine Zange greift in die beiden Löcher des Federstahl-Bauteils und drückt ihn je nach Form entweder zusammen oder auseinander.
 
Weil das so simpel aussieht, haben Generationen von Schraubern die Spitzen ihrer Radiozangen in diese Ringe gebohrt und mussten dann zusehen, wie der Ring Pling! durch die Bude flitscht und höhnisch klingelnd in der garantiert finstersten Ecke der Werkstatt verschwindet. Das sorgte und sorgt für heiße Flüche auf die (nach ihren Erfindern) "verdammten Seegeringe", erspart aber nicht den Kniefall auf den Werkstattboden, um den verlorenen Ring zu suchen. Spätestens nach einer Stunde vergeblicher Suche in Schrottkisten und unter Werkbänken schwört man schließlich den Kauf so einer "Seegeringzange" in gerade und abgewinkelt, klein und groß sowie innen und außen.